Nun wird das Leuchtturmprojekt auch nach der vierjährigen Förderung durch den Innovationsfonds von den vier Kassen und dem Albertinen-Haus erst einmal fortgeführt. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, spricht im Interview über den aktuellen Stand des NetzWerks GesundAktiv. 

TK: Frau Puttfarcken, der Hamburger Senat verfolgt mit dem "Demografie-Konzept Hamburg 2030" unter anderem das Ziel, älteren Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben und aktive Teilhabe zu ermöglichen. Wie trägt das NWGA dazu bei?

Maren Puttfarcken: Selbstbestimmung und Teilhabe - das sind genau die Punkte, an denen wir mit dem NWGA ansetzen. Im Zentrum des Projekts steht die Koordinierende Stelle am Albertinen-Haus in Hamburg- Schnelsen. Hier werden die Teilnehmenden von einem interdisziplinären Team umfassend untersucht. Auf dieser Basis können individuelle Präventionspotenziale ermittelt und gesundheitsfördernde Maßnahmen vorgeschlagen werden, die im vertragsärztlichen Bereich möglicherweise gar nicht zur Sprache gekommen wären. Zusammen mit den Teilnehmenden werden schließlich individuelle Unterstützungspläne entwickelt, ein Fallmanager betreut bei der Umsetzung der Maßnahmen. Auch die Hausärzte der Versicherten werden informiert. Die Kommunikationsplattform PAUL ist ein weiterer Baustein des Projekts, mit deren Hilfe sich die Teilnehmenden vernetzen, informieren und kommunizieren können.

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Wir als TK wollen den demografischen Wandel im Sinne unserer Versicherten mitgestalten - und zwar innovativ und zukunftsorientiert. Maren Puttfarcken

TK: Was hat sich im Projekt besonders bewährt?

Puttfarcken: Anhand der Ergebnisse einer Teilnehmerbefragung  von April/Mai dieses Jahres sehen wir eine hohe Zufriedenheit unter den Teilnehmenden. Das NWGA wird von 77 Prozent mit sehr gut bis gut bewertet. Bei einigen Teilnehmenden konnten im Assessment bestehende gesundheitliche Auffälligkeiten erkannt und interveniert werden. Das soziale und geriatrische Assessment, ein interdisziplinär ausgearbeiteter Unterstützungsplan sowie die Betreuung der Teilnehmenden durch einen Fallmanager bleiben daher bestehen. Und auch die virtuelle Plattform PAUL steht den Teilnehmenden weiterhin zur Verfügung. Versicherte, die dem NetzWerk neu beitreten, erhalten PAUL per Webbrowser oder App.

TK: Wie geht es konkret mit dem NetzWerk GesundAktiv weiter?

Puttfarcken: Das NWGA wird auch nach Ende der Förderung durch den Innovationsfonds fortgeführt. Zunächst erst einmal für ein Jahr. Darauf haben sich alle Kassen, die am Innovationsfondsprojekt beteiligt waren, verständigt. Die eingeschriebenen Versicherten haben die Möglichkeit, die Leistungen im Rahmen eines besonderen Versorgungsangebots weiterhin zu nutzen. Wir hoffen natürlich, dass es auch danach weitergehen kann. Die begleitende Evaluation von der Universität Bielefeld und der Forschungsabteilung im Albertinen Haus, die wir im kommenden Jahr erwarten, wird richtungsweisend sein für die Frage, ob und wie wir weitermachen. Andere Kassen können sich dem Projekt anschließen.

TK: Warum ist das NWGA für Hamburg wichtig?

Puttfarcken: Wir erwarten in Hamburg bis 2035 eine Zunahme um rund 90.000 bei der Zahl der 65-Jährigen und Älteren. Eine Besonderheit hier in Hamburg ist auch die hohe Quote an Single-Haushalten: Im Jahr 2017 war fast jeder zweite Haushalt ein Single-Haushalt, der perspektivisch Hilfe von außen benötigen wird. Es ist der Wunsch vieler älterer Menschen, möglichst lange zu Hause wohnen zu bleiben. Dies erfordert ein passendes Wohnumfeld, das neben einer seniorengerechten Infrastruktur auch passende Versorgungskonzepte integriert, die einem steigenden Bedarf an vertragsärztlicher Versorgung Rechnung tragen. Wir als TK wollen den demografischen Wandel im Sinne unserer Versicherten mitgestalten - und zwar innovativ und zukunftsorientiert. Dazu gehört beispielsweise, dass digitale Lösungen verstärkt in den Versorgungsalltag integriert werden. Das NWGA hat gezeigt, dass sich auch ältere Menschen für digitale Tools begeistern können, wenn man ihnen den Umgang damit richtig vermittelt.

Hintergrund

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat das Projekt mit den Konsortialpartnern federführend entwickelt und eine Fördersumme in Höhe von maximal 8,9 Millionen Euro über vier Jahre aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) erwirkt. Konsortialpartner des Projekts waren neben dem Albertinen Haus als Träger der Koordinierungsstelle auch die Firma CIBEK technology + trading GmbH, die BARMER, die DAK-Gesundheit, die KNAPPSCHAFT, der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., die Universität Bielefeld sowie die Forschungsabteilung im Albertinen Haus für Klinische Geriatrie. Weitere Informationen zum NetzWerk GesundAktiv in Hamburg-Eimsbüttel gibt es auf der Themenseite.