Herr Vogt, ist solch ein Register wirklich notwendig oder nur zusätzliche Bürokratie für die Kliniken? 

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass solch ein Register tatsächlich notwendig ist. In Baden-Württembergs Kliniken wird ohne Zweifel gute Arbeit geleistet. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass künstliche Gelenke teilweise oder komplett ausgetauscht werden müssen, zum Beispiel wegen Fehlern bei der Erstoperation oder weil das Implantat Qualitätsmängel aufweist. Allein schon aufgrund der demographischen Entwicklung werden die Komplikationen weiter steigen.

Wenn in Zukunft Probleme mit einem Implantat auftreten, kann durch das Register schnell nachgeforscht werden, ob es ähnliche Fälle gibt. Patienten können so rechtzeitig gewarnt werden. Durch die wissenschaftliche Auswertung der Daten wird es sogar möglich, Rückschlüsse auf die Qualität der implantierenden Klinik zu ziehen.
    
Für die Endoprothesen gibt es bereits ein Register (EPRD). Wie sind die Erfahrungen damit?

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Das Hauptproblem beim EPRD liegt darin, dass die Teilnahme für die Kliniken freiwillig ist. In Baden-Württemberg können sich die Patienten in über 120 Kliniken künstliche Knie- oder Hüftgelenke einsetzen lassen. Doch nur knapp die Hälfte der Kliniken liefert Daten an das Register. 

Für mich ist das unverständlich. Denn auch für die Kliniken hat so ein Register Vorteile. Sie können wertvolle Erkenntnisse über die Qualität von künstlichen Gelenken ziehen und so Behandlungsqualität und Patientensicherheit steigern.

Die Meldung an ein Register bedeutet natürlich einen gewissen Aufwand. Die Kliniken bekommen dafür jedoch einen Zuschlag. Mit dem Implantateregister kommen auf die Kassen jährliche Mehrausgaben von rund 15 Millionen Euro zu. Dies nehmen wir jedoch im Interesse der Patienten in Kauf. 
   
Sehen Sie noch Verbesserungsmöglichkeiten beim Implantateregister?

Ich würde mir wünschen, dass das neue Implantateregister auch für Patientinnen und Patienten zugänglich wird. Das ist beim EPRD nicht der Fall. 

Auf europäischer Ebene ist man da einen Schritt weiter. Die EU-Kommission hat die Öffnung der europäischen Datenbank für Medizinprodukte (Eudamed) für die Öffentlichkeit beschlossen. Sogar eine laienverständliche Sprache ist vorgeschrieben. Das ist im Sinne des "mündigen Patienten" ein deutlicher Fortschritt.