Die Wählerinnen und Wähler in Rheinland-Pfalz haben über die Zusammensetzung des neuen Landtages entschieden. Dabei ist schon heute sicher, dass die Gesundheitspolitik an Bedeutung gewinnen wird. Vor welchen Herausforderungen die zukünftige Regierung steht und welche Erwartung die TK hat, erklärt TK-Landeschef Jörn Simon.

Jörn Simon

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Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz

Für das Land ergeben sich aus meiner Sicht besonders die vier folgenden Herausforderungen:

  1. Der öffentliche Gesundheitsdienst muss gestärkt werden. Das gilt sowohl für die Personalausstattung als auch die technische Infrastruktur. Das haben aber auch alle entscheidenden Parteien soweit auf dem Radar. Vermutlich bedarf es noch stärkerer Aufklärungsarbeit auch bei der Bevölkerung, welche Aufgaben der ÖGD neben der Pandemiebekämpfung verfolgt und wie die Bürgerinnen und Bürger davon profitieren.
  2. Die Krankenhausplanung obliegt den Bundesländern und ist eine typisch föderale Aufgabe auf Landesebene. Hier unterliegen aber fast alle Parteien dem Reflex, jedes Krankenhaus, das in finanzielle Schieflage gerät, retten zu wollen. Der Mangel an Fachkräften und auch Qualitätsfragen würden hier aber für andere Lösungen sprechen.

    Andere Länder machen es uns vor. Weniger Kliniken, aber dafür größere und besser ausgestattete Häuser, führen zu einer besseren Versorgung. Um es klar und plakativ zu sagen: Als Kasse geht es uns hier absolut nicht ums Sparen, sondern um bessere Behandlungsergebnisse. Qualitätsexpertinnen und Experten versprechen sogar weniger Todesfälle. Auch die Gesundheits- und Krankenhauspolitik sollte daher umdenken und eine neue Balance zwischen wohnortnaher Versorgung und erreichbarer Qualität finden.
  3. Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu sichern bleibt eine Herausforderung und erfordert kluge Ideen und neue Wege. Gerade Rheinland-Pfalz mit wenig urbanen Zentren, dafür naturnahem, aber dünn besiedeltem Landschaftsraum ist hier gefordert.

    Aus Sicht der TK stellt die Telemedizin einen ganz wichtigen Lösungsweg dar. Video-Sprechstunden boomen und ermöglichen zumindest zeitsparend medizinisches Knowhow ortsunabhängig zur Verfügung zu stellen. Dafür muss natürlich die entsprechende technische Infrastruktur und Netzabdeckung sichergestellt werden. Mehr Delegation und eventuell auch Substitution von ärztlichen Leistungen wird zudem nötig sein. Auch größere medizinische Integrierte Versorgungszenten werden zunehmend eine Alternative zu vielen Einzelpraxen werden müssen.
  4. Schon aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Pflegebereich weiter im Fokus bleiben und auch die Finanzierung wird weiter diskutiert werden. Um die Eigenbeteiligungen der Betroffenen nicht noch weiter zu strapazieren muss das Land mehr Verantwortung übernehmen. Ähnlich wie im Krankenhausbereich müssen auch bei stationären Pflegeeinrichtungen mehr Investitionskosten durch Landesmittel aufgebracht werden. 

Und noch eine Querschnittsaufgabe über alle Themenfelder bleibt auf der Agenda. Egal welche Farbkonstellation nach der Wahl in Rheinland-Pfalz die Regierungsverantwortung übernimmt, für alle Gesundheitsthemen gilt: Digitalisierung bleibt das Topthema. Hier gilt: Besser Potenziale nutzen statt Bedenken betonen!