Magdeburg, 5. Februar 2020. "Das Potential der Digitalisierung in Medizin und Pflege kann nur dann in vollem Umfang in Sachsen-Anhalt entfaltet werden, wenn das Land den flächendeckenden Breitbandausbau endlich konsequenter und schneller vorantreibt als bisher. Die Zeit drängt: Das Thema muss prioritär auf die Agenda gesetzt werden." Das forderte Steffi Suchant, Leiterin der Landesvertretung Sachsen-Anhalt der Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch im Landtag. Im Zuge einer öffentlichen Sitzung der Enquete-Kommission zur Gesundheitsversorgung in Sachsen-Anhalt plädierte die Juristin: "Wir brauchen einen konkreten Fahrplan: Was will das Land seiner Bevölkerung bieten und wie können Kassen und Leistungserbringer hier unterstützen?" 

Smart-Home-Lösungen für die Pflege

Gerade im Bereich der Pflege sieht die TK eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Nutzung digitaler Anwendungen. Drei von vier Pflegebedürftigen in Sachsen-Anhalt werden im häuslichen Umfeld durch ambulante Pflegedienste oder Angehörige versorgt. "Zahlreiche Pflegebedürftige könnten mittels Smart-Home-Lösungen besser unterstützt werden, beziehungsweise die Pflegenden könnten bei ihrer Pflegetätigkeit entlastet werden. Dies kann beispielsweise durch den Einsatz von Sensoren, die Aktivitäten oder Stürze melden, der Fall sein", so Suchant.

Die TK plädiert daher dafür, den Leistungskatalog der Pflegeversicherung entsprechend anzupassen. Die Leistungen für "wohnumfeldverbessernde Maßnahmen" sollten im Bereich der technischen Hilfen im Haushalt auch für technische Assistenz- und Überwachungssysteme gelten. Damit könnten Versicherte auch hierfür den Zuschuss von bis zu 4.000 Euro in Anspruch nehmen.

Bund und Land gemeinsam in der Pflicht 

Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge erhalten derzeit fünf Prozent der Gesamtbevölkerung Sachsen-Anhalts Leistungen aus der Pflegeversicherung. Suchant: "Das sind nahezu 111.000 Menschen. Viele von ihnen könnten von einer entsprechenden Neuregelung profitieren. Allerdings nur dann, wenn der Gesetzgeber hier zeitnah die entsprechenden Voraussetzungen schafft, und Sachsen-Anhalt die praktische Anwendung durch den zügigen Ausbau der benötigten Infrastruktur ermöglicht. Bund und Land sind hier gemeinsam in der Pflicht!"