Was heißt das - und welchen Einfluss hat die Krise auf die Zusammenarbeit unter den Akteuren im Gesundheitswesen in Hamburg? Diese Fragen beantwortet Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg.

TK: Frau Puttfarcken, wenn Sie an die vergangenen Wochen seit dem Ausbruch der durch  SARS-COV-2 verursachten Pandemie denken, woran denken Sie dann zuerst?

Maren Puttfarcken: Zuallererst denke ich an die Arbeit der Pflegekräfte, der Ärzte, Kliniken und aller anderen Menschen, die seit Wochen einen riesigen Beitrag dazu leisten, dass das Gesundheitswesen weiterhin funktioniert. Das ist eine großartige Leistung, ihnen allen gebührt unsere Anerkennung, unser Respekt und unser Dank. 

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Was bedeutet die Coronavirus-Krise für die Arbeit der TK?

Puttfarcken: Auch wir als Krankenkasse wollen natürlich unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und unseren Beitrag in dieser besonderen Situation leisten. Konkret heißt das, dass wir unbedingt weiterhin für unsere Versicherten da sind und sie beraten. Vor allem, da viele von ihnen derzeit existenzielle Sorgen haben. Wir haben uns dazu entschieden, dass eine persönliche Beratung vor Ort auch weiterhin in bestimmten Fällen möglich ist - allerdings nur nach terminlicher Vereinbarung. Telefonisch, über die TK-App oder online sind wir weiterhin rund um die Uhr erreichbar. 

Wir als Krankenkasse wollen unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und unseren Beitrag in dieser besonderen Situation leisten. Maren Puttfarcken

Ganz wichtig ist auf der anderen Seite aber auch, dass wir die Zahlungsströme im Gesundheitssystem aufrechterhalten, damit die Leistungserbringer liquide bleiben und arbeiten können. Dazu gehört auch, aktuelle Gesetze schnell umzusetzen. Die TK zahlt zum Beispiel im Rahmen des "Pflege-Rettungsschirms" Gelder an Pflegeeinrichtungen aus. Konkret sind wir für insgesamt rund 4.300 Einrichtungen in bestimmten Regionen von Bayern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Damit unterstützt die TK-Pflegeversicherung direkt Pflegeheime, ambulante Pflegedienste und Tagespflegeeinrichtungen. Auch zugelassene Betreuungsdienste (nach § 71 Absatz 1a SGB XI) und stationäre Hospize können vom Rettungsschirm profitieren. Ziel ist, diese angesichts der Covid-19-Pandemie finanziell zu entlasten. 

TK: Und konkret in der Versorgung von TK-Versicherten - welche Lösungen haben sich hier bereits ergeben? 

Puttfarcken: Wir setzen in diesen Zeiten auf pragmatische Lösungen . Dafür gibt es viele Beispiele: So können sich unsere Versicherten über das TK-Ärztezentrum frühzeitig einen ärztlichen Rat bei einem Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion einholen. Auch schon vor der aktuellen Situation hat die TK viele digital unterstützte Angebote auf den Weg gebracht - etwa den Online DepressionsCoach oder die Online Beratung für pflegende Angehörige in Krisensituationen. Diese können unsere Versicherten nun in bestimmten Lebenslagen unterstützen. 

Außerdem arbeitet die TK ja mit der Kasseler Stottertherapie zusammen. Während der Covid-19-Pandemie können Kinder, Jugendliche und Erwachsene zurzeit sämtliche Kurse und Therapieangebote, die bislang als Präsenztherapie angeboten wurden, online in Anspruch nehmen. 
Die Lage ist immer noch dynamisch und darauf reagieren wir derzeit sehr schnell. Unser Ziel ist es dabei, möglichst innovative Lösungen anzubieten. 

TK: Viele sagen, dass die Coronavirus-Krise einen enormen Schub bei der Digitalisierung auslöst. Bemerken Sie das auch?

Puttfarcken: Auf jeden Fall! Die Kassenärztliche Vereinigung etwa berichtet, dass nun deutlich mehr niedergelassene Ärzte Videosprechstunden anbieten als vor der Krise. Hamburger Kliniken verstärken ihr telemedizinisches Angebot und auch unsere Versicherten fragen unsere digitalen Angebote noch stärker nach. Zugleich finden bei uns selbst nun deutlich mehr Termine in Form von Videokonferenzen statt. Das ist auf jeden Fall eine positive Entwicklung in dieser schwierigen Situation. 

TK: Hat sich durch die aktuelle Situation auch die Zusammenarbeit unter den Akteuren im Hamburger Gesundheitswesen verändert?

Puttfarcken: Ja. Wir haben in Hamburg auch vor der Coronavirus-Krise bereits gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Aber ich habe das Gefühl, allen ist klar, dass wir gemeinsam in einem Boot sitzen und an einem Strang ziehen müssen. Das ist natürlich nicht immer einfach - und man merkt, dass viele Sorgen vor den ja noch überhaupt nicht absehbaren finanziellen Auswirkungen der Krise haben. Aber wir führen viele Gespräche in unterschiedlicher Besetzung und finden gemeinsam mit der Behörde, Verbänden und Leistungserbringern schnell und pragmatisch gute Lösungen für Hamburg. 

Und es gibt auch ganz neue Formen der Zusammenarbeit. So hat etwa die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz kürzlich einen Aufruf gestartet, dass sich Freiwillige aus Gesundheitsberufen, die derzeit in anderen Unternehmen arbeiten, melden sollen, um in der Coronavirus-Krise personell zu unterstützen. Hier haben wir als TK gern Hilfe angeboten und für unsere Hamburger Mitarbeiter die entsprechenden Möglichkeiten geschaffen. Und die ersten TKler haben sich bereits gemeldet. Wichtig ist: Für das, was jetzt passiert, gibt es keine Blaupause. Diese Krise können wir nur gemeinsam bewältigen.

Hintergrund 

Service des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
Der GKV-Spitzenverband stellt alle bisher getroffenen Empfehlungen und Vereinbarungen auf einer Fokusseite nach und nach zusammen.

Aktuelle Informationen für TK-Versicherte zum Coronavirus, und wie sich und andere schützen können, gibt es auf der Übersichtsseite.