Saarbrücken, 15. Oktober 2018. Noch ist es angenehm warm im Saarland, doch die nächste Grippesaison steht schon vor der Tür. Wenn die Wartezimmer wieder vor Menschen mit Schnupfnase überlaufen, werden auch immer wieder Antibiotika verschrieben. Dabei wirken die nur bei Bakterien und nicht bei Viren, die die meisten Erkältungen mit Symptomen wie Husten und Schnupfen hervorrufen. Besonders bei Ärzten im Saarland ist das beliebt. Zwar gingen die Zahlen seit 2014 um zehn Prozent zurück, doch auch 2017 bekam noch jeder dritte Saarländer mit Erkältung Antibiotika verordnet. Das ist bundesweit mit Abstand der größte Wert, wie aus dem diesjährigen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht. Bundesweit lag der Wert bei 24,4 Prozent. Den geringsten Anteil gab es in Berlin mit 19,4 Prozent.

"Der deutliche Rückgang ist ein erster Schritt in die richtige Richtung", sagt Stefan Groh, Leiter der TK-Landesvertretung im Saarland. "Wir müssen uns aber auch künftig darum bemühen, die Verschreibungen von Antibiotika weiter zu senken." Oberste Priorität hat die Aufklärung, damit die Medikamente nur in den Fällen verordnet werden, in denen es medizinisch auch wirklich notwendig ist. Denn dann "sind Antibiotika ein wichtiges Mittel der modernen Medizin. Allerdings muss man auch beachten, dass sich durch den Einsatz von Antibiotika immer mehr multiresistente Keime bilden, die nicht mehr von Antibiotika angegriffen werden", sagt Groh und ergänzt: "Daher ist der bedachte Einsatz umso wichtiger."

Mit "RESIST" unnötige Verordnungen vermeiden

Die TK beteiligt sich deshalb - unter anderem auch im Saarland - an dem Projekt "RESIST". Das Ziel ist, unnötige Antibiotikaverordnungen bei Atemwegserkrankungen zu vermeiden. Ärzte und auch Patienten sollen für das Thema sensibilisiert werden - zum Beispiel steht ein Instrumentenkoffer mit Entscheidungshilfen zur Verfügung. Die Mediziner können an einem Onlinetraining teilnehmen und ihr Verordnungsverhalten hinterfragen. Und sie bekommen Informationsmaterial an die Hand, um ihren Patienten die Entscheidung für oder gegen ein Antibiotikum zu erklären. Denn häufig erwarten Patienten ein Rezept für ein Medikament, wenn sie zum Arzt gehen.

Dass der Kampf gegen die multiresistente Keime eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft ist, signalisiert auch die Bundesregierung. Das Kabinett um Bundeskanzlerin Angela Merkel macht sich mit der "Deutschen Antibiotika-Resistenz-Strategie" ebenfalls für einen sachgerechten Umgang mit den Medikamenten stark. Außerdem soll mit der Strategie auch die Erforschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe weiter vorangetrieben werden.

Hinweis an die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2018 hat die TK unter anderem die Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Außerdem finden Sie auf dem Portal der TK Informationen zu multiresistenten Erregern .