Am Anfang des Jahres 2020 war Covid-19 noch eine Infektionskrankheit in weiter Ferne. Doch als die Krankheit den Freistaat erreichte, war das Virus plötzlich ganz nah. Es gab Ausgangsbeschränkungen, Versammlungsverbote, Abstandsregeln. In den Kundenberatungen der TK waren persönliche Gespräche nur noch in begründeten Einzelfällen möglich. Der Kontakt zu den Versicherten fand fast ausschließlich per Telefon und über die digitalen Kanäle statt.

Die Einschränkungen waren auch für Menschen wie Stephan Schaller, der im Firmenkundenservice der TK in Bayern arbeitet, sehr ungewohnt. Er betreut Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und kümmert sich um deren Fragen zur Mitarbeitergesundheit und Krankenversicherung. "Eigentlich bin ich bei den Firmen vor Ort und betreue die Kundinnen und Kunden persönlich", erklärt er. 

Kostenlose Webinare

Mit der Krise kamen viele neue Fragen zu Beiträgen, Personalengpässen und Lohnfortzahlung. Auch das war neu. Dazu stellte die Arbeit im Homeoffice Führungskräfte und Personal vor neue Herausforderungen: Gesundheit am heimischen Arbeitsplatz, Führen auf Distanz, Homeoffice mit Kindern.

Kurzfristig stellte die TK für Berater wie Stephan Schaller und seine Firmenkundinnen und Firmenkunden daher ein umfangreiches Infoportal und kostenlose Webinare auf die Beine. "Wir waren Vorreiter bei der Umstellung auf digitale Angebote, dafür sind die Unternehmen bis heute dankbar", sagt Stephan Schaller. Der Überblick zeigt: Digitale Angebote boomen, viele Online-Seminare werden wiederholt, weil sie nach kurzer Zeit ausgebucht sind. 

Betriebliche Gesundheitsförderung wird digital

Auf digitale Lösungen setzte nicht nur Stephan Schaller. Martina Grenz berät Firmen zum Thema betriebliche Gesundheitsförderung . Kurzfristig wurden Präsenzkurse in Onlinekurse umgewandelt. "Auch wenn Gesundheitskurse nur einen Teil der betrieblichen Gesundheitsförderung ausmachen, zeigen die vielen positiven Rückmeldungen, dass gerade jetzt der Bedarf nach Bewegungs- und vor allem auch Entspannungsangeboten groß ist", sagt Grenz.

Dass die Corona-Pandemie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch psychisch belastet, bestätigt die Beraterin. "Das Thema Mental Health wurde wichtiger je länger die Pandemie andauerte. Bis heute beraten wir digital, verweisen auf unsere  e-Coaches , rufen Online-Seminare ins Leben und unterstützen die Betriebe, wo es nur geht." Das Feedback der Kundinnen und Kunden: "Weiter so! So geht modernes Gesundheitsmanagement".

Grenz: "Der Vorteil dieser digitalen Angebote ist auch, dass wir firmenübergreifend arbeiten können und natürlich auch insgesamt viel mehr Firmen erreichen." Im Rahmen der digitalen Gesundheitswoche Ende letzten Jahres konnten zum Beispiel Firmen aus Bayern 64 kostenfreie digitale Gesundheitsmaßnahmen kennenlernen. Darunter individuelle Gesundheits-Checks sowie Webinare und Online-Workshops aus den Themenbereichen Bewegung, Entspannung, Ergonomie und mentale Gesundheit.

Isolation und Einsamkeit bei Pflegebedürftigen

Während Familien im Homeoffice in der Corona-Phase mehr Zeit als sonst miteinander verbringen, hat das Virus für manche Alleinlebende und Menschen in Pflegeeinrichtungen die Isolation und Einsamkeit verstärkt. "Durch Social Distancing und Ausgangsbeschränkungen haben viele hautnah erlebt, wie sich Isolation und Einsamkeit anfühlt", sagt Dr. Doris Gebhard, die an der TU München zu Menschen mit Demenz und deren gesundheitlichen Bedürfnissen forscht.

Vor der Corona-Krise setzte sie gemeinsam mit der TK in sechs bayerischen Pflegeheimen das Präventionsprojekt CaResource  um. Gebhard weiß um die psychischen Belastungen der Pflegebedürftigen, die Corona und das Besuchsverbot mit sich gebracht haben. Auch Gebhard musste die praktische Arbeit in den Heimen erst einmal unterbrechen. Dafür wurde im Sommer 2021 das nachgeholt, was den Pflegebedürftigen besonders fehlte: Die soziale Interaktion .

"Was mich bei all dem positiv stimmt, ist, dass die Krise den öffentlichen Blick auf die Themen Isolation und Einsamkeit gerichtet hat. Die Bevölkerung versteht jetzt hoffentlich besser, was Pflegebedürftigen mit Demenz ohnehin häufig fehlt, nämlich ein soziales Netz und Freundschaften", berichtet die Wissenschaftlerin. 

Vor Herausforderungen wurden auch zahlreiche Selbsthilfegruppen gestellt, die ihre Mitglieder vor allem persönlich beraten und auf eigenen Veranstaltungen informieren. 1,6 Millionen Euro standen für die Selbsthilfeförderung in ganz Bayern zur Verfügung. Zahlreiche Projekte waren bereits geplant, als Corona das Land in den Stillstand versetzte. 

Stornogebühren werden erstattet

Die Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom LV Bayern e. V., einer seltenen genetisch-bedingten Entwicklungsstörung, hatte für betroffene Kinder und deren Eltern vier Veranstaltungen als Auszeit vom anstrengenden Alltag organisiert. Dort erlernen die Kinder mehr Selbstständigkeit und Eltern können sich untereinander austauschen und gemeinsam entspannen. Doch wegen Corona können nicht alle Termine durchgeführt werden, die Enttäuschung darüber war groß. Auf den Kosten musste die Selbsthilfegruppe dennoch nicht sitzen bleiben. "Wir übernahmen im Rahmen der Selbsthilfeförderung auch die Stornogebühren, wenn die Seminare nicht stattfinden konnten", sagt Sabine Wagner-Rauh, die bei der TK in Bayern für die Selbsthilfe zuständig ist. 

Digitale Austauschmöglichkeiten

Andere Selbsthilfeverbände hatten sich bei ihren Projektanträgen für dieses Jahr bereits auf den digitalen Ausbau ihrer Beratungsleistung konzentriert - eine gute Idee, insbesondere auch in Zeiten von Kontaktverboten. So bietet der Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker auf seiner neuen Webseite mehrere digitale Austauschmöglichkeiten an.

"Immer mehr Projekte widmen sich digitalen Angeboten, zum Beispiel um Mitgliederversammlungen hybrid oder online durchzuführen. Anstelle von Informationsständen in Fußgängerzonen werden Filme produziert, um Interessenten über Krankheiten zu informieren", sagt Wagner-Rauh. Wurde in 2019 erst ein digitales Selbsthilfe-Projekt bei der TK Landesvertretung beantragt, so waren es 2020 schon sechs und 2021 acht Projekte aus diesem Themenfeld.

Egal in welcher Form - die Menschen sehnen sich nach dem Kontakt und Austausch mit anderen Menschen. Nach zwei Jahren der Pandemie haben viele ein unsicheres Gefühl. Welche Konsequenzen ergeben sich langfristig für die Wirtschaft und das Gesundheitssystem? Stephan Schaller führt oft Gespräche, in denen seine Kundinnen und Kunden von persönlichen Ängsten und Nöten berichten. Sie sind froh, wenn sie ihren Sorgen Luft machen können. "Auch wenn alle froh sind, dass die Digitalisierung die Arbeit in vielen Branchen am Laufen hält, können die meisten es nicht erwarten, wenn persönliche Treffen und Seminare vor Ort wieder zur Normalität gehören."