Möglichkeiten der digitalen Gesundheit nutzen

Sinnvolle und evaluierte telemedizinische Anwendungen können einen wertvollen Beitrag in der Patientenversorgung leisten - vor allem in ländlichen Gebieten. Bereits heute gibt es gute und innovative Angebote der Krankenkassen. Es sollte die Möglichkeit geben - im kontrollierten Rahmen - weitere, neue telemedizinische Angebote auszuprobieren. Derzeit ist die Berufsordnung noch so formuliert, dass der Arzt einen unmittelbaren Kontakt zu seinem Patienten (physischer Kontakt) gewährleisten muss. Deshalb plädiert die TK in Schleswig-Holstein schon länger für eine Lockerung der Regelungen zur sogenannten "Fernbehandlung" in der ärztlichen Berufsordnung. So können Ärzte telemedizinische Leistungen gestalten, die Effizienz und Qualität gesteigert und Patienten unnötige Wegstrecken erspart werden. Um diese Angebote nutzen zu können, muss darüber hinaus die Breitbandversorgung im Flächenland Schleswig-Holstein weiter ausgebaut werden.

Krankenhauslandschaft weiterentwickeln - in zukunftsfeste Kliniken investieren

Auch Schleswig-Holstein ist von einem dynamischen Neustrukturierungs- und Rationalisierungsprozess geprägt. Den Investitionsbedarf für die 113 Krankenhausstandorte in Schleswig-Holstein beziffert die Krankenhausgesellschaft auf mehr als 500 Millionen Euro. Mit dem zusätzlichen Investitionsprogramm "IMPULS 2030" trägt die Landesregierung diesem Zustand bereits Rechnung, dies kann jedoch nur ein Anfang sein. Bei allen Investitionen sollte von Beginn an die Umwandlung der zukünftigen Kliniklandschaft berücksichtigt und in zukunftsfeste Standorte investiert werden. Dies entlastet die Kliniken von dem Zwang, Erlöse aus allgemeinen Krankenhausleistungen - die eigentlich zur Deckung ihrer Betriebskosten dienen - für notwendige Investitionen einzusetzen. Letztlich ist das eine Quersubventionierung aus Mitgliedsbeiträgen der gesetzlichen Krankenkassen. Mehr noch: Damit werden der Patientenversorgung wertvolle Mittel entzogen.

Durch das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) soll die strukturelle Anpassung der stationären Versorgung an die Bedürfnisse der Bevölkerung vorangetrieben werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Krankenhausplan. Zukünftig sollen dabei Indikatoren für die Struktur-, Ergebnis- und Prozessqualität berücksichtigt werden. Schleswig-Holstein muss diese Möglichkeiten durch die Einführung eines Landeskrankenhausgesetzes nutzbar machen, um eine verbesserte und effizientere stationäre Versorgung den Menschen in unserem Land anbieten zu können.

Ärztlichen Nachwuchs für Hausärzte auf dem Land langfristig sicherstellen

Die hausärztlich/allgemeinärztliche Versorgung in ländlichen Bereichen ist momentan noch gewährleistet, doch die Basis einer guten medizinischen Versorgung droht im demografischen Wandel verlorenzugehen. Nur zehn Prozent der Facharztprüfungen werden in der Allgemeinmedizin absolviert, notwendig wären aber 40 Prozent. Aufgrund der Altersstruktur der Allgemeinmediziner und Allgemeinmedizinerinnen ist mit einem überdurchschnittlichen Rückgang der Arztpraxen gerade im ländlichen Bereich zu rechnen.

Die Kampagne der KVSH "Mehr.Arzt.Leben" setzt hier mit vielfältigen Angeboten für Medizinstudierende, Ärzte in Weiterbildung und niederlassungswillige Ärzte an. Ganz zentral ist jedoch eine frühzeitige Orientierung der Medizinstudenten auf die Fachrichtung Allgemeinmedizin. Die Landesregierung sollte daher die Bestrebungen auf Bundesebene unterstützen, die Prüfung im Fach Allgemeinmedizin zum obligatorischen Teil der Abschlussprüfung in der Medizin zu machen. Dieser Schritt ist überfällig, weil ansonsten der dringend notwendige Nachwuchs in die Spezialmedizin abwandert.

Finanzielle Mittel zur Gesundheitsförderung aufstocken

Prävention und Gesundheitsförderung sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Das setzt voraus, dass die jeweiligen Verantwortungsträger auf der Basis ihrer gesetzlich zugewiesenen Verantwortung tätig werden und sich angemessen beteiligen.

Entsprechend dem gesamtgesellschaftlichen Charakter der Gesundheitsförderung bei vulnerablen Gruppen und der Intention des Präventionsgesetzes ist eine Aufstockung der finanziellen Mittel zur Gesundheitsförderung durch das Land Schleswig-Holstein wünschenswert. Dies begründet sich unter anderem darin, dass für viele Aufgaben wie etwa kommunale Präventionsprojekte oder gesundheitsförderliche Strukturbildung primär die öffentliche Hand und nicht die Krankenkassen zuständig sind.

Rettungsdienst

Immer häufiger suchen Patienten die Notaufnahmen der Krankenhäuser auf, auch wenn es sich um leichtere Erkrankungen handelt. Gründe dafür liegen in der Unkenntnis über die verschiedenen Notfallstrukturen, weil sie nicht lange auf einen Facharzttermin warten wollen oder kein ausreichendes Notfall-Angebot vorhanden ist. Mit dem KHSG hat der Bundesgesetzgeber den Auftrag erteilt, dass bis zum 31. Dezember 2016 der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ein gestuftes Notfallsystem entwickeln soll. Es zeichnet sich jedoch ab, dass es aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen im G-BA und der nötigen Folgenabschätzung zu Verzögerungen kommt. Der Gesetzgeber hat daher die Frist für den G-BA um ein Jahr verlängert. Um jedoch die Strukturen zu vereinfachen und den Patientinnen und Patienten ein geeignetes Angebot anbieten zu können, sollte Schleswig-Holstein sich für eine schnelle Umsetzung einsetzen und weitere Modellversuche initiieren.