Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass Patienten in Deutschland deutlich besser versorgt werden könnten, wenn mehr als die  Hälfte der Krankenhäuser schließen würden.

Herr Vogt, halten Sie es für einen sinnvollen Ansatz, die Zahl der Krankenhäuser um die Hälfte zu reduzieren?

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Es wäre falsch, eine Zahl als Zielmarke an den Anfang zu setzen. Aber der von den Experten der Bertelsmann-Stiftung vorgegebene Weg ist richtig. Die Konzentration von Ressourcen - bei Ärzten und Pflegekräften - führt zu mehr Qualität. Denn Übung macht den Meister! Und Qualität ist deutlich wichtiger als Wohnortnähe. Das gilt vor allem für planbare Operationen.

Aber auch bei der Notfallversorgung von Herzinfarkt oder Schlaganfall macht es keinen Sinn, Patienten in Kliniken vor Ort zu bringen, die darauf nicht gut vorbereitet sind. Um die längeren Anfahrtswege in eine spezialisierte Klinik so gut wie möglich zu kompensieren braucht es aber ein digitales System, das dem Rettungsdienst sofort anzeigt, welches Krankenhaus freie Kapazitäten zur Verfügung hat. Die Patienten müssen im Rettungswagen zudem so gut wie möglich auf die OP vorbereitet werden. Da hat Baden-Württemberg noch Nachholbedarf.

Wo steht Baden-Württemberg insgesamt beim Thema "Optimierung der Krankenhauslandschaft"?

Wir fangen wirklich nicht bei null an. Sozialminister Manne Lucha hat vor wenigen Tagen zurecht darauf hingewiesen, dass sich die Krankenhauslandschaft im Südwesten in einem gewaltigen Umbruch befindet. An vielen Standorten werden neue Strukturen geschaffen mit modernen, leistungsfähigen Zentralkliniken. Im Vergleich zu Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen steht Baden-Württemberg recht gut da. 

Dieser Prozess muss fortgesetzt werden. Die nun anstehende neue Krankenhausplanung bietet dazu eine gute Gelegenheit.

Was schlagen Sie vor?                                                                                     
Die Krankenhausplanung basiert auf Parametern von gestern und droht blind zu werden für die Herausforderungen von morgen. Noch immer steht nicht der tatsächliche Behandlungsbedarf im Mittelpunkt, sondern die Zahl der Betten. 

Wir schlagen deshalb vor, die Krankenhausplanung in Baden-Württemberg grundlegend zu verändern. Die bisherige Orientierung an der Zahl der Betten wird abgelöst von der Frage, welche Leistungen wo am sinnvollsten erbracht werden können. Dabei müssen die Möglichkeiten der ambulanten Versorgung mit berücksichtigt werden.