Herbstzeit ist "Empfangszeit" - zumindest bei der saarländischen Landesvertretung der Techniker Krankenkasse. Bereits zum elften Mal - im vergangenen Jahr musste die Veranstaltung wegen der Coronapandemie abgesagt werden - fand der TK-Herbstempfang statt. Doch anstatt nach dem offiziellen Teil in einen regen Austausch mit allen Gästen zu kommen, war diesmal direkt nach der Diskussion Schluss. Und das hatte einen Grund: wieder machte Covid-19 dem Team der LV-Saarland einen Strich durch die Rechnung und die etablierte Veranstaltung musste am 25. November in der virtuellen Welt stattfinden.

Spannende Diskussion

Das schadete der spannenden Diskussion "Die Versorgungslage im Saarland - eine Analyse zwischen Bundes- und Landtagswahl" aber nicht. Im Gegenteil: Moderator Janek Böffel, Journalist beim Saarländischen Rundfunk, spielte den Teilnehmern die Bälle immer wieder geschickt zu und auch die Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer wurden aufgegriffen. So konnte sich ein interessantes Gespräch zwischen Sanitätsrat Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, Manfred Saar, frisch wiedergewählter Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes, Holger Wilhelm, Vorstandsvorsitzender der Saarländischen Pflegegesellschaft und Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung, entwickeln.

Koalitionsvertrag kein großer Wurf

Wie passend, dass die neue Ampelkoalition am Vortag der Veranstaltung ihren frisch verhandelten Koalitionsvertrag vorgestellt hatte. So konnten die Teilnehmer über die gesundheitspolitischen Pläne der Ampel diskutieren. Das Urteil fiel dabei eher verhalten aus. "Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht. Der große Wurf ist ausgeblieben", sagte Dr. Mischo, ergänzte aber: "Positiv ist, dass es die Gendermedizin erstmals in ein solches Papier geschafft hat." Manfred Saar betonte, dass sich die Inhalte für die Apotheken ganz gut lesen würden. Allerdings sei der Text sehr allgemein formuliert. "Es kommt daher auf die Ausgestaltung an!", so Saar.

Berufsbild der Pflege verbessern

Die Pflege wird aufgrund der aktuellen Situation mehrfach im Vertrag aufgegriffen. So soll unter anderem der Pflegebonus erhöht und der Lohn in der Altenpflege angehoben werden. Wilhelm hat dazu eine klare Meinung: "Natürlich sind diese Maßnahmen gut und wichtig, gerade mit Blick auf die Wertschätzung. Allerdings haben wir das Problem, dass nicht mehr genug Menschen in der Pflege arbeiten wollen. Da müssen kurzfristig Maßnahmen her, um entgegenzusteuern, ansonsten wird die Lohnanpassung verpuffen", sagte er. Außerdem sei es aus seiner Sicht wichtig, das Berufsbild der Pflege wieder positiver darzustellen.

Das betonte auch Dr. Mischo stellvertretend für die Ärzteschaft. "Die Bundesärztekammer hat gerade ganz aktuell ein Positionspapier verabschiedet, in dem sie sich ganz klar zu einem kooperativen Arbeitsstil bekennt. Darin wird der Teamgedanke zwischen Ärzteschaft, Pflege und anderen Gesundheitsberufen betont, man ist im Team einfach stärker", erklärte er, appellierte aber auch an die Medien, die Berichterstattung positiver zu gestalten.

Die Digitalisierung ist sehr wichtig und wird von der Ärzteschaft auch klar unterstützt. San.-rat Dr. Josef Mischo

Gute Ansätze in der Digitalisierung

Für TK-Vertreter Groh stach im neuen Koalitionsvertrag  vor allem eines hervor: Die Digitalisierung ziehe sich wie ein roter Faden durch den Koalitionsvertrag - auch im Bereich Gesundheit. "Mit dem Anlegen einer elektronischen Patientenakte für alle, der Beschleunigung des e-Rezepts und einem geplanten Gesundheitsdatennutzungsgesetz werden wichtige Schritte angegangen. So wird die digitale Transformation des Gesundheitswesens weiter vorangetrieben", erklärte der Landesvertretungs-Leiter.

Auch die anderen Diskussionsteilnehmer befürworteten das, äußerten aber Bedenken. So seien die saarländischen Apotheken laut Manfred Saar bereit für das e-Rezept. Es gäbe aber noch technische Probleme und eine schlechte Kommunikation der gematik. Dr. Mischo erwartete deshalb einen holprigen Start im Jahr 2022, betonte aber: "Die Digitalisierung ist sehr wichtig und wird von der Ärzteschaft auch klar unterstützt." Für den Vorstandvorsitzenden der Saarländischen Pflegegesellschaft spielte in der Diskussion jedoch eine ganz andere Dimension eine Rolle: "Wir müssen die Mitarbeitenden von Beginn an mitnehmen, damit die digitalen Technologien und Entwicklungen in der Pflege auch gut und sicher eingesetzt werden können", sagte er. Nur dann böte es auch für alle Beteiligten einen Mehrwert.

Mauern gemeinsam einreißen

Einen solchen Mehrwert sahen auch alle in dem Plan der Ampel, die sektorenübergreifende Versorgung zu stärken. "Die Hoffnung ist da, dass in diesem Bereich diesmal auch wirklich etwas passiert", erklärte Groh und begründete das so. "Die Möglichkeiten der Digitalisierung, der Fachkräftemangel und die Urbanisierung zwingen die Verantwortlichen dazu, die Sektorengrenzen einzureißen." Dr. Mischo pflichtete ihm mit einem Augenzwinkern bei: "Ich bin Chirurg und kann mit einem Hammer umgehen und helfe Herrn Groh gerne beim Einreißen der Mauern." Er ergänzte, dass die starren Sektorengrenzen ein Anachronismus seien und fallen müssten, sonst könne man nicht zukunfts- und patientenorientiert versorgen.

Das Schlusswort hatte wie gewohnt der Gastgeber und Stefan Groh zeigte sich zufrieden mit dem Austausch. Trotzdem vermisse er den gewohnten inoffiziellen Teil des Herbstempfangs, in dem bei Essen und einem Glas Wein erfahrungsgemäß viele weitere Dinge besprochen werden. "Ich verspreche Ihnen, dass wir im kommenden Jahr wieder alles versuchen werden, den TK-Herbstempfang im gewohnten Rahmen stattfinden zu lassen", sagte er und ergänzte mit einem Lächeln: "An uns wird es nicht liegen!"