TK: Wie schätzen Sie den aktuellen Gesetzesentwurf des Corona-Konjunkturpakets der Bundesregierung "Zukunftsprogramm Krankenhaus" ein?

Manon Austenat-Wied: Die zentralen Inhalte und die damit verbundenen Ziele befürworte ich. Die Basis einer zielgerichteten vernetzten Zusammenarbeit bildet die digitale Infrastruktur. Hier gilt es Potentiale zu heben, vorhandene Projektstrukturen weiterzuentwickeln und konsequent digital zusammenzuführen. Es geht darum einheitliche Standards zu etablieren um Schnittstellenprobleme auszuschließen. Hierzu hat der Gesetzgeber mit der verpflichtenden Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) einen wichtigen Grundstein für die Digitalisierung im stationären Sektor gelegt.

TK: Welche strukturellen Voraussetzungen müssen erfolgen, um die Krankenhäuser für die Nutzung der ePA zu stärken?

Austenat-Wied: Ziel muss es sein, die Heterogenität in den Strukturen abzubauen und eine sektorenübergreifende Vernetzung ohne technische Barrieren herzustellen. Bisher stellen die internen Informationssysteme den limitierenden Faktor bei der Digitalisierung der Systemlandschaft der Krankenhäuser dar. Es ist zwingend notwendig die unterschiedlichen Systemlandschaften interoperabel zu gestalten. Ich begrüße, dass der Gesetzgeber eine Förderung durch den Krankenhauszukunftsfonds an Bedingungen knüpft. Um die geforderte Interoperabilität, insbesondere das nahtlose Einfügen von patientenrelevanten Dokumenten in die ePA, tatsächlich zu erreichen, sollten diese noch stringenter gefasst werden. Als Innovationsführer setzen wir darauf diese dynamischen Digitalisierungsprozesse aktiv mitzugestalten. Deshalb setze ich mich für die Verwendung gemeinsamer, technischer, funktionaler Standards  und die Harmonisierung des Datenaustausches ein. Der Digitalisierungsgrad der Krankenhäuser selbst, aber auch zwischen verschiedenen Einrichtungen und deren Primärsystemen, muss sich spürbar erhöhen. Ohne die notwendigen Strukturen ist eine Vernetzung über die Sektoren hinweg schlicht nicht realisierbar. Dazu müssen die Akteure ein einheitliches Verständnis von Prozessen entwickeln, so dass beispielsweise niedergelassene Ärzte, Apotheker oder Hilfsmittelanbieter Netzwerkteilnehmer sein können. Es gilt den Nutzen für Teilnehmer und Patienten erlebbar zu machen und einheitliche Netzwerke mit offen zugänglichen Schnittstellen zu schaffen.

Manon Auste­nat-Wied

Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern

TK: Welchen Beitrag können telemedizinische Netzwerke leisten?

Austenat-Wied: Telemedizinische Versorgungsformen verbessern die Patientenversorgung. Telemedizinische Lösungen können Defizite bei Über- und Unterversorgung ausgleichen und Effizienzpotenziale realisieren. Das Projekt TeleDermatologie ist bereits in der Versorgungsrealität angekommen. Es verbessert spürbar die Versorgung von Patienten mit Hauterkrankungen, insbesondere im ländlichen Raum. Als Baustein einer modernen und effizienten Organisationsstruktur bietet Telemedizin große Vorteile. Daten reisen anstelle von Patienten und durch kooperatives Arbeiten werden Behandlungspfade abgekürzt. Ich plädiere daher gerade in ländlichen Regionen, in denen nicht an jedem Ort alle Fachrichtungen vorgehalten und ohnehin mehrere medizinische Fächer an der Behandlung beteiligt sind, für einen konsequenten Ausbau der Telemedizin.

Die bewährte sektorenübergreifende Behandlungsform im Projekt TeleDermatologie können wir dabei als Blaupause für weitere Indikationen nutzen.  

TK: Telekonsile sind zentraler Bestandteil im Projekt TeleDermatologie. Warum werden diese noch nicht flächendeckend eingesetzt?

Austenat-Wied: Im Projekt TeleDermatologie werden Telekonsile bereits erfolgreich eingesetzt und bieten einen spürbaren Mehrwert für Ärzte und Patienten. Selbstverständlich sollten Krankenhäuser die Möglichkeit erhalten Konsilien, Visiten und Beratungen telemedizinisch durchführen und abrechnen zu können. Im Rahmen des "Digitale-Versorgung-Gesetzes" (DVG) wurde dies für den vertragsärztlichen Bereich, auch sektorenübergreifend, bereits realisiert. Zur Abrechnung virtueller Krankenhausleistungen zwischen den Krankenhäusern gibt es bisher keine entsprechende Abrechnungsmöglichkeit. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung des Einsatzes von elektronischen Informations- und Kommunikationstechnologien sollten virtuelle Krankenhausleistungen zwischen Krankenhäusern separat vergütet werden. Sobald dieser Rahmen geschaffen wurde, sind, bei konsequenter Umsetzung des Zielbildes einer durchgängigen Vernetzung des ambulanten und stationären Sektors in der Regelversorgung, enorme Synergieeffekte möglich.