Wie es derzeit im Hamburger Leuchtturmprojekt aussieht, haben wir Projektleiter Dr. Thomas Nebling (TK) gefragt. 

TK: Herr Dr. Nebling, das Projekt läuft nun seit knapp drei Jahren. Wie ist der aktuelle Stand im NWGA?

Dr. Thomas Nebling: Wir konnten die Rekrutierung der Teilnehmer zum 31.12.2018 erfolgreich abschließen. Inzwischen haben auch alle der 880 Teilnehmenden das umfangreiche Assessment durchlaufen und ihren Patientenbrief mit individuellen Gesundheitsempfehlungen erhalten. Weiterhin haben wir das NWGA-Angebot ausgebaut und noch stärker an die Bedürfnisse der eingeschriebenen Teilnehmer angepasst. Hierzu zählen ausführliche Beratungsgespräche und Hausbesuche durch das Fallmanagement am Albertinen-Haus, Bewegungsangebote zur Förderung der Mobilität und auch die Thementage im Café PAUL. Letzteres unterstützt die Teilnehmer bei der Nutzung des PAUL-Tablets im Alltag. Darüber hinaus veranstalten wir auch in diesem Jahr wieder ein Sommerfest, bei dem sich die Teilnehmer spannende Vorträge anhören, über Angebote aus ihrem Bezirk informieren und neue Kontakte untereinander knüpfen können. Wir möchten damit auch die soziale Teilhabe fördern, die für unsere Zielgruppe besonders wichtig ist.

Dr. Thomas Nebling

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TK: Können Sie bereits ein erstes Zwischenfazit ziehen? 

Dr. Nebling: Es hat sich gezeigt, dass unsere Teilnehmer - allesamt 70 Jahre und älter, mit leichter bis mittelschwerer Pflegebedürftigkeit oder erhöhtem Risiko für Hilfsbedürftigkeit - immer noch eine sehr heterogene Gruppe darstellen. Dies bezieht sich sowohl auf den medizinischen Handlungsbedarf, der im Rahmen unserer umfangreichen Assessments festgestellt wurde, als auch auf die vorhandenen Interessen und Kompetenzen im Umgang mit digitaler Technik, wie unserem PAUL-Tablet. Hierauf haben wir während des bisherigen Projektverlaufs entsprechend reagiert. So haben wir z. B. beim PAUL-System Lösungen entwickelt für Teilnehmer, die zu Hause über keinen Internetanschluss verfügen, sowie auch für Teilnehmer, die bereits ein Endgerät (z. B. Tablet, Notebook etc.) besitzen. Schön ist auch, dass die Teilnehmer die Koordinierende Stelle des NWGA am Albertinen-Haus zunehmend als Anlaufstelle für ihre Anliegen wahrnehmen. Hier haben wir zu Beginn noch eine gewisse Zurückhaltung beobachtet. Klar ist, dass es einen Bedarf gibt für einen persönlichen Ansprechpartner, der einen über längere Zeit begleitet und dem man sich auch in schwierigen Situationen anvertrauen kann.  

TK: Welche Schritte stehen für das Jahr 2020 an? 

Dr. Nebling: Bis zur Jahresmitte laufen noch die Befragungen der NWGA-Teilnehmer zu ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Die Ergebnisse daraus sowie die Routinedaten der Krankenkassen werden in der zweiten Jahreshälfte von der Universität Bielefeld ausgewertet. Zudem führt die Forschungsstelle für Klinische Geriatrie am Albertinen-Haus eine Struktur- und Prozessanalyse des NWGA durch. Parallel dazu werden wir zunächst eine Vision und dann auch ein konkretes Konzept entwickeln, wie es mit dem NWGA nach dem Ende der Förderung durch den Innovationsfonds ab 2021 weitergehen wird.