Das Gesundheitssystem ist eine Dauerbaustelle. Das ist jetzt zwar keine Bremer Exklusiv-Situation. Es fällt aber auf, dass so manches Thema der laufenden Legislatur auch die kommenden vier Jahre prägen wird.

Beispiel Krankenhausbereich: Die diversen Aufgaben sind riesig. Das Bremer Krankenhausgesetz aus dem Jahr 2011 ist trotz zwischenzeitlicher leichter Faceliftis mittlerweile "gut abgehangen". Dies ist nicht zwingend ein Nachteil - bietet sich doch so die Chance, jetzt einen moderneren, zukunftsfähigen Aufschlag zu diskutieren. Im Vordergrund sollte dabei eine konsequente Ausrichtung an den Qualitätsvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses stehen. Wenn Bremen sich als Gesundheitsstandort allererster Güte präsentieren will, sollte man dabei auf das Nutzen regionaler Schlupflöcher weitgehend verzichten. Die durch die Mindestmengen-Debatte angestoßene Konzentration hochwertiger und komplexer Leistungen an wenigen Standorten fördert nicht nur die Qualität, sondern ist auch aus einem anderen Grund geboten: Hochqualifizierte Fachkräfte sind Mangelware. Deshalb sollten wir Strukturen fördern, in denen sich Spezialisten auf ihr Spezialgebiet konzentrieren können.

Auch die Psychiatrie-Reform gehört in die Rubrik Dauerbaustelle. Über die Zielrichtung besteht ja weitgehend Einigkeit: so viel stationäre Versorgung wie nötig, so viel ambulante Versorgung wie möglich. Klingt gut, ist aber schwierig. Zwei Ansatzpunkte scheinen mir elementar: Wie gelingt es, dass die Kliniken einen echten Anreiz haben, stärker ambulantisierend zu arbeiten? Wie kommen wir weg von der Steuerungsdominanz der Krankenhäuser hin zu einer größeren Verantwortlichkeit ambulanter Anbieter? Auch hier ist die Landespolitik mit planerischen Vorgaben gefragt.

Das vielleicht wichtigste Thema ist, wie es Bremen gelingt, Digitalisierung als Chance zu begreifen und dieses Zukunftsfeld noch stärker zu besetzen. Die Grundlagen sind da: Forschungsinstitute und Starts ups, die sich international sehen lassen können, ambulante und stationäre Spitzenmedizin und eine Public Health-Szene, wie sie kaum ein anderes Bundesland vorweisen kann. Was es jetzt dringend braucht ist eine klare Verantwortlichkeit für das Thema und einen Masterplan, wie man den Gesundheitsstandort Bremen im digitalen Zeitalter aufstellen will.