Wir fragten Dr. Emami, welche Themen er als nächstes anpacken möchte.

Herr Dr. Emami, in einem Video zur Ärztekammerwahl haben Sie gesagt, dass Ihnen vor allem die Themen Digitalisierung, sektorenübergreifende Versorgung, Qualität in der Weiterbildung und Fortbildung und die Arbeitsbedingungen der Ärzte wichtig sind. Welches Thema liegt Ihnen besonders am Herzen?

Emami: Fort- und Weiterbildung stellen ein unterschätztes Thema dar: Gut fort- und weitergebildete Ärztinnen und Ärzte sorgen für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung, arbeiten effektiv (und damit weniger kostenintensiv) und sind gut gerüstet für bevorstehende Veränderungen der Medizinwelt. Die Arbeitsbedingungen und die Versorgungsstrukturen (ambulant vs. stationär) stellen die elementaren Rahmenbedingungen für dieses Thema dar.

Die Digitalisierung kann einen Beitrag dazu leisten, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, Weiterbildung auf moderne Beine zu stellen, alte Strukturen aufzubrechen und dadurch am Ende Patientenversorgung zu optimieren. Es kann und wird aber auch maßgeblich die Medizin und damit auch die Ausübung des Arztberufes verändern.

Ergo: All diese Punkte sind viel enger miteinander verwoben, als man denkt. Das Tempo der Veränderungen unserer Zeit erfordert, dass man sich allen Themen mit gleicher Sorgfalt zuwendet.

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Dr. med. Pedram Emami

Sie haben auch gesagt, dass die Ärztekammer Veränderung braucht, wenn Sie den Ton angeben will. Was genau meinen Sie damit?

Emami: Intern brauchen wir eine moderne Infrastruktur. Wir als Selbstverwaltung müssen vorbildlich das Thema Digitalisierung anpacken und damit Abläufe für die Mitglieder vereinfachen und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten. Wir müssen uns aber noch stärker ins Bewusstsein holen, dass wir nicht nur ein Verwaltungsapparat, sondern auch ein politisches Organ darstellen. Wir haben die Möglichkeit, stärker und selbstbewusster einzufordern, dass wir als Kammer an Entscheidungsprozessen im Gesundheitswesen beteiligt werden - und zwar nicht nur am Rande. Schließlich sind wir das einzige Organ, das von sämtlichen Ärztinnen und Ärzten legitimiert wird, und haben zudem die geballte fachliche Expertise auf unserer Seite.

Vor kurzem hat die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Hamburg das ausschließliche Fernbehandlungsverbot aufgehoben. Warum war Hamburg bisher so zurückhaltend?

Emami: Die Fragen der Rechtssicherheit, des Datenschutzes (vor allem im Sinne der Patieninnen und Patienten) und die Qualität der ärztlichen Beratung im Rahmen der Fernbehandlung hat zurecht viele Delegierte beschäftigt. Am Ende sind wir aber zur Ansicht gelangt, dass nicht die technologische Machbarkeit im Vordergrund stehen sollte, sondern der ärztliche Sachverstand, der entscheidet, welches technische Mittel eingesetzt wird. Hinzu kommt die Einsicht, dass wir uns Veränderungen und Fortschritt nicht verschließen wollen und dürfen. Wir sollten Veränderungen als Chance begreifen und die Zukunft maßgeblich mitgestalten.

Sie sind Neurochirurg und zugleich auch noch Vorsitzender des Marburger Bunds. Mit ihrem neuen Amt als Präsident der Ärztekammer haben Sie immer weniger Zeit für Ihre Arbeit als Arzt. Fehlt Ihnen das?

Emami: Drei Tage pro Woche bin ich noch in der Klinik, mache zudem Rufbereitschaftsdienste und habe meine eigenen Sprechstunden. Ich bin gerne Arzt, operiere gern, kümmere mich gerne um Patientinnen und Patienten. Ich liebe den Arztberuf, es ist ein toller Job. Engagieren tue ich mich, damit auch andere Kolleginnen und Kollegen heute und in der Zukunft das ebenso empfinden...