Wie denken Sie, die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung in Sachsen besser zu nutzen?

Volkmar Zschocke: Digitalisierung ist eine große Chance. Um dieses zentrale Thema insgesamt voranzubringen, braucht es künftig ein Ministerium für Innovation und Digitalisierung. Ich plädiere für den Aufbau einer "Koordinierungsstelle Telemedizin", um zu den Einsatzmöglichkeiten von digitalen Instrumenten, wie zum Beispiel Videosprechstunden oder telemedizinische Anwendungen zu beraten.

Bei Entscheidungen zum Thema E-Health bzw. telemedizinischen Anwendungen muss die Mitbestimmung von Patientinnen und Patienten sowie den Beschäftigten im Gesundheitssektor sichergestellt werden - zum Beispiel durch eine ständige Vertretung im E-Health-Beirat. Vor dem Einsatz neuer digitaler Hilfsmittel bis hin zu Pflegerobotern müssen die ethischen und datenschutzrechtliche Fragen lösungsorientiert geklärt werden.

Was werden Sie in der kommenden Legislaturperiode zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung unternehmen?

Volkmar Zschocke: Die Gesundheitsversorgung darf in der die Qualität weder vom Namen der Krankenversicherung, noch vom Wohnort abhängig sein. Wir GRÜNEN wollen die Allgemeinmedizin stärken und an die Situation vor Ort angepasst Gemeinschafts- und Gruppenpraxen, kommunale Medizinische Versorgungszentren oder auch Eigeneinrichtungen, Notfallzentren und Praxisnetzwerke in der Fläche fördern, damit Alle in Sachsen auf schnell verfügbare Hilfe vertrauen können.

Der Unterversorgung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie wollen wir entgegenwirken, indem wir den Nachwuchs durch mehr Ausbildungsstellen in Kliniken wie Praxen für junge Assistenzärztinnen und -ärzte fördern und die Vernetzung zwischen den Kliniken, Weiterbildungsverbünden und standortübergreifende Fachbereichsleitungen voranbringen.

Die neu eingeführten Portalpraxen werden gut angenommen und entlasten die Notaufnahmen in den sächsischen Krankenhäusern spätabends, an Wochenenden und Feiertagen. Wir wollen dieses Modell auch in medizinischen Versorgungszentren ermöglichen, damit die Wege für Not- und Nachtdienste im ländlichen Raum kürzer werden.

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Volkmar Zschocke

Was erwarten Sie von den Krankenkassen? Welche Vorstellungen haben Sie von einem fairen Wettbewerb unter den Krankenkassen?

Volkmar Zschocke: Wir haben bereits im November 2016 eine Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (RSA) gefordert. Denn zwischen den Kassen bestehen nicht beeinflussbare, zum Teil erhebliche Über- und Unterdeckungen bei unterschiedlichen Versichertengruppen.

Zudem fordern wir die schrittweise Zusammenführung der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung in einer Bürgerversicherung, denn gegenwärtig muss das Solidarsystem der gesetzlichen Kassen ohne die Stärksten auskommen. Die Qualität der Versorgung wird verbessert, wenn Leistungen von Ärztinnen und Ärzten und anderen Gesundheitsberufen nach einheitlichen Vergütungssystemen abgerechnet werden. Auch Versorgungsprobleme wie etwa längere Wartezeiten gesetzlich Versicherter oder die Überbehandlung privat Versicherter werden so behoben.

Welche Maßnahmen wollen Sie für die zunehmende Zahl pflegebedürftiger Menschen in Sachsen umsetzen?

Volkmar Zschocke: Die Gründe für eine Pflegebedürftigkeit sind vielfältig. Diese Vielfalt muss sich in den Angeboten widerspiegeln. Wir wollen Angebote wie Tages- und Kurzzeitzeitpflege, Mehrgenerationenwohnen oder Pflege-WG‘s bis hin zu Hospizen ebenso fördern wie eine stärkere Vernetzung im Quartier, um die Menschen mit Pflegebedarf im Wohnumfeld zu unterstützen.

Wir streiten für bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne im Pflegesektor. Wir wollen verbindliche Bemessungsregeln für Personal und Präsenz. Wir wollen in Sachsen eine Interessenvertretung der Pflegekräfte (z. B. als Pflegekammer) etablieren, die mit den staatlichen Stellen gleichrangig verhandeln kann und für eine bessere Situation in der Pflege eintritt.