Zum 19. Mal steht der März in ganz Deutschland im Zeichen der Darmkrebsvorsorge. Ausgerufen von der Felix Burda Stiftung, der Stiftung LebensBlicke und dem Netzwerk gegen Darmkrebs e. V., engagieren sich in diesem Monat Medien, Gesundheitsorganisationen, Unternehmen, Städte, Kliniken und Privatpersonen konzertiert für die Prävention von Darmkrebs.

Rechtzeitige Vorsorge 

Jährlich erkranken rund 60.400 Menschen in Deutschland neu an Darmkrebs. Die Diagnose Darmkrebs wird im Laufe des Lebens bei einem von 17 Männern und einer von 20 Frauen gestellt. Und so sterben jedes Jahr rund 25.300 Menschen an dieser Krebsart, die sich durch rechtzeitige Vorsorge verhindern lässt. 

Dass Prävention möglich ist, zeigen die positiven Entwicklungen der zurückliegenden Jahre: Dank des jährlichen Darmkrebsmonats März und der dadurch generierten Aufmerksamkeit für die  Prävention von Darmkrebs haben seit Einführung der Untersuchung im Jahr 2002 bereits rund 7,4 Millionen Menschen an der Vorsorgekoloskopie teilgenommen. Dadurch konnten bis heute circa 139.000 Todesfälle und 290.000 Neuerkrankungen verhindert werden, so eine Hochrechnung der Felix Burda Stiftung. Und die Anzahl der jährlichen Neuerkrankungen und Sterbefälle von Darmkrebs sank in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent.

Die gesetzliche Darmkrebsvorsorge wirkt

Obwohl die Zahlen belegen, dass das gesetzliche Angebot zur Darmkrebsvorsorge wirkt, wird dieses bisher von zu wenigen Versicherten in Anspruch genommen: Nur rund 1,8 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen und Männer nutzen jedes Jahr die Vorsorgekoloskopie. Dr. Christa Maar, Vorstand der Felix Burda Stiftung, betont aber: "Auch wenn die Teilnahme an der Vorsorgekoloskopie leider immer noch niedrig ist, gibt es doch auch einen positiven Trend zu vermelden: Die Teilnahmerate der Männer - die zu Anfang besonders wenig Interesse an der Untersuchung hatten - lag zuletzt knapp vor der Teilnahmerate der Frauen. Das zeigt doch, dass Aufklärung wirkt."

Als häufigste Gründe für die Nicht-Teilnahme an einer Darmspiegelung werden genannt: "Weil ich keine Probleme mit dem Darm habe" und "Weil ich es persönlich nicht für notwendig halte". Auch die Angst vor der Untersuchung spielt eine wichtige Rolle, so das Robert Koch-Institut.

Die Erkenntnisse eines studentischen Forschungsprojekts der Hochschule Fresenius in München vom Januar 2020 zeigen, wie es um das Wissen der Bevölkerung über Prävention bestellt ist: So würden 32 Prozent der Befragten über 45 Jahre, die aktuell nicht zur Vorsorge gehen, dies erst beim Auftreten von Symptomen tun. Und nur rund 13 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie unter "Prävention bzw. Vorsorge" Maßnahmen zur Gesundheitserhaltung verstehen.

"Dies zeigt, dass das Prinzip von Vorsorge und Prävention nicht verstanden wird", so Carsten Frederik Buchert, Director Marketing & Communications der Felix Burda Stiftung. "Statt als gesunder Mensch Prävention zu betreiben, wird der Vorsorge geradezu phobisch aus dem Weg gegangen. Bis es dann womöglich zu spät ist! Wenn diese Angst vor der Vorsorge fast größer ist, als die Angst vorm Darmkrebs selbst, sprechen Mediziner von Präventiophobie", so Buchert augenzwinkernd.

Präventiophobie überwinden

Die Felix Burda Stiftung will auf diesem Weg versuchen, den Menschen klar zu machen, dass die Verdrängung der Darmkrebs-Prävention als Schutz vor dem Krebs ziemlich skurril ist. Ähnlich skurril, wie die Angst vor Hühnern oder Haaren. Und sie will deutlich machen, dass Prävention eben schon dann betrieben werden muss, wenn man noch keine Beschwerden hat. 

TV Spot Präven­tio­phobie

Das bayerische Modellprojekt "Darmkrebs in der Familie? Sprich drüber!"

Die Felix Burda Stiftung kümmert sich nicht nur um mehr Aufklärung in der Bevölkerung. Sie engagiert sich auch dafür, dass Vorsorgeangebote für gesetzlich Versicherte verbessert werden.

Der Innovationsfonds der Bundesregierung fördert daher seit 2017 ein besonderes Modellprojekt in Bayern. Im Fokus des Projekts "Darmkrebs in der Familie? Sprich drüber!" stehen Versicherte im Alter von 25 bis 49 Jahren. Sie erhalten erstmals die Möglichkeit, durch die Erhebung einer ausführlichen Familienanamnese über eine eventuell in der Familie vorliegende Veranlagung für Darmkrebs informiert zu werden. Deutet die Familienanamnese auf das Vorliegen eines familiären Risikos hin, können diese Betroffenen in Bayern eine kostenfreie Vorsorgedarmspiegelung oder alternativ einen immunchemischen Stuhltest in Anspruch nehmen. Und dies bereits ab 25 Jahren. 

Auch gesetzliche Krankenkassen in Bayern wie die TK unterstützen die Initiative. Der wissenschaftliche Titel des Modellprojektes lautet FARKOR.

Die bundesweite Situation

Normalerweise haben ab dem 50. Lebensjahr alle gesetzlich Versicherten Anspruch auf eine bezahlte Darmkrebsfrüherkennung - mit 50 auf den immunchemischen Stuhltest, mit 55 auf die Vorsorgekoloskopie. 

Dagegen sieht es bei den Jüngeren gänzlich anders aus: Hier stieg die Anzahl der Neuerkrankungen bei den 25- bis 49-Jährigen im selben Zeitraum um elf Prozent an. Diese Altersgruppe hat aktuell aber keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Darmkrebsvorsorge. Und dies, obwohl in Deutschland inzwischen jede zehnte Darmkrebs-Neuerkrankung bei Menschen unter 50 Jahren diagnostiziert wird.

Besonders gefährdet sind Menschen, in deren Familien es bereits Fälle von Darmkrebs gibt. Insbesondere für diese Menschen, die aufgrund ihres familiären Risikos wesentlich früher an Darmkrebs erkranken können, kommt die gesetzliche Früherkennung ab 50 aber damit zu spät.

Christian Bredl, Gründungsmitglied des Netzwerkes gegen Darmkrebs und Leiter der TK-Landesvertretung Bayern: "Unser Projekt schließt diese Versorgungslücke in Bayern und ist damit ein weiterer wichtiger Schritt im Kampf gegen die Erkrankung. Außerdem sorgt FARKOR für mehr Aufklärung in der Bevölkerung."

Sprich drüber! Darm­krebs in der Familie