In wöchentlichen Telefonkonferenzen tauschen sich Krisenstäbe der Krankenkassen auf Fach- und Vorstandsebene aus. Die Kassen stehen zudem auch im ständigen virtuellen Kontakt mit den Vertragspartnern und Sozialminister Manne Lucha.  
 
TK: Was bedeutet die Pandemie für die Krankenkassen in Baden-Württemberg? 

Andreas Vogt: Unser Arbeitsalltag hat sich radikal verändert. Das gilt für die TK, aber sicher auch für alle anderen Krankenkassen. Meine Kollegen in der TK-Kundenbetreuung haben zum Beispiel vor Ort den Kundenservice sichergestellt - per Telefon, Mail, Chat oder - wenn es erforderlich war - auch persönlich. Unsere Kundenberatungen waren - nach Voranmeldung - immer geöffnet! 

Andreas Vogt

Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Im TK-Fachzentrum für Mitgliedschaft und Beiträge in Stuttgart wurden unter Hochdruck Tausende von Anträgen auf Beitragsstundung bearbeitet. Das funktioniert, obwohl viele Kolleginnen und Kollegen in der Kinderbetreuung gebunden sind. Alle internen Absprachen finden per Telefon oder Video statt - auch alle Meetings und Konferenzen. 

TK: Sie verantworten den öffentlichen Auftritt und die Verträge zur Versorgung der 1,2 Millionen TK-Versicherten in Baden-Württemberg. Wie hat Corona die inhaltliche Arbeit beeinflusst? 

Vogt: Das Thema ist so dominierend wie bislang keines seit ich im Gesundheitswesen tätig bin - und das sind immerhin 30 Jahre. Wir stehen zwar im Vergleich zu Ärzten, Pflegepersonal oder vielen anderen Berufsgruppen nicht an vorderster Front der Pandemie-Bekämpfung. Trotzdem bin ich stolz auf unseren Beitrag: Die Krankenkassen haben in kürzester Zeit Hunderte von Regelungen treffen müssen, um unseren Partnern in der Versorgung eine angemessene Konzentration auf die Herausforderungen der Pandemie zu ermöglichen. 

Die TK ist in vielen dieser Prozesse unmittelbar beteiligt, entweder selbst oder über unseren Verband der Ersatzkassen (vdek). Wir diskutieren zur Zeit zum Beispiel, wie die Krankenhäuser mit möglichst geringem Aufwand Rechtssicherheit über ihre finanzielle Ausstattung im laufenden Jahr erhalten können. Wir wollen auch sicherstellen, dass Ärzte, Zahnärzte, Rehakliniken und die vielen Heilmittelerbringer in Baden-Württemberg alle gesetzlich zugesagten Gelder erhalten, um den Ausfall von Patienten finanziell überstehen zu können. Das sind nur Beispiele; die Liste solcher Regelungen ist sehr eindrucksvoll. 

TK: Wo und wie werden die dafür notwendige Absprachen getroffen?

Vogt: Wir haben in Baden-Württemberg bereits Mitte März unter Einbeziehung aller Krankenkassen eine sehr gut funktionierende Struktur dafür gebildet. Die TK hat das sehr früh vorgeschlagen und im Verbund mit den anderen Kassen organisiert. In wöchentlichen Telefonkonferenzen tauschen sich Krisenstäbe der Krankenkassen auf Fach- und Vorstandsebene aus. 

Auch mit dem Sozialministerium und unseren Versorgungspartnern stehen wir im ständigen Austausch, um soweit möglich alles so zu regeln, dass trotz der aktuellen Herausforderungen kranke Menschen behandelt werden können - egal ob wegen Corona oder aus anderen Gründen.

TK: Es gibt Anzeichen, dass wir langsam wieder in den Normalbetrieb zurückkehren können. Wird dann alles so sein wie vorher? 

Vogt: Es wird noch dauern, bis wir von einem "Normalbetrieb" sprechen können. Solange es keine Impfung und keine wirksamen Medikamente gibt, wird es eher ein Nebeneinander von regulären Behandlungen und hoher Aufmerksamkeit für Corona-Patienten geben. 

Zwei Erkenntnisse habe ich aber jetzt schon gewonnen: Erstens hat sich der Nutzen der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung - zum Beispiel die Chancen eines vernünftigen Datenmanagements oder durch die Telemedizin - klar erwiesen. Und zweitens konnten wir bisher alle Herausforderungen gut bewältigen, obwohl Baden-Württemberg im Vergleich mit anderen Bundesländern eher weniger Krankenhausbetten vorhält. Wichtig sind professionelle Strukturen und hohe Qualität am richtigen Ort.