TK: Frau Senatorin, welche Themen werden Sie dieses Jahr als erstes auf den Weg bringen?

Prüfer-Storcks: Wir haben eine Reihe von Projekten in Arbeit und werden neue Initiativen ergreifen: Wir werden im Februar ein Gesetz mit Auflagen für den Betrieb von Shisha-Einrichtungen in die Bürgerschaft einbringen, um die Gäste vor Kohlenmonoxid-Vergiftungen zu schützen. Dann folgt der Psychiatriebericht, mit dem wir die psychiatrische Versorgung insbesondere für schwer psychisch kranke Menschen in Hamburg weiterentwickeln werden. Ebenfalls im Frühjahr starten wir die Hamburger „Allianz für Pflege“, denn es ist eine der größten Herausforderungen des Gesundheitswesens, ausreichend Pflegekräfte nicht nur neu auszubilden, sondern auch im Beruf zu halten. Wir arbeiten an unserem Landes-Förderprogramm, um die Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie ab 1. April schulgeldfrei zu stellen. Weiter steht die Fortschreibung des Hamburger Krankenhausplans auf der Agenda und die Landeskonferenz Versorgung arbeitet an einem Konzept zur Steigerung der Gesundheitskompetenz. Ein Schwerpunkt wird in diesem Jahr auch die Förderung der Kindergesundheit sein.

TK: Das Bundesministerium für Gesundheit hat kürzlich Eckpunkte zur Reform der Notfallversorgung vorgelegt. Was halten Sie als Mitglied der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Sektorenübergreifende Versorgung" davon?

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Prüfer-Storcks: Ich finde sowohl die Einrichtung Integrierter Notfallzentren (INZ) von KV und Krankenhäusern als auch die gemeinsame Notfallleitstelle, bei der die Anrufe unter 112 und 116 117 auflaufen, sehr sinnvoll. Der gemeinsame Notruf und der gemeinsame Tresen im INZ erleichtern die Vermittlung der Patienten in die für sie richtige Versorgungsebene. Ich sehe allerdings, wie alle anderen Landesminister in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums zu einer Grundgesetzänderung zur Neuordnung des Rettungsdienstes kritisch. Wir haben das Bundesgesundheitsministerium gebeten, mit dem Bundesjustizministerium die Notwendigkeit einer solch weitreichenden Regelung zu prüfen.

TK: Wie kann die sektorenübergreifende Zusammenarbeit auch auf Landesebene vorangebracht werden?

Prüfer-Storcks: Natürlich wollen wir in Hamburg die sektorenübergreifende Versorgung schnell voranbringen, wenn uns die entsprechenden Instrumente gegeben werden. Von der Bedarfsplanung über die Qualitätssicherung und digitale Kommunikation bis hin zur Honorierung muss vieles harmonisiert werden, wenn wir sektorenübergreifende Versorgung als Regelfall und nicht weiter als Modellversuch haben wollen. Für Hamburg kann ich mir zum Beispiel vorstellen, die fachärztliche Versorgung, die sowohl an Krankenhäusern als auch ambulant erbracht wird, gemeinsam mit Krankenkassen, Kassenärztlicher Vereinigung und Krankenhäusern zu planen. In Deutschland gibt es sehr viel Ambulantisierungspotential in der stationären Versorgung, das könnte so realisiert werden.

TK: Oftmals fehlt bei älteren Patienten eine gute Koordination zwischen hausärztlicher und pflegerischer Versorgung. Haben Sie für diesen Bereich einen Lösungsansatz?

Prüfer-Storcks: Pflegedienste sind im Gesundheitswesen diejenigen, die zu  pflegebedürftigen und häufig auch chronisch kranken Menschen die häufigsten Kontakte haben. Es wäre zur Verbesserung der Versorgung einer alternden, chronisch kranken Bevölkerung sehr hilfreich, wenn wir eine koordinierte und kontinuierliche Versorgung durch medizinisch-pflegerische Teams aus Pflegekräften und Hausärztinnen und Hausärzten als Komplexleistung nach dem Muster der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) anbieten könnten. Dafür mache ich mich in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe und auch auf der nächsten Gesundheitsministerkonferenz stark.