Mainz, 4. Juni 2020. Der Innovationsfonds geht bereits in die sechste Runde und erneut ist die Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz mit am Start - dieses Mal mit drei Projekten, die von der TK-Landesvertretung gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz, dem Interdisziplinären Zentrum für Klinische Studien (IZKS) und dem Mukoviszidose Institut auf den Weg gebracht werden. Die TK fungiert hierbei als Konsortialpartner. "Wir unterstützen diese innovativen Ideen, da wir uns immer für die qualitative und strukturelle Verbesserung der Versorgung unserer Versicherten einsetzen. Aktuell sind wir als TK in Rheinland-Pfalz bereits an fünf Innovationsfonds-Projekten beteiligt", sagt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz. Der Innovationsausschuss wird im Herbst über die Projektvorschläge dieser sechsten Ausschreibung entscheiden. Die Projektanträge werden nachfolgend im Einzelnen erläutert.

Ambulante Glaukomoperation / GlaukAm

Glaukom (Grüner Star) ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, in deren Verlauf eine Seheinschränkung auftritt und die den zweithäufigsten Grund für Erblindung in Deutschland darstellt. Auslöser ist ein erhöhter Augeninnendruck, der medikamentös behandelt wird. Wenn diese Maßnahme nicht ausreicht, wird das Glaukom operiert, um einen verbesserten Abfluss von Augenwasser zu erzielen und den Augeninnendruck zu senken. Dies ist in der Regel mit einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt verbunden. 

Im Rahmen des beantragten Innovationsfonds-Projekts GlaukAm, das von Prof. Alexander Schuster von der Augen- und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz geleitet wird, soll die ambulante Durchführung dieser Operationen getestet und evaluiert werden. Für den Patienten wird dadurch ein Krankenhausaufenthalt vermieden, wodurch, so die Hypothese, auch die Lebensqualität in der Phase nach der Operation gesteigert wird. Zur intensiven Nachbetreuung wird eine qualitätsgesicherte ambulante Nachsorge eingeführt, um den Zieldruck im Auge zu erreichen.  

MUKO-KI 

Mukoviszidose, auch zystische Fibrose genannt, ist eine nicht heilbare, erbliche Stoffwechselerkrankung, bei der die Zusammensetzung von Sekreten so verändert ist, dass es zu Funktionsstörungen in Lunge, Bauchspeicheldrüse und dem Darm kommt. Rund 200 Kinder werden jährlich mit dieser Erbkrankheit geboren. Insgesamt leben in Deutschland etwa 8.000 Betroffene. Die Lebenserwartung beträgt durchschnittlich 40 Jahre. 

Im Rahmen des beantragten Projekts MUKO-KI sollen mittels Künstlicher Intelligenz (KI) Daten von 6.500 Patienten aus dem Mukoviszidose-Register ausgewertet werden. Dabei sollen Patienten mit einem erhöhten Risiko für ein schnelleres Fortschreiten der Erkrankung erkannt werden. Diese Patienten würden dann nach individuellen Konzepten behandelt, die in interdiziplinären, sektorenübergreifenden, telemedizinischen Fallkonferenzen besprochen werden. Somit soll der Krankheitsverlauf stabilisiert, deutliche Verschlimmerungen verringert sowie Transplantationen vermieden und Krankenhausaufenthalte reduziert werden. 
Beteiligt sind auch Mukoviszidose e.V. und STATUP - Statistical consulting & data science GmbH.  

Outpatient Physician Training of the FORTA – classification / Optrain-FORTA

Bei Menschen über 80 Jahren häufen sich Erkrankungen, die einer medikamentösen Behandlung bedürfen. Bei Einnahme von fünf oder mehr Arzneimitteln spricht man von einer Polypharmazie. Mit der Einnahme einer Vielzahl von Medikamenten steigt auch das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen und Wechselwirkungen (gegenseitige Beeinflussung der Medikamente). Die geplante Optrain-FORTA-Studie zielt darauf ab, die Arzneimitteltherapie dieser hochaltrigen Menschen zu verbessern.  

Prof. Martin Wehling (Direktor am Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg) hat 2008 die FORTA-Kriterien (Fit fOR The Aged) publiziert. Anhand dieser Kriterien erfolgt eine Einteilung von Arzneimitteln in vier Gruppen: Arzneimittel, deren Nutzen beim älteren Patienten sehr vorteilhaft ist oder deren Anwendung bei diesen Patienten kritisch gesehen oder vermieden werden sollte. Die Besonderheit dieses Klassifikationssystems besteht darin, dass Medikamente in Bezug auf die vorliegenden Diagnosen bzw. Indikation bewertet werden. Prof. Roland Hardt, Leiter der Abteilung für Geriatrie am Zentrum für Allgemeinmedizin und Geriatrie der Universitätsmedizin Mainz, möchte im Rahmen der Optrain-FORTA-Studie Hausärzte in drei Bundesländern in der Anwendung dieser FORTA-Liste schulen. Damit sollen Krankenhauseinweisungen verhindert sowie die Selbsthilfefähigkeit und Lebensqualität von Patienten verbessert werden.