Stuttgart, 23. Oktober 2018. Die Techniker Krankenkasse (TK) sieht im Bereich der Digitalisierung der Altenpflege in Baden-Württemberg noch großen Nachholbedarf. "Die Digitalisierung bietet großes Potenzial, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen und den Alltag für die Pflegepersonen und die pflegenden Angehörigen zu erleichtern", sagt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Die TK fordert von Politik, Heimbetreibern und Kostenträgern gemeinsame Anstrengungen, um dieses Potenzial so schnell wie möglich zu nutzen.

Lan­des­wei­te "In­for­ma­ti­ons­platt­form Pflege"

In einem Positionspapier unter dem Titel "Update Altenpflege" fordert die TK unter anderem eine landesweite "Informationsplattform Pflege", auf der Beratungsangebote für pflegende Angehörige ebenso abgerufen werden können wie aussagekräftige Qualitätsberichte über Pflegeheime. "Das Land sollte die Infrastruktur dafür bereitstellen, Pflegeexperten ein Konzept entwickeln", so Vogt. "Viele Beratungsangebote sind bereits vorhanden, doch die Vernetzung fehlt. Ein solches Portal würde einen Schub für die Beratungs- und Qualitätstransparenz auslösen."

Gute Beratung ist so wichtig wie fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung

Der Leiter der TK-Landesvertretung sieht sich in dieser Einschätzung von einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der TK bestätigt. Danach sagten 86 Prozent der befragten Menschen aus Baden-Württemberg, dass fachkundige und jederzeit verfügbare Beratung für pflegende Angehörige ihre Motivation zur Pflege spürbar erhöhen würde - im Vergleich der Bundesländer der höchste Wert. "Gute und an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Beratungsangebote sind für die pflegenden Angehörigen im Südwesten genauso wichtig wie finanzielle Unterstützung", betont Vogt.

Große Be­reit­schaft zur Pflege im Südwesten

Die Bereitschaft zur Pflege ist in Baden-Württemberg sehr ausgeprägt. 14 Prozent der erwerbstätigen Befragten gaben an, dafür ihren Job sogar ganz aufzugeben. Bundesweit würden das nur sechs Prozent tun. 85 Prozent sind bereit, nahe Angehörige mit Demenz zu pflegen. Auch das ist im bundesweiten Vergleich der höchste Wert (bundesweit 79 Prozent). Vogt: "Die große Pflegebereitschaft ist ein Pfund, mit dem Baden-Württemberg wuchern kann. Die Menschen erwarten dafür zu Recht professionelle Unterstützung."

Schlüs­sel­rol­le für Pfle­ge­kräf­te bei Te­le­me­di­zin

Auch für die Pflegekräfte selbst bringt die Digitalisierung nach Einschätzung der TK deutliche Vorteile. "Bei der telemedizinischen Versorgung werden die Pflegekräfte in Zukunft eine Schlüsselrolle übernehmen", sagt Vogt. Die Aus- und Weiterbildung in den Pflegeberufen müsse deshalb dringend angepasst werden, beispielsweise durch Praxistrainings nach bayerischem Vorbild.

Zahl der Pfle­ge­kräf­te muss deutlich steigen

Nur wenn es gelingt, die Attraktivität der Pflegeberufe durch angemessene Bezahlung, konsequente Digitalisierung, moderne Aus- und Weiterbildung, flexible Arbeitszeiten und bessere Präventionsangebote deutlich zu erhöhen, kann die Pflege alter Menschen auf hohem Niveau aufrecht erhalten werden. "Die Zahl der Pflegekräfte muss bis zum Jahr 2030 von derzeit rund 130.000 auf über 170.000 ansteigen, wenn das Verhältnis von Pflegebedürftigen zu pflegenden Personen gleich bleiben soll", betont Vogt.

TK für smarte Er­wei­te­rung der Pfle­ge­ver­si­che­rung

Die Digitalisierung der Pflege kann schließlich einen großen Beitrag dazu leisten, dass Pflegebedürftige länger selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können. Die Akzeptanz für Smart-Home-Lösungen ist bei den Menschen in Deutschland ebenso wie in Baden-Württemberg groß: Neun von zehn würden im Alter digitale Technologien nutzen, um länger im eigenen Haushalt zu bleiben. Dazu zählen etwa Sensoren, die Stürze registrieren. Die TK setzt sich deshalb für eine smarte Erweiterung der Sozialen Pflegeversicherung ein. "Es ist wichtig, dass die Politik Anreize setzt, etwa durch konsequente Förderschwerpunkte für Digitalisierung beim Landesinnovationsprogramm", fordert der Leiter der TK-Landesvertretung.

Hinweis an die Redaktion

Im Auftrag der TK befragte Forsa im April 2018 für den TK-Meinungspuls Pflege bevölkerungsrepräsentativ 1.007 Menschen in Deutschland zum Thema Pflege, darunter 133 aus Baden-Württemberg. In computergestützten Telefoninterviews wurden in Privathaushalten lebende Personen ab 18 Jahren befragt.