Der ausgewiesene Experte auf diesem Gebiet engagiert sich seit Jahren im Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. und bekleidet dort das Amt des Generalsekretärs. 

TK: Herr Müller, herzlichen Glückwunsch zur Ernennung zum Patientensicherheitsbeauftragten! Diese Position ist in der Krankenkassenlandschaft zurzeit einmalig. Welches Ziel verbindet die TK mit dem neugeschaffenen Posten?

Hardy Müller: Vielen Dank für die Glückwünsche! Eine gute und sichere Krankenversorgung zählt zu den Zielen der Techniker Krankenkasse. Mit der erstmaligen Berufung eines TK-Beauftragten für Patientensicherheit wird nun ein weiterer Beitrag zu deren Ausbau geleistet.

Der Ersatzkassenverband vdek hat zusammen mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit APS im August letzten Jahres eine Patientensicherheitsoffensive gefordert. Eine der Forderungen aus dem APS-Weißbuch Patientensicherheit lautet, dass wir für weitere Fortschritte beim dringend notwendigen Ausbau der Patientensicherheit eigene Beauftragte in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens benötigen. Die TK hat dieser Forderung nun als erste Krankenkasse Taten folgen lassen.

Mit der Stelle steht in der TK für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein zentraler Ansprechpartner für die Belange der Patientensicherheit zur Verfügung. Weitere Aufgaben bestehen in der Koordination von Aktivitäten im Themenfeld sowie in der Initiierung von Kooperationen zum weiteren Ausbau der Patientensicherheit.

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Hardy Müller

TK: Was erhoffen Sie sich und wofür wollen Sie sich in Ihrer neuen Funktion einsetzen?

Müller: Wir zählen jedes Jahr auch im deutschen Gesundheitswesen mindestens 20.000 Tote durch vermeidbare unerwünschte Ereignisse. Zumindest 15 Prozent der Krankenhausausgaben müssen für die Revision von unerwünschten Ereignissen ausgegeben werden. Ein immenses Einsparpotential! Noch wichtiger aber ist unsere absolute Verpflichtung, das Leid der Betroffenen zu reduzieren. Es gilt der Grundsatz in der Medizin "Zu allererst nicht schaden". Ich gehe davon aus, dass alle Verantwortlichen bei der konkreten Gestaltung des Gesundheitswesens diesem unveräußerlichen Anspruch zukünftig mehr Aufmerksamkeit zollen.

Auf Seiten der Politik ist das Thema auch international hochrangig verortet. Mittlerweile finden jährlich globale Ministertreffen zum Thema Patientensicherheit statt - das fünfte Treffen ist nächstes Jahr vom 27. bis 29. Februar 2020 in der Schweiz. Die WHO hat beschlossen, dass der 17. September zum Welttag der Patientensicherheit wird.

Ich werde mich gerne dafür einsetzen, dass aus diesen gesundheitswissenschaftlichen Erkenntnissen und politischen Forderungen konkrete Projekte und Angebote für die Patientinnen und Patienten werden.

TK: Was hat die TK bisher für Sicherheitsstrukturen in der Medizin getan? Oder betritt die TK hier Neuland?

Müller: Die TK engagiert sich traditionell stark beim Ausbau der Patientensicherheit zum Beispiel im Bereich des aktiven Behandlungsfehlermanagements. Lange vor der gesetzlichen Verpflichtung Versicherte bei einem Verdacht auf Behandlungsfehler zu unterstützen, waren wir hier schon routinemäßig aktiv. Daneben engagierte sich die TK in Projekten zum Ausbau der Patientensicherheit bspw. durch eine Krankenhausbefragung im Jahr 2015 zum Stand des klinischen Risikomanagements in deutschen Kliniken. Ein anderes Projekt " TK-CIRS " unterstützte und überprüfte die Einführung von Lernsystemen in der ambulanten Praxis. Nicht zuletzt zu erwähnen ist die Gremienarbeit in diesem Feld. Die TK unterstützt das APS seit seiner Gründung im Jahr 2005 bis heute durch aktive Mitarbeit in den Organen und in den Arbeitsgruppen des APS.

TK: Das Land Hamburg war als erstes Bundesland Mitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. und schiebt immer wieder Initiativen an, die auf mehr Patientensicherheit einzahlen. Haben Sie einen konkreten Wunsch an das Land Hamburg?

Müller: Hamburg gebührt zunächst großer Dank für seine Initiativen im Bereich der Patientensicherheit. Sehr oft war die Freie und Hansestadt Hamburg Vorreiter bei wichtigen Initiativen. Zu wünschen wäre heute die Unterstützung der Politik bei der Einführung von Beauftragten und Fachkräften von Patientensicherheit in allen Einrichtungen des deutschen Gesundheitswesens. Das Land Hessen bereitet hierzu aktuell eine Rechtsverordnung mit dem Ziel vor, dass in allen hessischen Krankenhäusern Beauftragte für Patientensicherheit bestellt werden und deren Ausbildung finanziell unterstützt wird. Mit diesen neuen Berufsgruppen in den Einrichtungen werden die dringend notwendigen Fortschritte im Bereich der Patientensicherheit möglich. Die Unterstützung dieser Initiative durch die Hamburger Gesundheitspolitik würde deren Innovationskraft im Bereich der Patientensicherheit weiter unter Beweis stellen.