Im Interview stehen Jan Quast, Geschäftsführer der Gesundheitswirtschaft Hamburg, und Sandra Heuchert, Prokuristin der GWHH, Rede und Antwort welchen Stellenwert E-Health in Hamburg einnimmt, wie sich die GWHH in dem Themenfeld engagiert und welche Potenziale Hamburg in der Gesundheitswirtschaft heben könnte.

TK: Herr Quast, in den vergangenen Jahren - insbesondere durch die Corona-Pandemie - ist das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen enorm vorangekommen. Das war dringend erforderlich. Wie engagiert sich die GWHH im Bereich Digitalisierung und E-Health in Hamburg?

Jan Quast

Porträtfoto Jan Quast Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Geschäftsführer der Gesundheitswirtschaft Hamburg (GWHH)

Jan Quast: Das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen steht für die GWHH schon lange ganz oben auf der Agenda. Im Frühjahr 2016 haben wir das eHealth-Netzwerk Hamburg gestartet, das von der EU und der Stadt Hamburg gefördert wird, und im Sommer 2017 auf Initiative der Gesundheitsbehörde den Digital Health Hub Hamburg (DHHH). Das eHealth-Netzwerk bringt die Akteure der Gesundheits-, der IT- und der Kreativwirtschaft zusammen; drei Branchen, in denen Hamburg stark aufgestellt ist. In verschiedenen Formaten greifen wir die Zukunftsthemen im eHealth-Kontext auf, um Anstöße für neue Partnerschaften und Lösungen zu geben. Die größte Veranstaltung ist dabei der seit 2017 jährlich stattfindende eHealth-Day, den wir mit Unterstützung der Handelskammer durchführen und bei dem bis zu 200 Expertinnen und Experten zusammenkommen. Unter dem Dach des DHHH bringen wir unter anderem Hochschulen, Unternehmen und Gründer zusammen, die an konkreten Fragestellungen arbeiten wollen und stellen innovative Ansätze für das Gesundheitswesen zur Diskussion.

TK: Frau Heuchert, verglichen mit den anderen Bundesländern: Wie attraktiv ist Hamburg für Start-ups im Bereich Gesundheit?

Sandra Heuchert: Hamburg spielt insgesamt im Ranking für Gründungen schon seit vielen Jahren im oberen Bereich neben Berlin und München mit. Die Attraktivität als Start-up-Standort für den Bereich Gesundheit wird wirtschaftlich gesehen durch eine überdurchschnittliche hohe Wachstumsrate im Vergleich zu Gesamtdeutschland gesteigert. Diese wirtschaftliche Dynamik hat nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie noch an Fahrt aufgenommen.

Sandra Heuchert

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Prokuristin der Gesundheitswirtschaft Hamburg
Zudem gibt es für Gründerinnen, Gründer und Start-ups in Hamburg viele Angebote zur Orientierung und Unterstützung. Die GWHH selbst bietet monatlich einen Start-up-Beratungstag mit Expertinnen und Experten aus unserem großen Netzwerk zu jeweils wechselnden Schwerpunktthemen an. Da können ganz konkrete Fragen im vertraulichen Eins-zu-eins-Gespräch geführt werden. Bei komplexeren Fragestellungen kann unser Mentoring-Programm speziell für den Bereich Gesundheit in Anspruch genommen werden, um eine tiefgreifender Beratung und Begleitung zu erhalten. Alle unsere Angebote sind kostenfrei, wie viele weitere Angebote in Hamburg auch. Besonders die gute Vernetzung und Kooperation der ortsansässigen Akteure und Unterstützer für Gründerinnen, Gründer und Start-ups ist aus meiner Sicht gerade für den Gesundheitssektor ein großer Standortvorteil. Die GWHH steht für den Bereich Gesundheit als erste Anlaufstelle zur Verfügung, vermittelt aber auch bei übergreifenden Themen zu weiteren Netzwerkpartnern.

Besonders die gute Vernetzung und Kooperation der ortsansässigen Akteure und Unterstützer für Gründerinnen, Gründer und Start-ups ist aus meiner Sicht gerade für den Gesundheitssektor ein großer Standortvorteil. Sandra Heuchert, Prokuristin der GWHH

TK: Herr Quast und Frau Heuchert, die GWHH unterstützt seit über einem Jahrzehnt die Belange der Gesundheitswirtschaft in Hamburg. Welche Potenziale könnten aus Ihrer Sicht noch freigesetzt werden? 

Heuchert und Quast: Die Weiterverfolgung der Aktivitäten zur Überwindung von Sektorengrenzen im Gesundheitssystem bietet ein enormes Potenzial, um die Patient Journey im ganzheitlichen Zusammenhang von Prävention, Kuration und Rehabilitation zu verbessern. Auch die stärkere Integration von eHealth-Anwendungen in den Lebensalltag der Menschen bietet weitere Potenziale in der Verbesserung der Gesundheitsversorgung, aber auch in der Steigerung der Lebensqualität. Ebenso werden der Ausbau und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zum Beispiel zur Unterstützung der medizinischen Expertise und interdisziplinären Betrachtung zukünftig eine weitere wichtige Rolle einnehmen. Großes Potenzial sehen wir auch in der Überwindung des Denkens in Silos, um die übergreifende Nutzung von Gesundheitsdaten als Grundlage für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Dort sind aber zunächst Fragen der Datensicherheit, des Datenschutzes und der Datenhoheit zu klären. Vor allem aber wird das Thema des Einsatzes von technischen Lösungen zur Entlastung der Fachkräfte immer dringender, um eine gute Versorgung für eine alternde Bevölkerung bei einem begrenzten Angebot an Fachkräften sicherstellen zu können. Hier bietet das eHealth-Netzwerk großes Potenzial.

TK-Posi­tion zur Digi­ta­li­sie­rung

PDF, 361 kB Downloadzeit: eine Sekunde

Hintergrund

Der Verein Gesundheitswirtschaft e.V.  arbeitet eng zusammen mit der Agentur zur Förderung der Gesundheitswirtschaft in Hamburg (GWHH). Er vernetzt die unterschiedlichen Akteure der Gesundheitswirtschaft in Hamburg miteinander.