Auch die Sterblichkeit in Folge von Herzerkrankungen ist demnach im Osten um ca. 20 Prozent höher. Die RKI-Studie bestätigt damit die Ergebnisse der bundesweiten Herzberichte zu überdurchschnittlichen Sterbezahlen in Folge von Herzerkrankungen in den ostdeutschen Bundesländern. Hinzu kommt auch, dass im Osten starkes Übergewicht (Adipositas) häufiger auftritt, als in den westlichen Bundesländern und weniger Menschen sportlich aktiv sind.

Vermeidbare Risikofaktoren

Mehr als die Hälfte der kardiovaskulär bedingten Todesfälle werden durch acht Risikofaktoren verursacht, die größtenteils vermeidbar sind, so das RKI. Dazu zählen verhaltensbezogene Risikofaktoren wie sportliche Inaktivität, risikoreicher Alkoholkonsum, Rauchen und geringer Obst- und Gemüseverzehr sowie krankheitsnahe Risikofaktoren wie Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.

Anzahl und Zeitpunkt der Geburten senken Brustkrebsrisiko im Osten

Von anderen Krankheitsarten sind die Ostdeutschen statistisch weniger betroffen. An Brustkrebs beispielsweise erkranken Frauen in den östlichen Bundesländern signifikant seltener, als in den westlichen. Auch die Sterblichkeit an Brustkrebs liegt im Osten 20 Prozent niedriger als im Westen Deutschlands. Als Grund für diese Unterschiede vermuten die Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts höhere Geburtenraten, ein niedrigeres Alter bei Geburt des ersten Kindes und seltenere Kinderlosigkeit.

Weniger Depressionen im Osten

Trotz der erheblichen psychischen Belastungen bei der Systemumstellung nach der politischen Wende ist beim Blick auf psychische Erkrankungen ein positiver Ost-West-Unterschied bemerkbar. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen werden im Osten weniger psychische Störungen und Depressionen registriert, als im Westen. Das gilt sowohl für ambulante Fälle als auch für stationär behandelte psychische Erkrankungen.

Unterschiedliche Entwicklung bei Raucherinnen

Zu Beginn der 1990er Jahre lag die Raucherquote bei Frauen im Osten noch acht Prozent unter der Quote im Westen. Dieser Unterschied ist heute nicht mehr vorhanden. Während der Anteil der Raucherinnen in den neuen Ländern relativ stabil blieb, hat sich deren Prozentsatz im Westen seit 2003 verringert, so dass heute anteilig mehr Ostfrauen rauchen als im Durchschnitt der alten Bundesländer. Bei den Männern sank der Anteil der Raucher parallel in Ost und West. Weiterhin rauchen jedoch mehr Männer als Frauen und Ostmänner anteilig etwas häufiger als Männer im Westen.

Ostdeutsche Männer sterben ein Jahr früher

Insgesamt hat sich die Lebenserwartung der Deutschen seit der Wiedervereinigung beinahe vollständig angeglichen. Seit einigen Jahren liegt die Lebenserwartung von Frauen im Osten sogar geringfügig über der von Westfrauen. Männer in den ostdeutschen Bundesländern sterben statistisch immer noch ein reichliches Jahr früher, als Männer im Westen. Der Unterschied betrug 1990 allerdings noch 3,25 Lebensjahre.

Bei der individuellen Selbsteinschätzung ihrer Gesundheit zeigen die Deutschen in Ost und West hingegen kaum Unterschiede. Einen guten oder sehr guten Gesundheitszustand bescheinigen sich rund 70 Prozent der 18 bis 39-Jährigen und noch rund ein Drittel der 55 bis 79-Jährigen, und zwar überall in Deutschland.