TK: Herr Dr. Bobbert, im Februar dieses Jahres wurden Sie zum Präsidenten der Ärztekammer Berlin gewählt. Wie waren Ihre ersten Monate im neuen Amt?

PD Dr. Peter Bobbert: Es ist wohl wenig überraschend, wenn ich sage, dass die ersten Monate durch die COVID-19-Pandemie geprägt waren. Die Bewältigung der Pandemie ist derzeit unsere dringendste Aufgabe, der vieles hinten angestellt werden muss. Soweit es geht wurde mir der Start in das neue Amt einfach gemacht: Unsere Ärztekammer ist ein hervorragendes Team aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen, die sich jeden Tag aufs Neue mit Elan in die Arbeit einbringen. Mit diesem Team zu arbeiten, ist für mich eine große Ehre.

TK: Die Digitalisierung in der Medizin haben Sie als den Schwerpunkt für Ihre Amtsperiode bezeichnet. Was ist hier die vordringlichste Aufgabe?

PD Dr. Bobbert: Die digitale Medizin prägt unsere ärztliche Arbeit bereits heute und wird diese zukünftig weiter stark verändern. Es ist daher unsere Aufgabe darauf hinzuwirken, dass wir durch die Digitalisierung nicht nur eine andere, sondern auch eine bessere Medizin bekommen. Digitalisierung ist nicht das Ziel, sondern sie ist unser Mittel für eine innovative Medizin von Morgen, in deren Zentrum weiterhin der Mensch stehen muss. 

PD Dr. Peter Bobbert

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Präsident der Ärztekammer Berlin

TK: Welche Veränderungen sind neben der Digitalisierung notwendig, wenn Sie an das Gesundheitssystem von morgen denken?

PD Dr. Bobbert: Die COVID-19-Pandemie zeigt es uns täglich: Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das einer solchen Herausforderung standhält. Hierfür bedarf es einer andauernden wie ausreichenden Finanzierung in Strukturen, aber insbesondere in das Personal. Wenn der Mensch im Mittelpunkt des Gesundheitswesens stehen soll, dann gilt dies sowohl für die Patient:innen als auch für die Mitarbeiter:innen. Die zunehmende Kommerzialisierung der Gesundheit steht diesem Ansatz klar im Wege. Ein Gesundheitssystem von Morgen, das für und von Menschen gestaltet wird, wird zwar Geld kosten, aber dies sollte es uns allen wert sein. 

TK: Im Herbst wird ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Welche Erwartungen haben Sie an den neuen Senat? 

PD Dr. Bobbert: Vom neuen Senat erwarte ich, dass wir die kommenden Jahre stärker als bisher mutig unsere Gesundheitsstadt Berlin 2030 gestalten. Wir müssen hier Vorbild für die Bundesrepublik werden, indem wir in Berlin mit all seinen Möglichkeiten eine Gesundheitsstadt erarbeiten, die durch drei gleichberechtige Säulen des ambulanten und stationären Sektors sowie dem Öffentlichen Gesundheitsdienst geprägt ist. Eine Stadt, die ihre Strukturen besser vernetzt, von der Hausärzt:innenpraxis bis zur Universitätsklinik. Wir haben in Berlin die besten Voraussetzungen. Wir müssen sie nur besser nutzen. Ein weiteres ambitioniertes Ziel muss sein, Berlin bis 2030 zu einer klimaneutralen Gesundheitsstadt zu machen.

TK: Im Laufsport haben Sie beachtliche Erfolge vorzuweisen. Bleibt dafür bei allen beruflichen Verpflichtungen ausreichend Zeit? 

PD Dr. Bobbert: Ein klares Nein. Als Präsident der Berliner Ärztekammer werde ich mich in den kommenden Jahren für eine Medizin einsetzen, die für jeden Menschen in Berlin eine optimale Gesundheitsversorgung bietet. Hierfür trägt die Ärzteschaft Verantwortung, ganz im Sinne unseres Genfer Gelöbnisses, in dem wir uns der Menschlichkeit verpflichten. Dieser gerade auch sozialen Verantwortung müssen wir täglich gerecht werden. Toleranz, Weltoffenheit und das Bekenntnis zur Wissenschaft prägen unser Handeln. Für den Laufsport habe ich neben meinen besonderen ehrenamtlichen und beruflichen Verpflichtungen demnach leider zunächst nicht mehr viel Zeit. 

Zur Person

PD Dr. Peter Bobbert ist seit Februar 2021 Präsident der Ärztekammer Berlin. Seit 2007 war er Mitglied der Delegiertenversammlung und zwischenzeitlich zudem Mitglied des Vorstandes der Ärztekammer Berlin. Seit 2019 ist er Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer. Bobbert ist Mitglied des Bundesvorstandes des Marburger Bundes und Oberarzt im Evangelischen Krankenhaus Hubertus Berlin, Klinik für Innere Medizin. Er hat eine Lehrbefugnis an der Charité für das Fach Innere Medizin. 2014 hat er an der Charité im Fach Innere Medizin habilitiert.