Die aktuelle Versorgungsstruktur im ambulanten ärztlichen Bereich ist durch starke Disparitäten gekennzeichnet: In Ballungszentren wird oftmals eine Überversorgung insbesondere im fachärztlichen Bereich verzeichnet.

Dagegen zeigt sich in der hausärztlichen Versorgung in einzelnen Planungsbereichen bereits heute eine Unterversorgung.  Diese wird vor allem aufgrund der Altersstruktur der praktizierenden Ärzte in einem mittelfristigen Zeithorizont in größerem Umfang erwartet (drohende Unterversorgung).

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Frank Rösler

Dabei kann keine Rede davon sein, dass in Deutschland und in Bayern insgesamt zu wenig Ärzte tätig seien - allein im Zeitraum 2010 bis 2017 ist die Anzahl aller vertragsärztlich tätigen Ärzte und Psychotherapeuten bundesweit um 14 Prozent von 155.780 auf 172.647 gestiegen.

Unzureichend regional verteilte Ärzte

 Das Hauptproblem liegt vielmehr in der unzureichenden regionalen Verteilung und einem dadurch bedingten Mangel an Ärzten (vornehmlich Hausärzten) in einigen ländlichen Regionen. Vor dem Hintergrund der aktuellen wie perspektivisch rechtlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz, wird ein Abbau von Überversorgung allerdings nur sehr langfristig und höchstens in kleinen Schritten möglich sein.

Solange diese Situation vorherrscht, geht das Niederlassungsverhalten deutlich zu Ungunsten der Randgebiete aus. Die mangelnde Attraktivität der Niederlassung in ländlichen Regionen ist durch eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Faktoren bedingt, die nur teilweise von den gesundheitspolitischen Akteuren beeinflussbar sind.

Praxen in überversorgten Regionen müssen aufgekauft werden

Daher müssen die Möglichkeiten genutzt werden, die langfristig das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land, aber auch zwischen fach- und hausärztlicher Versorgung beseitigen: In überversorgten Regionen dürfen Praxen nicht nachbesetzt werden und müssen stattdessen von der KV aufgekauft werden.

Neben diesen strukturellen Veränderungen der ärztlichen Leistungserbringung ist zusätzlich an finanzielle Anreize zu denken. Die Einkommenssituation der Hausärzte hat sich in den zurückliegenden Jahren deutlich verbessert. Dennoch wird es für die Vertragsärzte, die überdurchschnittliche Fallzahlen aufweisen dürften, weil sie in einem (drohend) unterversorgten Planungsbereich tätig werden, besonders ernüchternd sein, wenn die abgerechneten Leistungsvolumina aufgrund von Honorarverteilungsmechanismen gekappt werden.

Vertragsärztliche Leistungen ohne Mengenbegrenzung einzeln vergüten

Aus Sicht potenziell niederlassungswilliger Ärzte sollte sich ein gegebenenfalls erwartetes überdurchschnittliches Arbeitsaufkommen zumindest auch in einer überdurchschnittlichen Honorierung niederschlagen.

Ein deutliches Signal zur Förderung der Niederlassung in unterversorgten bzw. von Unterversorgung bedrohten Planungsbereichen und Arztgruppen wäre es, wenn für diese die Honorarverteilung ausgesetzt und ihre erbrachten vertragsärztlichen Leistungen ohne Mengenbegrenzung als Einzelleistungsvergütung nach dem EBM vergütet würden. Für bestimmte Landärzte sollte also die Budgetierung entfallen.

Darüber hinaus könnten erforderlichenfalls auch noch Punktwertzuschläge gezahlt werden  - so wie im Referentenentwurf Terminservice- und Versorgungsgesetz als sogenannte Sicherstellungszuschläge vorgesehen.

Diskussionen um fehlende Landärzte endlich beenden

Insgesamt wird sich die bayerische Regierung auch in Zukunft intensiv mit Ärzteverteilung auf dem Land und in den Städten auseinandersetzen müssen. Die unaufhaltsame Digitalisierung der Versorgung wird langfristig entscheidende Veränderungen mit sich bringen, jedoch keine Komplettlösung für das Problem bieten.

Die oben genannten kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen sollten daher dringend realisiert werden. Dann wären die unendlichen Diskussionen um den "fehlenden Landarzt" endlich beendet.