Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, hat sich den neuen Koalitionsvertrag und die gesundheitspolitischen Vorhaben des neuen rot-grünen Senats einmal genauer angeguckt.

TK: Frau Puttfarcken, die Tinte unter dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und GRÜNEN ist trocken, der Bürgermeister wurde gewählt und die Senatorinnen und Senatoren berufen. Wie fällt Ihre erste Bilanz zum Koalitionsvertrag aus? Und wie bewerten Sie den Schritt, die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) aufzusplitten in andere Behörden? 

Maren Puttfarcken: In einem ersten Impuls liegt es nah zu sagen, dass diese Entscheidung zumindest fragwürdig ist - vor allem mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie in vergangenen Wochen. Da hat sich gezeigt, dass wir hier in Hamburg eine wirklich gut funktionierende Gesundheitsversorgung haben - die sich in den vergangen neun Jahren sehr stark entwickelt hat. Frau Prüfer-Storcks hinterlässt große Fußstapfen, und ich möchte mich an dieser Stelle auch gern noch einmal für die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren danken. 

Zugleich spricht aber auch einiges dafür, die Themen Gesundheit und Arbeit stärker zusammenzuführen - wie man es an vielen Schwerpunkten des Koalitionsvertrags sehen kann. Dies kennen auch wir aus der alltäglichen Arbeit - zum Beispiel in den Bereichen gute Versorgung im Quartier, Prävention im Kindergarten und in der Schule oder beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Hier erhoffen wir uns durch die künftige Integration des Amtes für Gesundheit in die ehemalige Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI)  Synergieeffekte.

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Wir erhoffen uns durch die künftige Integration des Amtes für Gesundheit in die ehemalige Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) Synergieeffekte. Maren Puttfarcken 

TK: Wenn wir jetzt noch einmal stärker auf den Koalitionsvertrag eingehen: In welchen Punkten sind Sie enttäuscht oder was fehlt aus Ihrer Sicht?

Puttfarcken: Wir vermissen zwei wesentliche Aspekte im Koalitionsvertrag: Erstens, welche enorme wirtschaftliche Bedeutung der Gesundheitssektor für Hamburg hat, und zweitens das ganze Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen. Fast 15,5 Prozent der Beschäftigten in Hamburg arbeiten in der Gesundheitsbranche. Damit ist die Gesundheitswirtschaft der größte Arbeitgeber in der Hansestadt. Wir sind mit dem Verein Gesundheitswirtschaft Hamburg e. V. und dem gleichnamigen Gesundheitscluster in Hamburg sehr gut aufgestellt. Aus diesen Initiativen gab es in der Vergangenheit viele gute Projekte, um den Gesundheitsstandort Hamburg zu festigen und auszubauen. Es ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, dass dies im Koalitionsvertrag lediglich am Rande erwähnt wird. 

Die Digitalisierung ist die Zukunft für unsere Gesundheitsversorgung. Gerade die vergangenen Wochen in der Corona-Pandemie haben eindrucksvoll gezeigt, welche Potenziale es hier noch gibt und dass die Versorgung durch digitale Angebote ergänzt und ausgebaut werden kann. Wir hätten  erwartet, dass die neue rot-grüne Regierung darauf im Bereich Gesundheit einen stärkeren Fokus legt beziehungsweise das Thema überhaupt aufgreift. Zumal alle Akteure aus dem Gesundheitswesen sich in der Landeskonferenz Versorgung in diesem Jahr schwerpunktmäßig mit der Erarbeitung einer "Digitalisierungsstrategie für Hamburg" (H3) beschäftigen. Dass dieser Aspekt fehlt oder zumindest nicht explizit erwähnt wird, irritiert uns. 

TK: Und über welche Aspekte im Koalitionsvertrag haben Sie sich besonders gefreut?

Puttfarcken: Sehr erfreulich ist für uns, dass unser Hamburger Innovationsfondsprojekt NetzWerk GesundAktiv Einzug in den Koalitionsvertrag gefunden hat. Das ist natürlich ein tolles Signal aus der Politik. Wir befinden uns mit den Projektpartnern gerade in Gesprächen, wie das Projekt fortgeführt werden kann. 

Weiterhin ist es sehr positiv, dass viele Vorhaben des neuen Senats auf die Verbesserung der Qualität der Versorgung in unterschiedlichen Bereichen abzielen. Das sehen wir unter anderem in dem Vorhaben, die beiden Rufnummern 112 sowie 116 117 in eine Gemeinsame Leitstelle zusammenzuführen - eine Forderung, für die sich die TK in den vergangenen Jahren immer wieder eingesetzt hat. Aber auch die erweiterten Qualitätsvorgaben in der stationären Versorgung sind positiv hervorzuheben. Darüber hinaus freut es uns, dass weiterhin an einer besseren Situation in der Pflege gearbeitet wird. Das sind Vorhaben, an denen wir gern aktiv mitarbeiten möchten.

TK: Zu guter Letzt: Was möchten Sie Frau Dr. Melanie Leonhard als neue Gesundheitssenatorin und Ihrer Staatsrätin für Gesundheit, Frau Melanie Schlotzhauer, mit auf den Weg geben?

Puttfarcken: Zu allererst natürlich meine herzlichsten Glückwünsche zur Wahl! Wir hoffen, dass wir die bisher bestehende gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit auch in den neuen Behördenzuschnitten mit Frau Dr. Leonhard und Frau Schlotzhauer fortsetzen können. Hilfreich ist dabei natürlich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Amt für Gesundheit ja voraussichtlich größtenteils bleiben werden. Als Vertreter der größten gesetzlichen Krankenkasse in Hamburg stehen wir jedenfalls sehr gern für Gespräche bereit und freuen uns darauf, auch weiterhin gemeinsam die Gesundheitsversorgung in Hamburg zu gestalten. 

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