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Valerie Blass

Es ist mehr als verständlich, dass Menschen sich wünschen, ein Krankenhaus im eigenen Wohnort oder zumindest in der näheren Umgebung zu haben. Steht eine Klinik mit dem dort vertretenen medizinischen Fachpersonal doch für das gute Gefühl, bei einem Unglück nicht alleine zu sein. Jemanden in der Nähe zu haben, der sich schnell und professionell um Kopfverletzungen, gebrochene Knochen, einen Kreislaufkollaps oder Herzinfarkt kümmert. Doch dieses Gefühl ist trügerisch. Längst ist bekannt, dass die nächstgelegene Klinik nicht automatisch die beste ist. Vor allem komplexe Fälle sind in einer großen, spezialisierten Einheit, an der die Ärzte viel Routine haben, oft besser aufgehoben als im Krankenhaus mit breitem Portfolio und geringen Fallzahlen. Und diese Erkenntnis ist längst bei den Bürgern angekommen.

So zeigen Studien regelmäßig, dass Patienten für planbare Eingriffe lieber eine ausgewiesene Fachklinik ansteuern, als sich im Allgemeinkrankenhaus mit breitem Bauchladen behandeln zu lassen. Auch was die Bewertung von Klinikaufenthalt und Behandlungsqualität angeht, schneiden Fachkliniken in der Regel deutlich besser ab, als Allgemeinkrankenhäuser - das zeigt auch der jüngste TK-Klinikreport. 

Ein weiteres Problem, gerade an kleinen Häusern: Gutes Personal ist schwer zu finden. Für ambitionierte Ärzte oder Pflegekräfte scheinen die Arbeitsbedingungen an großen Einheiten wegen besserer Medizintechnik und Ausbildungsmöglichkeiten deutlich  attraktiver. Auch um die knappe Ressource Mensch effektiv einzusetzen, ist eine Konzentration auf weniger Kliniken nötig. Deshalb sichert die von der baden-württembergischen Landespolitik forcierte Schließung kleiner Häuser langfristig die Qualität der Versorgung insgesamt. Die Frage ist, wie trotzdem gewährleistet werden kann, dass die Bevölkerung im ländlichen Raum auch ohne das kleine Krankenhaus gut versorgt ist. Und da verstellt das krampfhafte Festhalten an althergebrachten Strukturen manchmal den Blick für alternative Lösungen.

Das kann man aktuell an den Klinik-Baustellen in der Region Heilbronn und im Hohenlohekreis beobachten. In Möckmühl, wo die SLK-Kliniken ihr kleines Allgemeinkrankenhaus schließen wollen, poppt plötzlich der Vorschlag auf, eine private Fachklinik könnte sich stattdessen am Standort niederlassen. Die politisch Verantwortlichen sagen allerdings nicht dazu, dass damit wohl kaum die Versorgung in ihrer bisherigen Form gesichert wäre. In einer solchen Klinik werden einbestellte (externe) Patienten behandelt. Die Basisversorgung der örtlichen Bevölkerung ist dort sicher nicht das Kernthema. Oder Künzelsau: Selbst wenn es dem Hohenloher Krankenhaus gelingen sollte, einen schonenden Holdingwechsel weg von der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken (RGHF) zu vollziehen und einen neuen Verbund-Partner zu finden, wären damit die Probleme nicht verschwunden. Ein kleines Krankenhaus mit diesem Portfolio ist weder finanziell noch medizinisch überlebensfähig.

Doch weil Klinik-Schließungen stets von großem Unmut begleitet werden, lavieren Kommunalpolitiker lieber, statt den Menschen ehrlich zu sagen, dass ihr Krankenhaus keine Zukunft haben wird. Es werden fadenscheinige Versuche zur Rettung unternommen, die im Sande verlaufen, wenn der Sturm der öffentlichen Entrüstung nicht mehr gar zu laut tobt. Vor lauter Aktionismus wird jedoch vernachlässigt, was langfristig mehr Erfolg versprechen würde: Etwa die Bedingungen für niedergelassene Ärzte vor Ort so attraktiv zu machen, dass sie gern in eine Gemeinde kommen oder dort bleiben wollen. Anreize für die Gründung von Ärztezentren mit mehreren Fachdisziplinen unter einem Dach zu schaffen. Zu prüfen, in welchen Fällen die Telemedizin den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt  sinnvoll ergänzen kann. Das kleine Krankenhaus wird langfristig bei der Versorgung der Bevölkerung in den meisten ländlichen Gegenden im Südwesten keine Rolle mehr spielen. Auch wenn diese Erkenntnis bitter ist.

Valerie Blass (42) ist Politikredakteurin bei der Heilbronner Stimme und dort unter anderem zuständig für die Themen Gesundheitspolitik und Medizin. Sie war zuvor Sprecherin eines Klinikverbunds.