Am Anfang des Jahres war Covid-19 noch eine Infektionskrankheit in weiter Ferne. Doch als die Krankheit den Freistaat erreichte, war das Virus plötzlich ganz nah. Es gab Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverbote, Abstandsregeln. In den Kundenberatungen der TK waren persönliche Gespräche nur noch in begründeten Einzelfällen möglich. Der Kontakt zu den Versicherten fand bis Anfang Mai fast ausschließlich per Telefon und über die digitalen Kanäle statt. Die Einschränkungen waren auch für Menschen wie Stephan Schaller, der im Firmenkundenservice der TK in Bayern arbeitet, sehr ungewohnt. Er betreut Arbeitgeber und kümmert sich um deren Fragen zur Mitarbeitergesundheit und Krankenversicherung. "Eigentlich bin ich bei den Firmen vor Ort und betreue die Kunden persönlich", erklärt er. 

Kostenlose Webinare

Mit der Krise kamen viele neue Fragen zu Beiträgen, Personalengpässen und Lohnfortzahlung. Auch das war neu. Kurzfristig stellte die TK für Berater wie Stephan Schaller und seine Firmenkunden ein umfangreiches Infoportal und kostenlose Webinare sowie einen Kurzarbeitrechner  auf die Beine. Weil die Beantragung von Kurzarbeitergeld für Firmen beispielsweise sehr kompliziert ist, entschied sich die TK außerdem dazu, mit einem neuen System zu kooperieren: "UDO" auf http://www.kurzarbeit-einfach.de. "UDO" ist ein Chat-Bot, der Arbeitgeber leicht verständlich durch das Formular für die Anzeige zu Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit navigiert. "Dort wo eine Krankenkasse unterstützen kann, haben wir schnell geholfen. Das Feedback der Kunden war dementsprechend positiv", sagt der TK-Berater. 

Betriebliche Gesundheitsförderung wird digital

Auf digitale Lösungen setzte nicht nur Stephan Schaller. Martina Grenz berät Firmen zum Thema betriebliche Gesundheitsförderung.  Erst im Februar hatte sie in einem Münchner Software-Systemhaus mit mehr als 3.500 Beschäftigten einen Yoga-Präventionskurs vor Ort organisiert. Dann kamen die Beschränkungen durch Corona. Gemeinsam mit der Firmenansprechpartnerin und dem Kursanbieter machte sie aus dem Präsenzkurs einen Onlinekurs, der den Mitarbeitern im Firmenintranet zur Verfügung steht. "Bis Mitte April wurden etwa 700 Zugriffe auf das Angebot gezählt. Außerdem erhielten wir begeisterte Rückmeldungen aus der Belegschaft", so Grenz. "Auch wenn Gesundheitskurse nur einen Teil der betrieblichen Gesundheitsförderung ausmachen, zeigen die vielen positiven Rückmeldungen, dass gerade jetzt der Bedarf nach Bewegungs- und vor allem auch Entspannungsangeboten groß ist." 

Bei einer Ideenschmiede für Automativsysteme im Landkreis München stand durch Corona plötzlich das Thema gesundes Arbeiten im Homeoffice ganz oben auf der Liste der geplanten BGM-Maßnahmen. "Kurzfristig organisierten wir deshalb einen Online-Vortrag zur Rückengesundheit sowie einen dazu passenden Onlinepräventionskurs. Damit konnten wir auch die vielen Mitarbeiter im Homeoffice unterstützen", erklärt Grenz. Bis heute erreichen die TK-Präventionsexpertin Kommentare, wie "Weiter so! So geht modernes Gesundheitsmanagement".

Corona-Mal- und Bastelbuch

Geschlossene Kitas und Schulen stellten zahlreiche Eltern vor Herausforderungen: Kinder mussten daheim betreut und beschäftigt  werden. Eine kleine Idee, die große Begeisterung auslöste, ist das "Das-Mama-Papa-mir-ist-so-langweilig-TK-Mal-und-Rätselbuch", das die TK ihren Kunden digital zur Verfügung stellt. Darin finden Kinder Bastelanleitungen, Vorlagen zum Ausmalen, Yogaübungen und zahlreiche Tipps und Infos rund um das Corona-Virus. 

Während Familien im Homeoffice in der Corona-Phase mehr Zeit als sonst miteinander verbringen, hat das Virus für manche Alleinlebende und Menschen in Pflegeeinrichtungen die Isolation und Einsamkeit verstärkt. "Durch Social Distancing und Ausgangsbeschränkungen haben viele hautnah erlebt, wie sich Isolation und Einsamkeit anfühlt", sagt Dr. Doris Gebhard, die an der TU München zu Menschen mit Demenz und deren gesundheitlichen Bedürfnissen forscht. Vor der Corona-Krise setzte sie gemeinsam mit der TK in sechs bayerischen Pflegeheimen das Präventionsprojekt CaResource  um. Gebhard weiß um die psychischen Belastungen der Pflegebedürftigen, die Corona und das Besuchsverbot mit sich gebracht haben. Auch Gebhard musste die praktische Arbeit in den Heimen erst einmal unterbrechen. Sie hofft, dass sich das bald wieder ändert.

Isolation und Einsamkeit bei Pflegebedürftigen

"Was mich bei all dem positiv stimmt, ist, dass die Krise den öffentlichen Blick auf die Themen Isolation und Einsamkeit gerichtet hat. Die Bevölkerung versteht jetzt hoffentlich besser, was Pflegebedürftigen mit Demenz ohnehin häufig fehlt, nämlich ein soziales Netz und Freundschaften", berichtet die Wissenschaftlerin aus dem Homeoffice. 

Vor Herausforderungen wurden auch zahlreiche Selbsthilfegruppen gestellt, die ihre Mitglieder vor allem persönlich beraten und auf eigenen Veranstaltungen informieren. 1,6 Millionen Euro stehen dieses Jahr für die Selbsthilfeförderung in ganz Bayern zur Verfügung. Zahlreiche Projekte waren bereits geplant, als Corona das Land in den Stillstand versetzte. 

Stornogebühren werden erstattet

Die Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom LV Bayern e. V., einer seltenen genetisch-bedingten Entwicklungsstörung, hatte für betroffene Kinder und deren Eltern vier Veranstaltungen als Auszeit vom anstrengenden Alltag organisiert. Dort erlernen die Kinder mehr Selbstständigkeit und Eltern können sich untereinander austauschen und gemeinsam entspannen. Doch wegen Corona können nicht alle Termine durchgeführt werden, die Enttäuschung darüber ist groß. Auf den Kosten muss die Selbsthilfegruppe dennoch nicht sitzen bleiben. "Wir übernehmen im Rahmen der Selbsthilfeförderung auch die Stornogebühren, wenn die Seminare nicht stattfinden können", sagt Sabine Wagner-Rauh, die bei der TK in Bayern für die Selbsthilfe zuständig ist. 

Digitale Austauschmöglichkeiten

Andere Selbsthilfeverbände hatten sich bei ihren Projektanträgen für dieses Jahr bereits auf den digitalen Ausbau ihrer Beratungsleistung konzentriert - eine gute Idee, insbesondere auch in Zeiten von Kontaktverboten. So möchte der Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker auf seiner neuen Webseite zukünftig mehrere digitale Austauschmöglichkeiten anbieten. "Andere Gruppen setzen nun auf Videovorträge, die online abrufbar sind und damit unbeschränkt zur Verfügung stehen", sagt Wagner-Rauh. "Was im Rahmen der Projektarbeit von uns finanziert werden darf, können wir auch jetzt noch bewilligen, denn es stehen weiterhin Gelder zur Verfügung."

Trotz der Lockerungen haben viele Menschen noch ein unsicheres Gefühl. Welche Konsequenzen ergeben sich langfristig für die Wirtschaft und das Gesundheitssystem? Kommt es bald zu einer neuen Virus-Welle? Können wir uns jetzt schon sicher bewegen? Stephan Schaller erreichen viele persönliche E-Mails. Seine Kunden im Homeoffice sind froh, wenn sie ihren Sorgen Luft machen können. "Wir sind ein verlässlicher und flexibler Partner. Gerade jetzt merke ich, wie viel Vertrauen das bei den Kunden schafft", sagt er.