Stuttgart, 25. September 2020. Das "Zukunftsprogramm Krankenhäuser" bringt nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) für Baden-Württemberg rund eine halbe Milliarde Euro, die nun zur Digitalisierung der Kliniken im Land zur Verfügung stehen. Bundesweit werden dafür insgesamt 4,3 Milliarden Euro ausgegeben, davon tragen 1,3 Milliarden Euro die Länder.

Fehlende Digitalisierung führt zu Qualitätsproblemen 

"Mit dem Geld sollte nun ohne Zeitverlust eine Qualitäts- und Digitalisierungsoffensive für die Krankenhäuser im Südwesten gestartet werden", sagt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Denn durch fehlende digitale Vernetzung sowie ineffiziente und fehleranfällige Prozesse ist die medizinische Versorgung laut TK nicht so gut wie sie sein könnte. Das mache sich beispielsweise beim Entlassmanagement - also bei der weiteren Betreuung von Patientinnen und Patienten nach dem Klinikaufenthalt durch niedergelassene Ärzte, Reha-Einrichtungen oder Pflegeheime - bemerkbar. Vogt: "Hier gehen oft wertvolle Zeit und Informationen verloren."

Wissenstransfer von Spezialkliniken zu Landärzten 

Die zentrale Forderung der TK: Ein umfassendes telemedizinisches Versorgungsnetz etablieren, in das neben den Krankenhäusern auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Einrichtungen im Gesundheitswesen eingebunden sind. "Der dadurch mögliche schnelle Wissenstransfer von Spezialkliniken zu Landärzten garantiert eine gute medizinische Versorgung auch in ländlichen Regionen. Die Digitalisierung kann so gerade in einem Flächenland wie Baden-Württemberg einen wichtigen Beitrag für ein soziales Gesundheitswesen und gleichwertige Lebensverhältnisse leisten", betont Vogt.

Sektorenübergreifende Telemedizinplattform als Grundlage 

Eine Grundlage dafür kann aus Sicht der TK das von der Landesregierung geförderte Projekt "Sektorenübergreifende Telemedizinplattform 2025 in Baden-Württemberg" sein. Dabei wird ein Netzwerk rund um die RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim etabliert. "Das geht in die richtige Richtung, ist aber nicht ambitioniert genug. Mit dem Schub durch das Zukunftsprogramm sollte es keine fünf Jahre mehr dauern, bis ein flächendeckendes Netzwerk eingerichtet werden kann", so Vogt. Fördermittel sollten nur dann fließen, wenn die Kliniken Schnittstellen zu solch einem Netz bereitstellen. "Die Zeit der Modellprojekte als Insellösungen muss vorbei sein", fordert der Leiter der TK-Landesvertretung.

Ein erster wichtiger Schritt ist laut TK die Anbindung der Kliniken an die Telematikinfrastruktur (TI). Sie stellt als zentrales Gesundheitsnetz die Basis für  alle sektorenübergreifenden digitalen Anwendungen wie etwa die elektronische Patientenakte (ePA) dar. Die Krankenhäuser haben noch bis Jahresende Zeit, den Zugang zu diesem Netz sicherzustellen.  

Beschäftigte im Gesundheitswesen im Bereich Digitalisierung fit machen 

Zudem sollten nach Ansicht der TK die Mittel aus dem Zukunftsprogramm Krankenhäuser auch dafür verwendet werden, die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen im Bereich Digitalisierung zu verbessern. "Die Digitalisierung der Krankenhäuser kann nur dann gelingen, wenn auch die Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger die dafür notwendigen Kompetenzen erwerben", betont Vogt. In der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die neue generalistische Ausbildung für die Pflegeberufe spielen digitale Kompetenzen laut einer aktuellen Untersuchung von Pflegeexperten nur eine untergeordnete Rolle. Vogt: "Die Landesregierung sollte durch zusätzliche Angebote Lücken schließen und damit auch Anreize schaffen, diesen Beruf zu ergreifen und attraktiv zu halten".    

Hinweis für die Redaktion

Das Krankenhauszukunftsprogramm ist Bestandteil des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG). Die Bereitstellung der Mittel erfolgt über den beim Bundesamt für soziale Sicherung (BAS) angesiedelten Krankenhauszukunftsfonds (KHFZ). Die Investitionssumme beträgt insgesamt 4,3 Milliarden Euro, davon kommen 1,3 Milliarden von den Ländern. Gefördert werden moderne Notfallkapazitäten und eine bessere digitale Infrastruktur (Patientenportale, Dokumentation, digitales Medikationsmanagement, Robotik, Maßnahmen zur IT-Sicherheit sowie sektorenübergreifende telemedizinische Netzwerke). Das Geld fließt ab dem 1. Januar 2021. Die Länder können jedoch sofort mit der Umsetzung beginnen und Mittel beim BAS beantragen.