TK: Wie beurteilen Sie den ersten Entwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG)?

Sören Schmidt-Bodenstein: Wir begrüßen den Vorstoß der Regierung, Problemfelder in der ambulanten medizinischen Versorgung zu adressieren. Die Patienten sollen einen besseren und vereinfachten Zugang zu ärztlichen Leistungen erhalten. Mit dem vorliegenden Entwurf werden zentrale Problemfelder angegangen. Wenn diese Vorschläge so umgesetzt werden, haben die Versicherten einen direkten und spürbaren Nutzen von den Änderungen.

TK: Welche Vorteile sind aus Ihrer Sicht besonders hervor zu heben?

Schmidt-Bodenstein: Damit die Versicherten in Zukunft Transparenz über ihre Daten haben, sollen alle Krankenkassen dazu verpflichtet werden, bis spätestens 2021 eine elektronische Gesundheitsakte (eGA) anzubieten. Das wird die Versicherten in die Lage versetzten, in einem bislang nicht dagewesenen Umfang, Selbstmanagement zu betreiben. Dadurch erlangt die Möglichkeit, Gesundheit selbst zu managen ein neues Level.

Wenn Ärzte mit den Patienten gemeinsame Entscheidungen über die Therapieoptionen treffen, schafft dies Verständnis und stärkt die Therapietreue, den Behandlungserfolg und die Patientenzufriedenheit. Allerdings muss der Mehraufwand, den der Arzt durch eine umfangreichere Beratung oder weitere Leistungen hat, auch entsprechend vergütet werden. Die TK befürwortet daher, dass der einheitliche Bewertungsmaßstab überprüft werden soll, um die Arzt-Patienten-Kommunikationen weiter zu verbessern.

Zudem sollen die Terminservicestellen künftig nicht nur 24 Stunden am Tag über die einheitliche Nummer 116 117 erreichbar sein, sondern auch Unterstützung bei der Suche für die dauerhafte Behandlung bei Haus-, Kinder- und Jugendärzten bieten. Begrüßenswert ist zudem, dass Termine auch online oder per App vereinbart werden sollen.

Sören Schmidt-Boden­stein

Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein

TK: Gibt es bei der TK bereits Entwicklungen, die auf die Patientenzufriedenheit einzahlen?

Schmidt-Bodenstein: Die Techniker Krankenkasse (TK) setzt bundesweit Maßstäbe in der Versorgung von Migräne- und Kopfschmerzpatienten. Gemeinsam mit der Schmerzklinik Kiel und bundesweit über 400 niedergelassenen Schmerztherapeuten wurde erstmals eine koordinierte Versorgungslandschaft für diese Patientengruppe geschaffen. Aus Bremen sind drei Schmerzspezialisten am Projekt beteiligt.

Zusammen mit IBM haben wir eine Akte für unsere Versicherten entwickelt, die derzeit im Testbetrieb läuft. Der Versicherte hat ganz konkrete Vorteile davon: Er hat alle wichtigen Dokumente an einem zentralen Speicherort, was zum Beispiel im Gespräch mit dem Arzt sehr nützlich ist. So können beispielsweise Wechselwirkungen zwischen Medikamenten besser erkannt und unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden. Außerdem hat die TK das Projekt digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits angestoßen und geht jetzt sogar einen Schritt weiter: Aktuell werden die ersten Arbeitgeber in den Prozess eingebunden.