Welche gesundheitspolitischen Vorhaben der aktuellen Koalition wurden umgesetzt? Welche Baustellen gibt es noch? Und wie erfolgreich war die Arbeit von Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks aus Sicht der TK? Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, mit einem Fazit. 

TK: Frau Puttfarcken, wenn Sie auf die vergangenen fünf Jahre zurückblicken: Wie bewerten Sie die Arbeit der rot-grünen Koalition und von Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks?

Maren Puttfarcken: Die anstehende Hamburger Bürgerschaftswahl ist natürlich ein guter Anlass, um noch mal einen Blick in den Vertrag der aktuellen rot-grünen Koalition zu werfen und zu schauen, welche Vorhaben tatsächlich angegangen worden sind und welche Themen unerledigt bleiben. Alles in allem würde ich die Arbeit von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks positiv bewerten. Die meisten Vorhaben des Koalitionsvertrags wurden auf die Agenda gesetzt, und deutliche Verbesserungen waren in den vergangenen fünf Jahren spürbar. Zudem hat Frau Prüfer-Storcks auch deutliche Akzente in der Bundespolitik gesetzt.

Aus unserer Sicht war dies besonders beim Thema "Demografischer Wandel" der Fall. Hier ist ein ganzheitlicher ressort-übergreifender Ansatz erkennbar mit dem Ziel, die Stadt im Wohnumfeld inklusiv, generationsübergreifend und barrierefrei zu gestalten. Dazu zählt etwa die Weiterentwicklung der Quartiere, vor allem auch mit der Entwicklung von quartiersbezogenen Pflegekonzepten, dem Hamburger Hausbesuch oder die Schaffung von Zentren für Altersmedizin in jedem Bezirk. Wir freuen uns, dass unsere Projekte wie das  NetzWerk GesundAktiv und Care Sage gut zu dieser Hamburger Strategie passen. 

Ein weiteres Thema, das in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat, sich aber nicht im Koalitionsvertrag im Bereich Gesundheit wiederfindet, ist die Digitalisierung. Wir spüren hier von der Gesundheitsbehörde Rückenwind für digitale Vorhaben, etwa bei Pilotprojekten wie dem elektronischen Rezept. Auch die unterschiedlichen Hamburger Digital-Initiativen der vergangenen Jahre, darunter der Health Innovation Port oder der  Digital Health Hub Hamburg , wurden von der Gesundheitsbehörde unterstützt.

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Und welche Themen bleiben aus TK-Sicht un- beziehungsweise unzureichend erledigt? 

Puttfarcken: Unerledigt bleibt zum Beispiel eine bessere Verteilung der Haus- und Kinderärzte über das Stadtgebiet. Es gab zwar einige Sonderbedarfszulassungen für Kinder- und Jugendärzte, aber keine Verlegung von Arztsitzen aus stark überversorgten Gebieten in nicht so gut versorgte. Hier gibt es weiteren Handlungsbedarf. Die Entwicklung werden wir weiter im Auge behalten. Insgesamt bewegt sich bei der Bedarfsplanung für die Ärzte aber etwas. Aktuell werden Kriterien definiert, mit denen strukturschwache Teilgebiete in Hamburg ermittelt werden können. Das ist dann eine neue Grundlage, um festzustellen, ob und wo der Bedarf an einem zusätzlichen Arzt besteht. 

Die Entwicklung im Krankenhausbereich wirft aus unserer Sicht mehr Schatten als Licht. Positiv ist hier, dass die Krankenhaus-Investitionen der Stadt weiter gestiegen sind. Auch die Festlegung von Qualitätskriterien für die Arbeit im Krankenhaus, zum Beispiel für die technische Ausstattung und Behandlungsabläufe, ist positiv. 

Ebenso grundsätzlich sinnvoll ist der Ansatz, Zentren an Krankenhäusern auszuweisen, die eine besondere Kompetenz haben. Aber gerade bei der Zentrenbildung ist die Gesundheitsbehörde aus unserer Sicht über das Ziel hinaus geschossen: An 32 Standorten wurden in 21 Versorgungsbereichen Zentren ausgewiesen. Damit hat fast jedes Krankenhaus ein Zentrum. Statt zu bündeln, so scheint es, wurden Zentren mit der Gießkanne ausgewiesen. Das bietet Patienten keine sinnvolle Orientierung. Wir werden mit der Gesundheitsbehörde beim Thema Krankenhäuser weiter im Gespräch bleiben und dabei auch unsere Vorschläge zur Mittelvergabe aus dem Krankenhausstrukturfonds einbringen.

TK: Wollen Sie noch etwas Atmosphärisches zur nun auslaufenden Legislaturperiode sagen? 

Puttfarcken: In den vergangenen fünf Jahren gab es eine gut funktionierende Gesprächskultur zwischen Senat und den Hamburger Krankenkassen. In Form von regelmäßigen Austauschformaten, von Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen und auch als ad hoc-Zusammenkünfte. Gerade letztere haben uns zuletzt deutlich gefordert. Trotzdem wünschen wir uns für die kommende Legislaturperiode, dass wir weiterhin in einem guten, respektvollen Austausch bleiben.