Wie denken Sie, die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung in Sachsen besser zu nutzen?

Susanne Schaper: Wir sehen vielfältige Nutzungsmöglichkeiten der Digitalisierung, z. B. bei der Entlastung des Personals von nicht-pflegerischen Arbeitsbestandteilen (u. a. Medikationsvorbereitung), bei der Verbesserung der Informationsbeschaffung und beim Informationsaustausch im Rahmen der Diagnostik und Therapie (Telemedizin), aber auch bei der Erleichterung der Dokumentationen oder bei der Zusammenführung von relevanten Patientendaten. Mit digitalen Mitteln können darüber hinaus nicht optimale Behandlungen erkannt und das Qualitätsmanagement verbessert werden. Digitale Anwendungen können Patientinnen und Patienten im Alltag beim Umgang mit ihren chronischen Erkrankungen unterstützen.

Wir unterstützen den Einsatz digitaler Lösungen, solange nicht Arbeit am Menschen durch Robotik ersetzt wird. Wir setzen uns dafür ein, dass der Freistaat Sachsen den Mitteleinsatz für den Netzausbau sowie für die Digitalisierung und den Ausbau der Telemedizin erhöht. Auch in den ländlichen Regionen, wo wir wahrscheinlich zukünftig ohne Telemedizin nicht auskommen werden, muss eine vernünftige Netzanbindung erreicht werden.

Was werden Sie in der kommenden Legislaturperiode zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung unternehmen?

Susanne Schaper: Unser Hauptaugenmerk gilt sowohl den drei Basissektoren der medizinischen Versorgung, d. h. dem ambulanten und dem stationären Bereich sowie dem öffentlichen Gesundheitsdienst, als auch der Verbesserung der sektorenübergreifenden gesundheitlichen Versorgung.

Aufgrund der Probleme im ambulanten Bereich werden wir uns u. a. für eine Erweiterung der sächsischen Studienkapazitäten (evtl. auch in Chemnitz) oder die Erleichterung und Unterstützung von insbesondere hausärztlichen Niederlassungen im ländlichen Raum einsetzen, denn mehr Fachpersonal erreicht man nur, wenn man mehr ausbildet. Außerdem setzen wir uns für mehr Investitionen in die Barrierefreiheit von Arztpraxen, für mehr Medizinische Versorgungszentren ein und dringen darauf, dass Modelle wie die Gemeindeschwester zurückkehren und die Landespolitik mobile Angebote wie rollende Arztpraxen besser unterstützt.

Was erwarten Sie von den Krankenkassen? Welche Vorstellungen haben Sie von einem fairen Wettbewerb unter den Krankenkassen?

Susanne Schaper: Wir erwarten, dass sie im Sinne der Versicherten bei der Sicherstellung der medizinischen Versorgung unterstützen und Versichertenbeiträge zur bestmöglichen Versorgung der einzelnen Menschen einsetzen. Als LINKE melden wir allerdings Zweifel an der Behauptung an, dass der Kassenwettbewerb tatsächlich zum besseren Versorgungsergebnis beiträgt; der dürfte vielmehr eher zu Unsicherheit und Intransparenz bei den Versicherten führen. Deshalb unterstütze ich es, dass es aufgrund der Vielzahl gesetzlicher Krankenkassen Leistungskataloge gibt. Ich unterstütze auch Wünsche von Versicherten, diesen auszubauen, z. B. im Bereich der Heil- und Hilfsmittel. Die bestmögliche Versorgung der Versicherten sollte im Mittelpunkt der Krankenversicherungen stehen. Gewinne und Profite sollten zu diesen Zwecken reinvestiert oder für spätere Investitionen zurückgestellt werden.

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Susanne Schaper

Welche Maßnahmen wollen Sie für die zunehmende Zahl pflegebedürftiger Menschen in Sachsen umsetzen?

Susanne Schaper: Wir haben maßgeblich an der Einsetzung und am Bericht der Enquete-Kommission mitgewirkt, die sich mit den Problemen der Pflege alter und beeinträchtigter Menschen in Sachsen befasst hat (Landtags-Drucksache 6/15400, unterstützen die meisten im Bericht beschriebenen Maßnahmen und haben in einem Minderheitenvotum eigene Akzente gesetzt. Wir müssen erstens die Arbeits- und Einkommensbedingungen in der professionellen Pflege verbessern, zweitens die Rahmenbedingungen für die häusliche Pflege durch Angehörige verbessern und drittens die Pflegebedürftigen finanziell entlasten. Wir müssen Eigenanteile deckeln und sozialversicherungspflichtige Lohnersatzleistungen für pflegende Angehörige einführen sowie Beratungsangebote ausbauen und für Arbeitsplatzsicherheit ähnlich wie beim Mutterschutz sorgen, denn wer pflegt, verdient finanzielle und Planungssicherheit.

Nur durch die gravierende Erhöhung der insgesamt für die Pflege eingesetzten Mittel können spürbare Verbesserungen in diesen Bereichen erreicht werden, weshalb wir uns u. a. für die Einführung einer Pflegevollversicherung einsetzen, nicht zuletzt, weil wir die Pflege älterer und beeinträchtigter Menschen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sehen.