Mainz, 18. Juni 2019. Bei der Techniker Krankenkasse (TK) in Rheinland-Pfalz meldeten sich im vergangenen Jahr 287 Versicherte mit dem Verdacht, dass bei ihnen ein ärztlicher Behandlungsfehler unterlaufen sei. Wie die TK-Landesvertretung mitteilt, sind das rund 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor (254), als die Zahlen auch schon bereits um 18 Prozent im Vergleich zu 2016 angestiegen waren. Die meisten Verdachtsfälle im Land betreffen den chirurgischen Bereich (78 Fälle) sowie die Fachrichtungen Zahnmedizin (40), Allgemeinmedizin (28) und Orthopädie (17). Ungefähr bei jedem dritten Fall bestätigt sich der Verdacht im Lauf der Überprüfung. Die TK geht zusätzlich zu den gemeldeten Fällen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Tatsächlicher Fehler oder schicksalhafter Krankheitsverlauf? 

Bundesweit wandten sich 6.000 Versicherte mit einem vermuteten Behandlungsfehler an die TK. "Oftmals ist es für Patienten oder ihre Angehörige schwer zu beurteilen, ob es sich um einen tatsächlichen Fehler der Ärzte oder der Pflegekräfte handelt oder um einen schicksalhaften Krankheitsverlauf. Viele Versicherte wissen gar nicht, dass ihre Krankenkasse ihnen beim Kampf um ihr Recht helfen kann", sagt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz. Die Krankenversicherung könne beispielsweise beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) für den Versicherten kostenfreie Gutachten in Auftrag geben, die der Versicherte später für seine juristische Auseinandersetzung nutzen kann.

Klärung ist komplex und zeitaufwendig

Das Klären von Behandlungsfehler-Vorwürfen ist in der Regel ein zeitaufwändiges, komplexes und oft auch schwieriges Verfahren. In den meisten Fällen ist es - aufgrund der aktuellen Gesetzeslage in Deutschland - der Patient, der beweisen muss, dass Ärzte oder Pfleger schuldhaft gegen die anerkannten Regeln verstoßen haben. "Wir brauchen dringend patientenfreundlichere Gesetze“, fordert Jörn Simon. Zudem müssten aus Sicht der TK die Verfahren viel schneller entschieden und die Betroffenen frühzeitig entschädigt werden, da in schweren Fällen Versicherte nach einem Behandlungsfehler oftmals berufsunfähig und dadurch in ihrer finanziellen Existenz bedroht sind.

Beratungshotline der TK

Die TK unterstützt Patienten, die einen Behandlungsfehler vermuten, mit einer Beratungshotline (Telefon 040 - 4606612140), einem Online-Lotsen unter www.tk.de und einer Beratungsbroschüre . Die Erfolgschancen sind umso besser, je genauer der Krankheitsverlauf dokumentiert wird. Betroffene sollten daher zeitnah ein Gedächtnisprotokoll des Behandlungsablaufs und der beteiligten Ärzte und Pfleger erstellen und sich im nächsten Schritt an ihre Kasse wenden.