Herr Vogt, vor dem Ausblick auf 2019 der Blick zurück: Was waren aus Ihrer Sicht die "Highlights" des vergangenen Jahres?

Ein Höhepunkt war sicher der Start von "docdirekt" im April. Das war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem modernen Gesundheitswesen. Die Kassen im Land unterstützen dieses Projekt weiterhin finanziell. Denn die Telemedizin ist eine gigantische Chance und in anderen Ländern schon lange fest etabliert.

Der nächste Schritt muss im kommenden Jahr kommen: das elektronische Rezept. Der Wille dazu ist da, die Umsetzung wird noch etwas Hirnschmalz erfordern.

Die TK hat mit der elektronischen Gesundheitsakte TK-Safe im Frühjahr ebenfalls einen Vorstoß zur Digitalisierung des Gesundheitswesens - und für mehr Patientensouveränität - unternommen. TK-Safe ermöglicht es Versicherten, alle Daten rund um ihre Gesundheit strukturiert und übersichtlich an einem Ort zu speichern und selbst zu managen.

Die Landesregierung ist im Lauf des Jahres in der Halbzeit der Legislaturperiode angekommen. Was waren die wichtigsten Maßnahmen aus landespolitischer Sicht?

Die Landespolitik war - und ist - sehr bemüht, die Situation in der Altenpflege zu verbessern. Dies kommt in der Verabschiedung des Landespflegestrukturgesetzes zum Ausdruck. Mit unserem Positionspapier "Update Altenpflege" möchten wir unseren Teil dazu beitragen. 

Die Änderung des Landeskrankenhausgesetzes hatte zum Ziel, die Organspende voranzubringen und die unmittelbare Anwendung externer Qualitätsindikatoren auf die Krankenhausplanung des Landes zu verhindern. Das war aus unserer Sicht ein etwas zu defensiver Ansatz. Aber mit dem Ergebnis können wir leben, da Qualitätsaspekte in das Gesetz aufgenommen wurden. 

Sozialminister Manne Lucha ist es gelungen, sechs Projekte zur sektorenübergreifenden Versorgung im Land zu etablieren und sich mit diesem Thema auch bundesweit Gehör zu verschaffen.

Erwähnen möchte ich zudem die Reise in die Niederlande mit dem "Runden Tisch Geburtshilfe" unter der Leitung von Staatssekretärin Bärbl Mielich. Ich bin gespannt, welche Impulse sich daraus für Baden-Württemberg im kommenden Jahr ergeben.

Damit sind wir beim Jahr 2019 angelangt. Wie sehen hier Ihre Erwartungen aus? 

Die Einführung des elektronischen Rezeptes habe ich bereits erwähnt. Das Sozialministerium unterstützt das Projekt GERDA (Geschützter E-Rezept Dienst der Apotheken) mit einer Million Euro. Die Telemedizin wird sich nur dann als zusätzliches Angebot durchsetzen, wenn die Patienten danach nicht doch noch für die Aushändigung eines Rezepts in die Praxis kommen müssen. 

Zudem erhoffe ich mir weitere Fortschritte bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Dieses Feld dürfen wir nicht den großen Konzernen überlassen, weil wir ansonsten keine Möglichkeit mehr haben, die Versorgung im Interesse der Patienten zu steuern. 

Das kommende Jahr sollte auch dafür verwendet werden, in die Überarbeitung des Landeskrankenhausplans einzusteigen. Der jetzige stammt noch aus dem Jahr 2010. Ziel sollte es sein, im Jahr 2020 einen neuen Plan präsentieren zu können. Dann sollte der Behandlungsbedarf im Mittelpunkt stehen und nicht mehr die Zahl der Betten.