TK: Wie viele Defibrillatoren braucht der Freistaat?

Bernhard Seidenath: Gerade durch privates Engagement und Spenden gibt es schon viele Defibrillatoren. Das ist gut und wichtig. Denn in Deutschland erleiden jedes Jahr circa 150.000 Menschen einen plötzlichen Herztod, deren Leben möglicherweise durch eine rasche Frühdefibrillation hätte gerettet werden können.

Bern­hard Seide­nath

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MdL, Vorsitzender des Landtagsausschusses für Gesundheit und Pflege

Bei 85 Prozent aller plötzlichen Herztode liegt anfangs ein Kammerflimmern vor. Ein Defibrillator kann diese elektrisch kreisende Erregung im Herzen durch gleichzeitige Stimulation von mindestens 70 Prozent aller Herzmuskelzellen unterbrechen. Hierbei ist Zeit der wesentliche Faktor, da mit jeder Minute ohne Hilfe die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent abnimmt.

Deshalb brauchen wir flächendeckend mehr Defibrillatoren - eine Zahl lässt sich da schlecht nennen - und wir brauchen sie insbesondere an den Orten, wo sich viele Menschen aufhalten. Natürlich brauchen wir auch und erst recht die Menschen, die Erste Hilfe leisten und sich zutrauen, im Notfall den Defi auch zu benutzen. Denn jedes gerettete Leben zählt!

TK: Kaum einer weiß, wo sich die Defibrillatoren befinden. Wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Seidenath: Sie stellen die richtige Frage. Was nützt ein Defibrillator, wenn im Notfall keiner weiß, wo er sich befindet? Wir haben deshalb erreicht, dass im Staatshaushalt heuer 500.000 Euro in die Verbesserung der Defibrillatoren-Ausstattung in Bayern investiert werden. Diese Mittel reichen für die Beschaffung von rund 300 Defibrillatoren sowie für eine Machbarkeitsprüfung eines Defibrillatoren-Katasters. Ideal wäre nämlich, dass im Fall des Falles Helfer - etwa via Smartphone - auf dem  schnellsten Weg zum nächsten Gerät geleitet werden. Solche Apps gibt es bereits - sie sind aber häufig nicht aktuell und vollständig.

TK: Wie sieht es mit der Bedienung aus? Trauen sich überhaupt genügend Menschen zu, einen solchen Defibrillator zu benutzen?

Seidenath: Als Vorsitzender des Kreisverbands Dachau des Bayerischen Roten Kreuzes kenne ich die Frage nur zu gut. Deshalb - das haben die vorbereitenden Gespräche in den vergangenen Wochen auch gezeigt - wollen wir einen Teil des Geldes in weitere Schulungen fließen lassen, gerade von Multiplikatoren, etwa von Sport-Übungsleitern. Tatsächlich sind Defis leicht in der Bedienung und helfen zumeist mit Sprachsteuerung Schritt für Schritt bei der Ersten Hilfe. Man kann nichts falsch machen! Denn wenn es nicht nötig ist, löst ein Defi auch nicht aus. Bitte vergessen wir aber nicht: ein Defibrillator ist ein Hilfsmittel. Die wichtigste Maßnahme zur Wiederbelebung ist die Herz-Druck-Massage. Diese hat oberste Priorität. Zusätzliche Helfer können und sollten dann den nächstgelegenen Defi holen.
 
TK: Wie lässt sich die Erste-Hilfe noch verbessern?

Seidenath: Der Umgang mit den Defis ist bereits Teil der Erste-Hilfe-Schulungen. Ich kann nur jeden ermuntern, diese in regelmäßigen Abständen aufzufrischen. Im Ernstfall rettet dies Leben! Ich bin deshalb froh, dass die Erste Hilfe auch an den Schulen größer geschrieben wird. Das Kultusministerium hat hier aktuell dankenswerterweise Ergänzungen in den Lehrplänen vorgenommen. Denn damit Erste Hilfe selbstverständlich wird, sollten Schülerinnen und Schüler früh und häufig mit den nötigen Schritten vertraut gemacht werden. Im Ernstfall zählt vor allem: nur Mut! Nichtstun ist das schlechteste, das man tun kann!