TK: Frau Enderlein, wie spüren Sie als Geschäftsführerin der MEDIGREIF Parkklinik die Auswirkungen der Corona-Pandemie?

Katja Enderlein: Zunächst einmal muss ich sagen, ich habe in dieser Zeit eine neue Form des Zusammenhalts unter meinen Mitarbeitern kennengelernt. Unsere Mitarbeiter haben trotz der eigenen verständlichen Ängste und der großen Unsicherheit, die gerade zum Anfang der Pandemie herrschte, sehr viel Einsatzbereitschaft, Kreativität und Einsicht gezeigt. Sie haben die notwendigen und nicht immer einfachen Maßnahmen mitgetragen und konsequent umgesetzt, dafür zolle ich all meinen Mitarbeitern hohen Respekt und meinen ganz persönlichen Dank. 

Wir alle haben in dieser Zeit lernen müssen, dass Normalität keine Selbstverständlichkeit ist und das schnell gewohnte Rhythmen außer Takt geraten, ohne dass wir dafür ursächlich sind. Existenzangst, die Frage nach dem: Was wird morgen sein, hat in unser Leben Einzug gehalten. Wir mussten lernen, dass bisher Selbstverständliches eben nicht selbstverständlich ist.

Katja Ender­lein

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Geschäftsführerin MEDIGREIF Parkklinik GmbH, Greifswald

TK: Mit Blick auf die Arbeit der Parkklinik, welche Herausforderungen müssen Sie bewältigen?

Enderlein: Die MEDIGREIF Parkklinik hat, als eine von fünf Rehabilitationskliniken, durch die Landesregierung den Auftrag erhalten, als Reservekrankenhaus zur Verfügung zu stehen. Wir mussten für unsere Klinik in kürzester Zeit neue Behandlungsstrategien und Versorgungsabläufe entwickeln, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Die Einsatzpläne unseres Personals mit allen vertretenen Professionen, die hauseigene Logistik, die Dokumentation, auch die Beschaffungswege für neue notwendige Hilfsmittel wurden kurzfristig erarbeitet und etabliert. All dies bei immer noch laufendem Betrieb als Rehabilitationsklinik und ohne, die im Haus befindlichen Rehabilitanden weniger gut zu betreuen. Wir konnten zu unserem Glück auf sehr viel Ideenreichtum unserer Mitarbeiter zurückgreifen und haben eine ungeahnte Kreativität bei der Lösung der immer neuen Herausforderungen erlebt.

Hinzu kamen die notwendig gewordenen Hygienemaßnahmen, die ebenfalls entwickelt und kurzfristig umgesetzt werden mussten. Jeder, der in dieser Zeit in einem ähnlichen Bereich tätig war oder noch ist, hat erlebt, wie herausfordernd die täglich neuen Informationen und Anforderungen waren und immer noch sind, und wie viel Kraft es all denen abverlangt, die im Gesundheitswesen für andere tätig sind und täglich immer wieder aufs Neue ihr Bestes geben.

TK: Die TK ist in Mecklenburg-Vorpommern für die Auszahlung der Coronahilfen für stationäre Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen zuständig. Profitieren Sie von diesen Hilfen?

Enderlein: Diese Frage beantworte ich Ihnen sehr gern. Noch nie habe ich in den zurückliegenden 16 Jahren, die ich im Gesundheitswesen in verantwortlicher Position tätig bin, erlebt, dass so schnell und so unbürokratisch Zahlungen erfolgt sind. Das hat nicht nur unserer Klinik, sondern ich denke allen, die diese Hilfe in Anspruch nehmen konnten, ungemein geholfen. In einer mehr als herausfordernden Zeit gab das Sicherheit und damit Zuversicht, dass wir es auch wirklich schaffen können, diese Krise zu meistern. Danke an dieser Stelle an die Sozialpartner, die diese schnelle Hilfe möglich gemacht haben und danke insbesondere an die TK, die diese schnellen Hilfen so zügig zur Verfügung gestellt hat.

TK: Lernen Sie etwas aus der gegenwärtigen Krise für die Versorgung danach?

Enderlein: Ja, ich habe so einiges mitgenommen und werde mein Bestes geben, dies in der Zukunft zum Nutzen unserer Patienten und der gesundheitlichen Versorgung weiterhin anzuwenden und wenn möglich auch noch auszubauen.

So haben wir zum Beispiel mit dem neu etablierten Clustermanagement eine Möglichkeit bekommen, uns zwischen Akutmedizinern und im Bereich der Reha Arbeitenden auf kurzem Weg auszutauschen. Fragen, wie das Überleitungsmanagement, Informationsweitergabe, vor allem die Hygienebelange betreffend, können wir dank des Clustermanagements auf kurzem Weg zügig und effektiv austauschen. Schnell haben alle im Cluster Mitwirkenden gemerkt, dass es einen enormen Vorteil für die Versorgung der Patienten gibt, wenn man weiß, was der andere leisten kann und was er eben nicht leisten kann. Zu wissen, was der Vor- oder der Nachbehandelnde leisten kann, hilft im Verständnis für einander.

Ein weiteres Beispiel bzgl. positiver Erfahrungen ist, dass wir bei den bisher zwar wenigen Akutpatienten die wir betreut haben, erleben konnten, dass es bei nicht lebensbedrohlichen, jedoch akutstationären Behandlungsnotwendigkeiten vorteilhaft ist, wenn eine Verlegung in eine andere Einrichtung und der damit für den Patienten bedingte Verlegungsstress vermieden werden kann.

In unserer MEDIGREIF Parkklinik haben wir zudem eine enorme Dynamik bekommen, was den Umgang mit elektronischen Medien betrifft. Nicht nur, dass wir in einer bisher nicht gelebten Intensität unsere elektronische Patientenakte weiter ausgebaut haben: Auch die Kommunikation mit Partnern wurde durch die Nutzung von Video- und Telefonkonferenzen auf ein neues Niveau gehoben. Die durch den Einsatz dieser Medien freigewordene Zeit, die zum Beispiel ich, zuvor oft auf der Straße verbracht habe, um von einem zum anderen Gesprächstermin zu fahren, ist in der Zeit von Corona meiner Klinik und damit meinen Mitarbeitern zugute gekommen. Das ist unter anderem eine von vielen Erfahrungen, die ich gern in die Zeit nach Corona mitnehmen und weiter vertiefen möchte.