TK: Wie haben Sie persönlich und auch politisch die Corona-Situation empfunden? Welche Lehren/Konsequenzen müssen für die Zukunft gezogen werden?

Nicole Westig: Die Pandemie hat eindrucksvoll gezeigt, dass unser Land noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist. Deutschland muss moderner, freier und digitaler werden, um den künftigen Herausforderungen und auch Pandemien begegnen zu können. Bei der Digitalisierung haben wir besonderen Aufholbedarf in unseren Schulen, unseren Verwaltungen und im Gesundheitswesen. Das gilt jedoch nicht nur für die technische Ausstattung, sondern gerade auch für die Vermittlung digitaler Kompetenzen. 

TK: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist mit Corona beschleunigt unterwegs. Was sind die großen Digitalen Herausforderungen für die zukünftige Gesundheitspolitik?

Westig: Die wichtigste Herausforderung ist sicherlich, endlich eine gemeinsame E-Health-Strategie für Deutschland unter Einbeziehung aller Akteure zu erarbeiten. Im Sinne der Patientinnen und Patienten müssen Insellösungen vermieden werden. Als pflegepolitische Sprecherin ist mir die Anbindung der Pflege an diese Strategie ein besonderes Anliegen. Dabei sollte die Politik weniger auf den Staat setzen, sondern die Innovationskraft und Kreativität der Privatwirtschaft, gerade der digitalen Start-ups, stärker als bisher nutzen. Es gilt, universelle Datenschutzstandards zu entwickeln, Schnittstellenprobleme zu beheben und Interoperabilität stärker in den Fokus zu stellen, um die Akzeptanz der Endnutzer zu steigern. 

Nicole Westig

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Mitglied des Deutschen Bundestages, Pflegepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion

TK: Im September treten Sie wieder bei der Wahl an. Was möchten Sie in den nächsten vier Jahren gesundheitspolitisch ändern?

Westig: Als pflegepolitische Sprecherin möchte ich die Pflege in Deutschland zukunftsfest machen. Die demografische Entwicklung stellt uns besonders in der Langzeitpflege vor große Herausforderungen. Unser Fokus muss mehr als bisher in der Frage liegen, wie Menschen auch mit Pflegebedarf länger in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Dazu gehört, die große Gruppe der pflegenden Angehörigen in unserem Land mehr zu entlasten und besser zu unterstützen. Zum Beispiel durch ein Liberales Pflegebudget, das den Betroffen unbürokratisch ermöglicht, die Leistungen die ihnen zustehen, flexibel zu nutzen.
Ein Schlüssel zur Überwindung des akuten Fachkräftemangels liegt in einer moderner als bisher ausgerichteten Pflegeausbildung. Wir brauchen mehr Karrierechancen für Pflegende und eine Durchlässigkeit von der Pflegeassistenz bis hin zur Pflegeprofessur. Die digitale Transformation muss noch viel Stärker Eingang in die Ausbildung finden, um Pflegende auf die Anforderungen von Morgen vorzubereiten.