Ziel des Projekts ist es, ein vorhandenes familiäres Darmkrebsrisiko bei Versicherten im Alter von 25 bis 49 Jahren möglichst so früh zu identifizieren, dass diese vor einer Darmkrebserkrankung bewahrt werden können. Jede Bayerin und jeder Bayer in dieser Altersgruppe erhält im Rahmen des Projekts exklusive Leistungen, die ihn vor Darmkrebs schützen können. Rund 1.000 Teilnehmer machen bereits mit.

Die bundesweite Situation

Ab dem 50. Lebensjahr haben alle gesetzlich Versicherten Anspruch auf eine bezahlte Darmkrebsfrüherkennung - mit 50 auf den immunchemischen Stuhltest, mit 55 auf die Vorsorgekoloskopie. Auch dank dieser Präventionsleistung ist die Zahl der Neuerkrankungen in der Altersgruppe der 50- bis 74-Jährigen seit ihrer Einführung im Jahr 2002 um 17 Prozent zurückgegangen. 

Dagegen sieht es bei den Jüngeren gänzlich anders aus: Hier stieg die Anzahl der Neuerkrankungen bei den 25- bis 49-Jährigen im selben Zeitraum um elf Prozent an. Diese Altersgruppe hat aktuell aber keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Darmkrebsvorsorge. Und dies, obwohl in Deutschland inzwischen jede zehnte Darmkrebs-Neuerkrankung bei Menschen unter 50 Jahren diagnostiziert wird.

Besonders gefährdet sind Menschen, in deren Familien es bereits Fälle von Darmkrebs gibt. Insbesondere für diese Menschen, die aufgrund ihres familiären Risikos wesentlich früher an Darmkrebs erkranken können, kommt die gesetzliche Früherkennung ab 50 aber damit zu spät.

Das bayerische Modellprojekt "Darmkrebs in der Familie? Sprich drüber!"

Das vom Innovationsfonds der Bundesregierung geförderte Modellprojekt schließt diese Versorgungslücke in Bayern. Im Fokus des Projekts stehen Versicherte im Alter von 25 bis 49 Jahren. Sie erhalten im Rahmen des Projekts erstmals die Möglichkeit, durch die Erhebung einer ausführlichen Familienanamnese über eine eventuell in der Familie vorliegende Veranlagung für Darmkrebs informiert zu werden. Deutet die Familienanamnese auf das Vorliegen eines familiären Risikos hin, können diese Betroffenen in Bayern eine kostenfreie Vorsorgedarmspiegelung oder alternativ einen immunchemischen Stuhltest in Anspruch nehmen. Und dies bereits ab 25 Jahren. 

Auch die Krankenkassen in Bayern unterstützen die Initiative. Der wissenschaftliche Titel des Modellprojektes lautet FARKOR.

Leben retten

"Bei meinem Sohn Felix wurde mit 31 Jahren Darmkrebs diagnostiziert. Er überlebte diese Diagnose nur zwei Jahre. Dieses Projekt hätte ihm das Leben retten können", so Christa Maar, die als Vorstand der Felix Burda Stiftung sich im Namen ihres Sohnes gegen Darmkrebs engagiert.

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Für "Sprich drüber!" wurde eine eigene Werbekampagne entwickelt.

"Dieses Modellprojekt ist einzigartig in Deutschland!", betont Dr. Pedro Schmelz, 1.stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), der rund 15.000 Hausärzte, hausärztlich tätige Internisten, Hautärzte, Gastroenterologen, Gynäkologen, Urologen und Onkologen in Bayern angeschrieben hat, um sich an dem Projekt zu beteiligen. "Mit 'Sprich drüber!' schließen wir eine Versorgungslücke in der Darmkrebsvorsorge für junge Menschen. Darauf sind wir sehr stolz, denn bislang hatten unsere bayerischen Ärzte keine Möglichkeit, junge Erwachsene mit familiärem Darmkrebsrisiko zu identifizieren und ihnen Vorsorge-Maßnahmen anzubieten", so Schmelz.

Der Magen-Darm-Arzt Dr. Berndt Birkner kennt die Problematik aus seiner eigenen gastroenterologischen Praxis: "Wenn Vater oder Mutter an Darmkrebs erkrankt sind, löst das bei den Familienmitgliedern Ängste aus, das gleiche Schicksal erleiden zu müssen. Menschen mit familiärem Risiko werden daher durch die Beratung und mit den Vorsorge-Möglichkeiten des Projekts physisch und psychisch entlastet."

Das Modellprojekt zielt demnach von zwei Seiten auf die 25- bis 49-Jährigen: Zum einen über die Ansprache der Ärzte, wenn diese Menschen wegen ganz anderer Beschwerden in der Praxis erscheinen. Zum anderen über die Motivation der bereits erkrankten Familienmitglieder.

Ziel: Die Regelversorgung

Ziel von "Sprich drüber!" ist es, innerhalb des Erhebungszeitraums bis März 2020 in Bayern eine ausreichende Zahl von Teilnehmern - Ärzten und Patienten - zu rekrutieren, um das Projekt wissenschaftlich evaluieren zu können. 

Von den bayernweit eingeschriebenen Ärzten stellen die Hausärzte aktuell mit 65 Prozent die größte Gruppe. Rund 2.200 Menschen in Bayern haben bereits an "Sprich drüber!" teilgenommen und auch von den Sonderleistungen profitiert.

"Wenn dieses Projekt in Bayern erfolgreich ist", macht Pedro Schmelz das Ziel deutlich, "können das erarbeitete Prinzip und die Prozesse im Anschluss bundesweit in die Regelversorgung übernommen werden."

Christian Bredl, Gründungsmitglied des Netzwerkes gegen Darmkrebs und Leiter der TK-Landesvertretung Bayern: "Unser Projekt ist ein weiterer wichtiger Schritt im Kampf gegen die Erkrankung und für mehr Aufklärung in der Bevölkerung."

"18 Jahre nach Felix‘ Tod haben familiär Betroffene in Deutschland immer noch keinen Anspruch auf eine risikoadaptierte Vorsorge", gibt Initiatorin Christa Maar zu bedenken. "Ich hoffe, dass wir mit diesem Projekt diesen Menschen endlich genauso die Chance geben Darmkrebs zu verhindern, wie es den über 55-Jährigen bereits seit 2002 möglich ist."

Werbe- und PR-Kampagne 

Für "Sprich drüber!" wurde eine eigene Werbekampagne entwickelt, um Betroffene und ihre Familien auf das Projekt aufmerksam zu machen. Die Projekt-Website informiert über das familiäre Darmkrebsrisiko und die möglichen Folgen. Hier stehen auch ein Online-Selbsttest und eine Arztsuche zur Verfügung.