Die zentrale Veranstaltung findet am 2. Juni in Saarbrücken statt.

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Herr Vogt, jedes Jahr ein Informationstag zur Organspende, alle zwei Jahre Post von der Krankenkasse zum Thema, müssten dann die Spenderzahlen nicht deutlich höher sein?

Nach einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sehen 84 Prozent der Befragten die Organspende eher positiv, 36 Prozent besitzen einen Organspendeausweis.

In Sachen Aufklärung sind wir also ein gutes Stück weitergekommen. Trotzdem sinken die Spenderzahlen weiter: Laut DSO gab es 2017 nur noch 797 Spender. Das war der niedrigste Stand seit 20 Jahren.

Das zeigt, dass Anstrengungen, die nur auf die Spendebereitschaft der Menschen abzielen, zu kurz greifen. Wir halten es deshalb für wichtig, in den Kliniken anzusetzen.

Wie kommt es denn, dass ausgerechnet in den Krankenhäusern das Thema Organspende nicht immer präsent ist?

In den letzten Jahren ist bei der Organisation der Organspenden bereits viel passiert: Es wurden Strukturen geschaffen, die der Manipulation vorbeugen und den Vergabeprozess transparenter machen. Was immer noch nicht gut genug funktioniert, ist, diejenigen zu stärken, die die schwerste Aufgabe in dem Prozess haben: die Klinikmitarbeiter, die das Thema Organspende in einer Krisensituation ansprechen müssen.

Wie es gehen kann, sehen wir in Spanien – Weltmeister in Sachen Organspende. Dort ist das Thema kein Tabu, die Menschen sind informiert. Sie vertrauen dem System, und die Kliniken sind gut organisiert.

In jedem Klinikum gibt es Transplantationsbeauftragte, die eigens für diese Aufgabe freigestellt sind. Sie sensibilisieren die Kollegen und unterstützen, wenn ein sterbender Patient als Organspender geeignet sein könnte. Sie sprechen mit Angehörigen, die in einer belastenden Trauersituation mit einem schwierigen Thema konfrontiert werden – wofür das Stationspersonal im Klinikalltag kaum Zeit und Ruhe finden kann. Genau diese Vorgehensweise brauchen wir auch.

Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass die Zahl der Organspenden erhöht werden soll und die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken eine zentrale Rolle einnehmen. Allerdings ist die Umsetzung auch Ländersache. Wie weit sind wir in Baden-Württemberg?

Das Landeskrankenhausgesetz wird gerade, auch in diesem Punkt, überarbeitet. Künftig soll es in jedem Entnahmekrankenhaus einen Transplantationsbeauftragten geben, der bestimmte Qualifikationen haben und regelmäßig weitergebildet werden muss. Er wird bei allen Entscheidungen, die die Organ- und Gewebespende betreffen, beteiligt.

Nach unserer Vorstellung sollte aber noch konkreter festgelegt werden, in welchem Umfang er für die Ausübung dieser wichtigen Tätigkeit freigestellt werden muss.

Damit keine Menschen mehr auf der Warteliste sterben, braucht das System wieder mehr Vertrauen, Transparenz und vor allem Botschafter, die sich in den Kliniken dafür einsetzen.