Bremen, 5. Dezember 2019. Personalmangel, Schichtdienst und steigende Arbeitsbeanspruchung: Pflegekräfte sind gesundheitlich stark belastet. So fielen die Pflegekräfte in Bremen im vergangenen Jahr durchschnittlich 23,3 Tage wegen Krankheit aus. Damit sind Mitarbeiter in Pflegeberufen sehr viel länger krank, als Berufstätige insgesamt, die durchschnittlich 14,7 Tage fehlen. Dies zeigt die aktuelle Bremer Ausgabe des TK-Gesundheitsreports 2019 "Pflegefall Pflegebranche? So geht's Deutschlands Pflegekräften".

Pflege belastet Körper und Psyche

Hohe Fehlzeiten verursachen vor allem Erkrankungen der Psyche und des Muskel- und Skelettsystems. In Bremen gehen durchschnittlich 4,6 AU-Tage je Versicherungsjahr auf das Konto von psychischen Erkrankungen. Im Gegensatz dazu sind es in anderen Berufsgruppen 2,6 AU-Tage. Ähnlich ist das Ergebnis bei den Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems, wie zum Beispiel Rückenschmerzen. Durchschnittlich fehlen Mitarbeiter in Pflegeberufen 4,5 AU-Tage aufgrund dessen. In den anderen Berufsgruppen sind es durchschnittlich 2,6 AU-Tage.

Alten- und Krankenpfleger erhalten mehr Medikamente

Auch die Anzahl der verordneten Arzneimittel ist in Pflegeberufen höher als bei Berufstätigen insgesamt. Erwerbstätige aller Branchen in Bremen haben durchschnittlich 228 Tagesdosen pro Kopf an Arzneimitteln verschrieben bekommen. Beschäftigte in Pflegeberufen bekamen hingegen 258 Tagesdosen verordnet. Beide Werte liegen noch unter dem Bundesdurschnitt.

Auch die Art der verordneten Medikamente lässt Rückschluss auf den Gesundheitszustand der Pflegekräfte zu. Mit 6,44% ist der Anteil von Menschen in Pflegeberufen mit Antidepressiva-Verordnungen in Bremen um 1,26 Prozentpunkte höher, als der der Berufstätigen insgesamt.

"Würde es künftig gelingen, den Berufsalltag dieser Menschen so zu gestalten, dass er nicht mehr "krank" macht, hilft das nicht nur den einzelnen Pflegenden und Gepflegten, sondern ist auch Teil der Lösung gegen den Fachkräftemangel in der Pflege", so Dr. Susanne Klein, Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen.

Gesundheitsförderung in Pflegeheimen: Modellprojekt PROCARE

Mit dem bundesweiten Modellprojekt PROCARE  möchte die TK gesundheitsfördernde Maßnahmen sowohl für Pflegekräfte als auch für pflegebedürftige Bewohner in Heimen integrieren. Auch in Bremen ist das Projekt bereits gestartet. Für die Mitarbeiter sind u. a. Ergonomie-Schulungen, Rückenfitness und Maßnahmen zur Stressreduzierung und Entspannung wichtig. Bei den Heimbewohnern spielen die Themen Bewegung, Kognition und psychosoziales Wohlbefinden eine große Rolle.                                       

Präven­tion für Pfle­ge­kräfte und Bewohner

TK-Infografik zum Ablauf des Präventionsprogramms PROCARE. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
PROCARE ist ein Präventionsprogramm für Pflegeeinrichtungen, das sich an Pflegekräfte und Pflegebedürftige richtet.

Länderreport Bremen 2019

PDF, 2,9 MB Downloadzeit: eine Sekunde

Hinweis für die Redaktionen

Grundlage für die Auswertungen waren anonymisierte Routinedaten der TK von Erwerbspersonen (Berufstätige und Empfänger von Arbeitslosengeld I), die im Krankheitsfall eine AU einreichen. 2018 waren rund 33.000 Bremer Erwerbspersonen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren bei der TK versichert. Das sind 9,8% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 

Die Daten aller TK-Gesundheitsreporte sind online auf tk.de (Suchnummer 2034298) zu finden. Im TK-Fehlzeiten-Tool lassen sich die Reportdaten beliebig nach Branchen, Bundesländern und Tätigkeiten filtern.