Hessische Hausarztpraxen gehen neue Wege in der Unterstützung ihrer Patienten mit Depressionen und Angststörungen. Ab der zweiten Jahreshälfte 2019 soll das Behandlungsangebot "PREMA" mit einem strukturierten Übungsprogramms helfen, psychische Erkrankungen früher zu erkennen und zu behandeln. Das neue Angebot wird zunächst nur in Hessen angeboten und wissenschaftlich untersucht. 

Das PREMA-Projekt wird vom bundesweiten Innovationsfonds finanziell gefördert und kann landesweit von rund 2.000 Patienten genutzt werden. Das Behandlungsteam in der Hausarztpraxis und die Patienten werden dabei auch mit digitalen Hilfen unterstützt. Kooperationspartner sind die Techniker Krankenkasse (TK), die Goethe-Universität Frankfurt, die Universitätsklinika München und Hamburg, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen sowie der Technikpartner TelePsy. Der Projektname PREMA steht für "eHealth gestütztes Case-Management für psychisch Erkrankte in der hausärztlichen Primärversorgung". 

Hausarztpraxis erster Ansprechpartner

Das Konzept sieht vor, die Hausärztin bzw. den Hausarzt als vertrauten und verlässlichen Begleiter von Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen darin zu stärken, die Krankheit frühzeitig und sicherer zu erkennen und die Betroffenen in dieser schwerwiegenden Situation individuell zu betreuen. Fast ein Drittel (30 Prozent) der Bevölkerung leidet an psychischen Erkrankungen, am häufigsten unter Depressionen und Angststörungen. Die Hausarztpraxis ist in den meisten Fällen erster Ansprechpartner: Drei von fünf (59 Prozent) der zumeist unspezifischen Depressionsdiagnosen werden ausschließlich vom Hausarzt gestellt. 

Starkes Dreierbündnis 

Die Hausärzte sind im PREMA-Programm mit ihrer Medizinischen Fachangestellten (MFA) stets verlässliche Partner für ihre Patienten, mit denen sie gemeinsam die psychischen Belastungen angehen und so gewissermaßen ein starkes Dreibündnis bilden. Spezielle Übungen werden vereinbart und sicher umgesetzt. Dabei helfen auch digitale Anwendungen. Beispielsweise unterstützen online-gestützte Fragebögen bei der Diagnose aber auch bei der Frage, ob eine umgehende Überweisung an einen Fachspezialisten erforderlich ist. 

Bleiben die Patienten in der hausärztlichen Behandlung, werden sie im PREMA-Programm zwölf Monate lang nicht nur vom Hausarzt oder der Hausärztin selbst, sondern auch von der MFA aktiv begleitet. Sie kontaktiert den Patienten regelmäßig zu seinem Befinden und fragt seine Symptome mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens ab. Die Ergebnisse leitet sie unverzüglich an den Hausarzt weiter, der auf diese Weise die Therapiefortschritte des Patienten in kurzen Intervallen verfolgen kann. So fällt sofort auf, ob sich sein Befinden ggf. verschlechtert hat und weitere Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind. 

Digitale Anwendungen

Die enge Zusammenarbeit des Dreierbündnisses aus Arzt, MFA und Patient wird von der internetbasierten Plattform TelePsy unterstützt. Diagnostische Testverfahren, Videos oder therapeutische Übungen, die die Patienten am Computer oder Tablet nutzen, leisten aus Sicht der TK einen wichtigen Beitrag zu einer besseren und bedarfsgerechteren Versorgung von psychisch Kranken. In den Übungen bearbeiten die Patienten etwa negative, verzerrte Wahrnehmungen und kommen zu einer neutralen, positiveren Betrachtung von Alltagssituationen. Selbstständig entwickeln sie im Verlauf des Online-Programms Problemlösestrategien, die sie in ihren Alltag übertragen können. So wird ihr Befinden verbessert und ihre persönlichen Ressourcen gestärkt.

Programm in Modellregion Hessen

Im Rahmen des Projekts können rund 2.000 Patienten in Hessen das innovative Versorgungsangebot nutzen und an der Studie teilnehmen. Hierfür hat die TK mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen einen besonderen Versorgungsvertrag abgeschlossen. Die KV Hessen hat Ende Mai 2019 mit der Rekrutierung der Hausarztpraxen begonnen. 

Modellregion für das Innovationsfondsprojekt ist das Bundesland Hessen, das mit seinem Ballungsgebiet Rhein-Main, den mittelgroßen Städten und ländlichen Gebieten die unterschiedlichen Besonderheiten der städtischen und ländlichen Versorgung wiederspiegelt. Nach einer einjährigen Vorbereitungszeit, die unter anderem für die technische Umsetzung der digitalen Anwendungen benötigt wurde, können die ersten Patienten voraussichtlich zu Beginn des zweiten Halbjahres 2019 im Projekt betreut werden. Eine Ausweitung dieses Behandlungsansatzes auf andere psychische Erkrankungen ist in einem weiteren Schritt denkbar. 

Hintergrund zur Studie

Der Innovationsfonds ist ein gesundheitspolitisches Instrument, das die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung qualitativ weiterentwickeln will. Daher werden alle Projekte, die der Fonds fördert, wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die PREMA-Studie soll u. a. zeigen, wie sich sowohl die Kommunikation im Dreierbündnis von Hausarzt, MFA und Patient sowie die Lebensqualität der Patienten verbessern aber auch die Symptome der Betroffenen gelindert werden. Im Rahmen der Studie werden die Patienten nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppen eingeteilt: Teilnehmer der Interventionsgruppe erhalten die Behandlung mit digitaler Unterstützung, Teilnehmer der Kontrollgruppe erhalten eine intensivierte Standardbehandlung. 

Innovationsfonds

Wie der Innovationsfonds funktioniert und welche TK-Projekte vom Innovationsausschuss des G-BA gefördert werden, wird unter www.tk.de/presse erklärt.

Weitere Informationen über alle bundesweit geförderten Projekte finden Sie auf den Internetseiten des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Behandlungsprogramm kann Hausärzte unterstützen

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"Patienten klagen meistens zunächst über ihre körperlichen Symptome wie beispielsweise Erschöpfung, Müdigkeit, Magen- oder Rückenschmerzen. Das neue Behandlungsprogramm kann die Hausärztin bei ihrer Verdachtsdiagnose einer psychischen Erkrankung unterstützen."

Dr. Christiane Kunz, Hausärztin in Frankfurt, die am Pilotprojekt teilnimmt


Verbessertes Selbstmanagement

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"Die digitalen Elemente sind ein wichtiger Bestandteil des Behandlungsprogramms. Die Patienten können von zu Hause aus und in ihrem eigenen Tempo daran arbeiten, ihre Belastungen in den Griff zu bekommen. Sie setzen sich aktiv mit ihrem Krankheitsbild auseinander, werden dabei aber nicht allein gelassen. Das verbessert ihr Selbstmanagement und ermöglicht eine optimale Behandlung, die ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt."

Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen 

Viele wollen am Projekt teilnehmen

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"Wir haben bereits eine vielversprechende Anzahl von Hausärztinnen und Hausärzten, die am Modellprojekt teilnehmen wollen. Das freut uns sehr und bestärkt uns darin, das Projekt weiter nach Kräften zu unterstützen. Wichtig ist selbstverständlich auch, dass im Falle eines Falles Psychotherapeuten bereit stehen, um die Hausärzte zu unterstützen oder gar Therapien zu übernehmen."



Dr. Eckhard Starke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen