Aktuell stellen Grüne und CDU die Weichen dafür, wie sich die baden-württembergische Gesundheitslandschaft in den nächsten fünf Jahren weiterentwickelt. Welche Richtungsentscheidungen dabei für eine innovative und nachhaltige Zukunft besonders wichtig sind, erläutert die TK in den folgenden Positionsbausteinen.

Altenpflege

In Baden-Württemberg ist das Engagement der Menschen in der Pflege sehr hoch. Mehr als jeder zweite Pflegebedürftige in Baden-Württemberg wird von seinen Angehörigen gepflegt. Diese pflegenden Angehörigen müssen entlastet werden. Dies kann nur gelingen, wenn professionelle Pflegekräfte gestärkt werden und sich insgesamt mehr Menschen für einen Beruf in der Pflege entscheiden.

Ambulante Versorgung

Die Leistungsfähigkeit der ambulanten Versorgung in Baden-Württemberg ist herausragend - neun von zehn ärztlichen Behandlungen finden in ambulanten Praxen statt. Jedoch findet sich nicht genug Nachwuchs, um die Lücken zu schließen, die durch das altershalbe Ausscheiden von Ärztinnen und Ärzten - gerade in ländlichen Regionen - entstehen. Um die flächendeckende Versorgung aufrecht erhalten zu können, müssen telemedizinische Versorgungspakte gebildet werden, in denen Ärztinnen und Ärzte Regionen übergreifend tätig werden. Auch die Delegation an qualifizierte Medizinische Fachangestellte kann zu einer verlässlichen Versorgung beitragen.

Digitalisierung

Digitalisierung hat das Potential für sehr viel Positives im Gesundheitswesen - bestes Beispiel: die Videosprechstunde. Baden-Württembergs Landesregierung hat das erkannt und schon 2017 die Digitalstrategie "digital@bw" gestartet. Wenn das Land weiterhin digitale Avantgarde bleiben möchte, muss das Ziel einer einheitlichen Datengrundlage und deren Nutzung unter Einhaltung europäischer Datenschutz-Standards aktiv unterstützt werden.

Krankenhausfinanzierung

Alle Landesregierungen haben bisher den Anspruch formuliert, die Krankenhauslandschaft zu gestalten und zu verantworten. Trotz der gesetzlichen Verpflichtung, die Kosten für notwendige Investitionen in die Bausubstanz oder die Ausstattung der Krankenhäuser zu finanzieren, klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander - auch in Baden-Württemberg. Folglich sind Krankenhäuser gezwungen, einen wesentlichen Teil dieser Maßnahmen aus den Vergütungen der Kassen für die Behandlung der Patienten zu verwenden. Jetzt geht es darum, auf Bundesebene die bewährte Finanzierungsstruktur der Fallpauschalen durch zusätzliche Bestandteile zu ergänzen. Baden-Württemberg könnte in dieser Diskussion eine treibende und gestaltende Rolle einnehmen.

Krankenhausplanung

Die Krankenhausplanung in Baden-Württemberg verfolgt noch immer eine nahezu ausschließliche Orientierung am Planbett. Die Orientierung an der Gesamtbettenzahl führt dazu, dass sich vermehrt Leistungen in Krankenhäusern etabliert haben, die unter qualitativen Gesichtspunkten besser zentralisiert werden sollten. Die Versorgungsparameter der Zukunft - Qualität, Vernetzung und Digitalisierung - werden derzeit in der Krankenhausplanung allenfalls ansatzweise berücksichtigt. Es braucht eine umfassende Revision der Versorgungslandschaft. Bei der künftigen Krankenhausplanung müssen der Nutzen aus Digitalisierung und Big Data zentrale Parameter werden. Ebenso muss die sektorenübergreifende Vernetzung Bestandteil der Krankenhausplanung werden.

Notfall- und Rettungswesen

Notfallversorgung und Rettungswesen in Baden-Württemberg sind hochrelevante und unverzichtbare Bestandteile sowohl der Gesundheitsversorgung, als auch der Daseinsvorsorge. Fehlende effektive Steuerung und fehlende sektorenübergreifende Versorgung führen jedoch oft zu struktureller Überforderung der Notfalleinrichtungen in Baden-Württemberg. Ziel muss es sein, die weitgehend getrennt organisierten Versorgungsbereiche von ambulant, stationär und Rettungsdienst zu einem System der integrierten Notfallversorgung zu entwickeln - unter Nutzung aller digitalen Möglichkeiten.  

Pflegefinanzierung

Die Leistungsfähigkeit der Sozialen Pflegeversicherung wurde in den vergangenen Jahren durch die Pflegestärkungsgesetze substantiell erweitert und durch weitere wichtige und notwendige Maßnahmen ergänzt. Damit einhergehend sind die Ausgaben der Pflegeversicherung kontinuierlich gestiegen und somit auch die Beiträge. In besonderem Maße gilt dies für die Eigenanteile der Pflegebedürftigen. Im bundesweiten Vergleich liegt die Eigenbeteiligung für die Unterbringung in einem Pflegeheim in Baden-Württemberg auf höchstem Niveau.