Stuttgart, 25. März 2022. Die Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg hat bei ihren Versicherten einen leichten Rückgang bei den Behandlungsfehlern verzeichnet. 552 Versicherte haben sich 2021 an die Kasse gewendet, weil sie bei sich eine ärztliche Fehlbehandlung vermuteten, teilte die TK mit. Das sind gut fünf Prozent weniger Fälle als im Vorpandemiejahr 2019, in dem 584 Beschwerden eingingen. 

Fast ein Drittel der Fehler bei chirurgischen Eingriffen

Bundesweit meldeten im letzten Jahr 5.981 Patientinnen und Patienten ihren Verdacht bei der TK. Die meisten Beschwerden gab es über Behandlungen beim Chirurgen (30 Prozent der Verdachtsfälle). Danach folgten Zahnärzte (17 Prozent), Allgemeinmediziner (10 Prozent) und Geburtshilfe sowie Gynäkologie (10 Prozent). 

Jeder dritte Verdachtsfall wird weiterverfolgt

Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung, betont, dass sich nicht jeder Verdachtsfall im Laufe der Überprüfung bestätigt: "Es ist oft schwer einzuschätzen, ob ein Krankheitsverlauf schicksalhaft, oder auf einen Fehler bei der Behandlung zurückzuführen ist." Etwa bei jedem dritten Fall erhärte sich im Laufe des Gesprächs und der späteren Überprüfung die Hinweise. Gleichzeitig geht die TK davon aus, dass es noch eine hohe Dunkelziffer an unentdeckten Behandlungsfehlern gibt. "Viele Versicherte kommen gar nicht auf die Idee, sich bei der Krankenkasse zu melden und sich Hilfe zu holen", so die TK-Leiterin. 

Krankenkasse kann unterstützen

Betroffene Versicherte sollten sich nicht scheuen, ihre Krankenkasse anzusprechen, um Vorwürfe im Zusammenhang mit vermuteten Behandlungsfehlern zu klären. "Wir können beispielsweise beim Medizinischen Dienst (MD) für Betroffene kostenfreie Gutachten in Auftrag geben, die der Versicherte später für seine juristische Auseinandersetzung nutzen kann", erklärt Mussa. Je besser die Krankengeschichte dokumentiert ist, desto höher sind die Aussichten auf Erfolg. Patientinnen und Patienten sollten deshalb in einem Gedächtnisprotokoll festhalten, wie die Behandlung ablief und welche Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegende beteiligt waren. Hier sieht die TK-Leiterin eine Chance der Digitalisierung: "Die elektronische Gesundheitsakte kann für den Nachweis durch die Betroffenen künftig sicherlich eine wertvolle Hilfe sein."

Mehr Tempo bei Verfahren wünschenswert

Das Klären von Behandlungsfehler-Vorwürfen ist in der Regel ein zeitaufwändiges, komplexes und oft auch schwieriges Verfahren. Alleine von der Anforderung aller notwendigen medizinischen Unterlagen bis zum Erstellen eines erforderlichen Gutachtens können mehrere Monate verstreichen. Häufig müssen die Betroffenen mehrere Jahre warten, bis klar ist, ob sie Schadenersatz erhalten. Aus Sicht der TK müssten die Verfahren viel schneller abgewickelt und die Betroffenen frühzeitig entschädigt werden, da in schweren Fällen Versicherte nach einem Behandlungsfehler oftmals berufsunfähig und dadurch in ihrer finanziellen Existenz bedroht sind.

Die TK unterstützt ihre Versicherten mit einer Beratungshotline (040 - 46 06 61 21 40), einem Online-Lotsen und einer Beratungsbroschüre.