Wie viele Ärzte Thüringen braucht, regelt die Bedarfsplanung. Gremien der gemeinsamen Selbstverwaltung aus der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen und den Krankenkassen entscheiden über Zulassungen.

Damit sich Hausärzte nicht nur in attraktiven Ballungszentren niederlassen, sondern auch ländliche Gebiete versorgt sind, bestimmt die Selbstverwaltung für 37 Planungsbereiche jeweils, wo wie viele Hausärzte zugelassen werden. Für Thüringen sieht die Bedarfsplanung 1.365,5 Hausärzte vor, die Verteilung richtet sich nach der Einwohnerzahl der jeweiligen Planungsbereiche.

So sind zum Beispiel für die Stadt Erfurt 129,5 Hausärzte einkalkuliert, für Eisenberg hingegen nur 15. Von einem Ärztemangel kann - zumindest auf dem Papier - nur dort gesprochen werden, wo die tatsächliche Anzahl der Ärzte die geplante Anzahl unterschreitet. In Thüringen liegt der hausärztliche Versorgungsgrad nur in fünf Planungsbereichen (Bad Lobenstein, Gera-Land, Meiningen, Schmölln/Gösnitz und Sondershausen) unter 100 Prozent. In diesen unterversorgten Gebieten gibt es derzeit insgesamt 37,5 freie Hausarztstellen. Zum Vergleich: Im Januar 2018 waren es noch 52,5 unbesetzte Hausarztstellen.

Die mitteldeutschen Bundesländer im Vergleich

Die Lage der ärztlichen Versorgung in Thüringen ist als gut einzuschätzen, das wird im Vergleich mit den Zahlen aus Sachsen-Anhalt und Sachsen deutlich.

In Sachsen-Anhalt droht ein massiver Mangel an Hausärzten. Nach Angaben der dortigen KV sind circa 140 Hausarztsitze nicht besetzt, in den vergangenen Jahren konnten nur etwa zwei Drittel aller hausärztlichen Praxen nachbesetzt werden. Bis 2032 werden - Prognosen der KV Sachen-Anhalt zufolge - landesweit 262 Allgemeinmediziner fehlen, bei bestimmten Facharztgruppen sieht es nicht viel besser aus. Die Altersstruktur trägt maßgeblich zur Problematik bei: Fast jeder sechste Hausarzt ist bereits älter als 65 Jahre. Ende 2025 wird voraussichtlich fast die Hälfte der Mediziner dieses Alter erreicht haben.

Auch in Sachsen ist die Versorgungslage, zumindest auf dem Papier, schlechter als in Thüringen. Wie die KV Sachsen mitteilt, sind dort derzeit rund 245 Hausarztstellen offen. Und das, obwohl Sachsen etwa über die gleiche Anzahl an Medizinstudienplätzen je Einwohner verfügt wie Thüringen.

Die Vermutung liegt nahe, dass sich die Anzahl von Medizinstudienplätzen allein kaum auf den Grad der ärztlichen Versorgung auswirkt. Zudem zeigen sich die Auswirkungen des demografischen Wandels auch in Sachsen: Von den gut 2.600 praktizierenden Hausärzten sind 28 Prozent schon über 60 Jahre alt.

Wieso ist Thüringen attraktiv für Ärzte?

Zum einen ist Thüringen aus finanzieller Sicht ein lohnenswerter Standort für Ärzte. Seit der Honorarreform im Jahr 2009 verdienen Thüringer Hausärzte im Bundesvergleich sehr ordentlich.

Auch der aktuelle Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigt: Thüringens Ärzte und Psychotherapeuten führen die Liste der Honorargewinner mit rund vier Prozent Zuwachs im letzten Quartal 2016 an. Noch besser stehen Thüringens Hausärzte da. Der Honorarumsatz je Hausarzt lag im vierten Quartal 2016 bei etwa 70.000 Euro, ein Plus von 5,3 Prozent. Zum Vergleich: In Sachsen beträgt das Plus in der hausärztlichen Versorgung ein Prozent, in Bayern ist der Trend negativ (-1 Prozent).

Fördermaßnahmen für den Nachwuchs

Davon unabhängig wird im Freistaat einiges unternommen, um den Medizinernachwuchs für die Hausarzt-Tätigkeit zu gewinnen. Im Jahr 2009 haben der Freistaat Thüringen und die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen gemeinsam die Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung in Thüringen gegründet. Sie verfügt über ein umfangreiches Portfolio von Fördermaßnahmen. Famulatur-Abschnitte und das Praktische Jahr der Ausbildung können mit 250 Euro monatlich unterstützt werden.

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Auch über das Thüringen-Stipendium erhalten Ärzte in Weiterbildung finanzielle Unterstützung, wenn sie sich in den Bereichen Innere Medizin, Allgemeinmedizin oder Augenheilkunde ausbilden lassen und für die Zeit nach ihrer Ausbildung an Thüringen binden.

Bis zu 250 Euro monatlich für maximal 60 Monate bekommen die Stipendiaten, wenn sie nach der Weiterbildung für die Dauer von mindestens vier Jahren als Arzt an der vertragsärztlichen Versorgung in Thüringen teilnehmen.

Niederlassungs-Fahrschule

Zudem können Berufseinsteiger per "Niederlassungs-Fahrschule" zunächst als Angestellte in den Praxen arbeiten, die sie später selbst übernehmen sollen beziehungsweise können. Ärzte, die eine Praxis im ländlichen Raum (Gemeinden mit weniger als 25.000 Einwohnern) gründen oder übernehmen und dort mindestens 60 Monate praktizieren, können finanzielle Hilfen bis zu 20.000 Euro beantragen.

Ärztescout

Außerdem sei noch der Thüringer Ärztescout als ein Instrument genannt, das Interessenten frühzeitig über Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten informiert und Wege in die ambulante Tätigkeit als Arzt in Thüringen zeigt. Das Projekt mit Sitz am Studiendekanat des Universitätsklinikums Jena läuft seit Januar 2015 und wird gemeinsam von mehreren Partnern, darunter die KV Thüringen, die Landesärztekammer, verschiedene Krankenkassen und das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, angeboten.

Nicht zuletzt profitieren Thüringer Hausärzte in der täglichen Praxis auch von überdurchschnittlich vielen Praxisassistenten und großzügigen Regelungen bei der Budgetkontrolle.

Nicht locker lassen

Die Daten bescheinigen Thüringen eine vergleichsweise gute Versorgungssituation, trotzdem sieht die Realität teilweise anders aus. Es sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass neben der Anzahl der Ärzte weitere Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehört zum Beispiel, welches Leistungsspektrum Ärzte anbieten und wie sie die Kapazitäten für
Routineuntersuchungen, Operationen und Notfälle verteilen.

Mit Blick auf die Zukunft ist auch in Thüringen die Altersstruktur bedeutend: Über die Hälfte der aktuell hier praktizierenden Hausärzte ist über 55 Jahre alt. Allein deshalb ist es wichtig, auch in Zukunft dafür zu sorgen, dass Thüringen ein attraktiver Standort für Ärzte bleibt. Die vorhandenen Instrumente sollten beibehalten und sinnvoll ergänzt werden, um auch zukünftig eine flächendeckende ärztliche Versorgung inklusive wohnortnaher Primärversorgung gewährleisten zu können.

Hinweis für die Redaktion

Die Zahlen zum ärztlichen Versorgungsstand in Thüringen stammen aus der aktuellen Versorgungsgradfeststellung der KV Thüringen vom 8. Januar 2019.