Erfurt, 26. September 2020. Brustkrebspatientinnen und ihre behandelnden Ärzte stehen nach einer Tumor-OP oft vor der Entscheidung, ob eine Chemotherapie durchgeführt werden soll, um einer erneuten Krebserkrankung vorzubeugen. Versicherte der Techniker Krankenkasse (TK) haben nun Zugang zu allen vier Genexpressionstests, die die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie als zusätzliche Informationsquelle für diese Entscheidung empfiehlt. Die TK ergänzt damit die Regelversorgung, in der aktuell nur ein Test erstattet wird.

TK-Versicherte in Thüringen können sich aktuell bei sieben Ärzten im Freistaat zu dem sogenannten Besonderen Versorgungsvertrag beraten lassen, den die TK mit dem Bundesverband Deutscher Pathologen und der Managementgesellschaft Convema geschlossen hat.

Individuelles Risiko für erneuten Krebs besser einschätzen

Ein Genexpressionstest kann bei bestimmten Tumorarten dabei helfen, das individuelle Risiko für Metastasenbildung und erneuten Krebs besser einzuschätzen. Dafür werden die biologischen Eigenschaften des Tumorgewebes analysiert. 

"Die Genexpressionsdiagnostik gibt Patientinnen, deren Angehörigen und Ärzten zusätzliches Wissen für die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie. Durch den TK-Vertrag können behandelnde Ärzte den Test einsetzen, den sie für am besten geeignet halten und sind unabhängig vom Hersteller. Das ist ein guter und wichtiger Schritt für eine bessere Versorgung", sagt Dr. med. Klaus Apel. Der Gynäkologe ist auf die Behandlung von Brustkrebs spezialisiert und nimmt am Besonderen Versorgungsvertrag der TK teil. Er behandelt mit seinem gynäko-onkologischen Team Patientinnen in Praxen in Erfurt und Gotha.

"Eine Chemotherapie gehört zu den wichtigsten Behandlungsformen bei einer Brustkrebserkrankung und wird häufig ergänzend zu einer Operation eingesetzt. Gleichzeitig können Ärzte nach Schätzungen des Gemeinsames Bundesausschuss (G-BA) bei knapp 30 Prozent der Brustkrebspatientinnen mit einem frühen Tumorstadium allein anhand der klinisch-pathologischen Parameter keine eindeutige Empfehlung für oder gegen diese medikamentöse Behandlung geben", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. "Mit den Ergebnissen eines Genexpressionstests können in diesen Fällen der Nutzen, mögliche Nebenwirkungen und Folgen der Chemotherapie besser abgewogen werden."

In Thüringen erkranken jährlich mehr als 1.700 Frauen an Brustkrebs. Das Mammakarzinom ist bei Frauen die häufigste Krebserkrankung.

Sieben Ärzte in Thüringen nehmen teil

Momentan sind bundesweit 136 Ärzte aus dem ambulanten und stationären Bereich in das bundesweite Netzwerk des besonderen Versorgungsvertrags eingebunden, darunter vier ambulant tätige Ärzte aus Thüringen sowie Mediziner aus dem Robert-Koch-Krankenhaus Apolda, dem Helios Klinikum Erfurt und dem SRH Zentralklinikum Suhl.

Das Netzwerk ist offen für alle qualifizierten Leistungserbringer, die am besonderen Versorgungsvertrag teilnehmen möchten. Dazu zählen beispielsweise Gynäkologen mit Schwerpunkt in der Krebsbehandlung oder Pathologen.

Einfach digital Einschreiben

TK-Versicherte können ihre Teilnahme an dieser Besonderen Versorgung  digital erklären . Die erforderlichen Informationen können per Smartphone, Tablet oder PC auf einer geschützten TK-Seite eingegeben werden. Die Patientin erhält sofort online eine Bestätigung und die Behandlung kann direkt beginnen. Patientin und Praxis werden damit von unnötiger Bürokratie entlastet. 

Hinweis für die Redaktion

Vertragspartner der TK sind der Bundesverband Deutscher Pathologen und die Managementgesellschaft Convema. Die reguläre Kostenerstattung in der gesetzlichen Krankenversicherung umfasst aktuell den Oncotype-DX-Test. Der besondere Versorgungsvertrag der TK ergänzt die derzeitige Regelversorgung mit den CE-zertifizierten Tests Endopredict, Prosigna und Mammaprint.

Alle ambulant oder am Krankenhaus tätigen Ärzte, die am besonderen Versorgungsvertrag der TK teilnehmen, sind auf der Internetseite des Kooperationspartners CONVEMA GmbH abrufbar.

Die TK informiert auf ihrer Webseite über  Genexpressionsdiagnostik bei Brustkrebs. Weitere Informationen gibt es auch bei der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie. Aktuelle Zahlen zu Krebserkrankungen in Deutschland veröffentlicht die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V.