Das PREMA-Behandlungsprogramm unterstützt hessische Hausärztinnen und Hausärzte, Depressionen und Panikstörungen bei ihren Patienten besser zu erkennen und die Behandlung in die richtigen Bahnen zu leiten. Hausarztpraxen können bis August 2021 Patienten in das Programm aufnehmen.

Hausarztpraxis erster Ansprechpartner

Bei den meisten gesundheitlichen Beschwerden ist für viele Patienten zunächst der Hausarzt erster Ansprechpartner - auch bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Panikstörungen, die häufig in der Hausarztpraxis festgestellt werden. Seit Beginn der Corona-Pandemie registrieren Hausarztpraxen eine steigende Zahl von Patienten mit psychischen Belastungen. Viele Menschen leiden unter den Kontaktbeschränkungen oder haben gravierende ökonomische Sorgen aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, die ihnen auf das Gemüt schlagen. Das strukturierte, digital gestützte Behandlungsprogramm PREMA unterstützt Hausärzte in Hessen gerade auch in Pandemie-Zeiten, die Erkrankung rasch zu erkennen und Patienten niedrigschwellig zu helfen. 

Arzt und Patient entscheiden gemeinsam

Liegt ein Verdacht auf eine Depression oder Panikstörung vor, führt der Hausarzt zunächst eine mit digitalen Fragebögen unterstützte Erstuntersuchung durch. Bestätigt sich eine der Diagnosen, entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, ob die Behandlung in der Hausarztpraxis beginnt oder die Überweisung zu einem Fachspezialisten erfolgt. 

Dr. Eckhard Starke

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Hausärztlicher Vorstand der KV Hessen und stellvertretender Vorstandsvorsitzender

"Bei anhaltender oder sich verschlechternder Symptomatik sieht das PREMA-Programm die Überweisung zum Facharzt als Therapieoption vor. Das gilt auch bei Unsicherheiten in der Diagnose oder wenn weitere psychische Störungen vorliegen. Indem Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten bei der Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten eng kooperieren, können Patienten mit psychischen Diagnosen auf der richtigen Behandlungsstufe betreut und begleitet werden." Dr. Eckhard Starke

Eine begleitende Studie untersucht, wie wirksam das PREMA-Behandlungsangebot ist. Patienten können in der Interventionsgruppe die neue Behandlungsform in der Hausarztpraxis nutzen; in der Kontrollgruppe erhalten sie eine intensivierte Standardbehandlung. Sie werden der jeweiligen Behandlungsgruppe nach dem Zufallsprinzip zugeordnet.

Digitale Anwendungen unterstützen

In der Interventionsgruppe unterstützen digitale Tools die Behandlung: Über die Online-Plattform behalten Hausarzt und Medizinische Fachangestellte den Überblick über den Behandlungsfortschritt der Patienten und die Inhalte der nächsten Termine. Zudem nutzen die Patienten die Online-Plattform zur Psychoedukation, bearbeiten also empathisch gestaltete Videos und Übungen, die individuell die jeweiligen Symptome der Diagnosen "Depression" und " Panikstörung" aufgreifen.

Dr. Barbara Voß

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen
 

"Unser Innovationsfondsprojekt kann Patientinnen und Patienten im aktiven, selbstbestimmten Umgang mit ihrer Erkrankung nachhaltig stärken. Sie können sich zu Hause aktiv mit ihrer Depression oder Panikstörung auseinandersetzen und in ihrem eigenen Tempo an ihren Belastungen arbeiten. Das verbessert ihr Selbstmanagement und unterstützt eine Behandlung, die ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt." Dr. Barbara Voß

Die Videos und Übungen enthalten klar strukturierte Erklärungen und Hinweise, die exakt zur jeweiligen Diagnose passen. So können die Patienten selbstständig Problemlöse-Strategien erarbeiten und in ihren Alltag übertragen. Sie lernen nach und nach, ihren persönlichen Ressourcen und Stärken zu vertrauen und ihr Befinden zu verbessern. Im regelmäßigen, engen Austausch in der Hausarztpraxis gibt es zudem viel Raum für den persönlichen Austausch. Die Erfahrung zeigt, dass sich daraus ein positives Vertrauensverhältnis entwickelt, das das Arzt-Patienten-Verhältnis stärkt. 

Martina Voss

Portrait von Martina Voss, Hausärztin in Frankfurt Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Hausärztin in Frankfurt

"Unsere Patienten reagieren sehr positiv auf das strukturierte Behandlungsprogramm. Vielen hilft schon allein die Tatsache, dass sie in unserer Sprechstunde die Möglichkeit haben, über ihre psychischen Symptome und die zugrundeliegenden Probleme zu sprechen und dass sie im Gespräch die Erfahrung machen: Sie sind nicht allein mit ihrem Problem, anderen geht es auch so." Martina Voss

Körperliche Symptome wie Erschöpfung, Kopfschmerzen, Magen- oder Rückenschmerzen, für die der Hausarzt keine körperliche Ursache findet und bei denen sich keine Besserung einstellt können ein Hinweis auf eine psychische Erkrankung sein. Klingen die Symptome nicht ab und bleibt die internistische Untersuchung ergebnislos, ist das oft Auslöser für ein Arzt-Patienten-Gespräch zu möglichen psychischen Ursachen für die Symptome. 

Zeit ist entscheidender Faktor

Die bisherige Erfahrung zeigt: Wie gut und nachhaltig PREMA "wirkt", hängt unter anderem auch davon ab, wie lange die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits bestanden hat. Je schneller die Intervention nach dem Auftreten der Symptome erfolge, desto besser ist die helfende und entlastende Wirkung.

Dr. Jutta Nothhof

Portrait von Dr. Jutta Nothhof, Hausärztin in Frankfurt Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Hausärztin in Waldems, Rheingau-Taunus-Kreis 

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht immer ganz einfach ist, Termine beim Psychotherapeuten für meine Patienten zu bekommen - selbst, wenn ich mich selbst darum bemühe. Bisher war ich an der Stelle hilflos, aber dank PREMA kann ich den Patienten jetzt doch etwas anbieten, zumindest für den Übergang. Somit sorgt dieses Projekt auch für eine gewisse Entlastung bei den Psychotherapeuten." Dr. Jutta Nothhof

Einschreibungsfristen verlängert

PREMA wird seit Juli 2019 in der Modellregion Hessen angeboten. Kooperationspartner des Projekts sind neben der KV Hessen die Techniker Krankenkasse (TK), die Goethe-Universität Frankfurt, die Universitätsklinika München und Hamburg sowie der Technikpartner Embloom. Der Projektname PREMA steht für "eHealth-gestütztes Case-Management für psychisch Erkrankte in der hausärztlichen Primärversorgung".

Hausärztinnen und Hausärzte können Patienten mit den Diagnosen "Depression" und "Panikstörung" bis zum 31. August 2021 in PREMA aufnehmen. Teilnehmen können Versicherte aller gesetzlichen Krankenkassen. Hausärzte, die sich am Behandlungsprogramm beteiligen möchten, können sich noch bis spätestens 31. März 2021 für eine Teilnahme anmelden. 

Das PREMA-Projekt wird vom bundesweiten Innovationsfonds finanziell gefördert und kann landesweit von rund 1.280 Patienten genutzt werden. Kooperationspartner sind neben der TK die Goethe-Universität Frankfurt, die Universitätsklinika München und Hamburg, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen sowie der Technikpartner Embloom. 

Hinweis