Frankfurt am Main, 20. Mai 2021. Ab sofort können Patientinnen und Patienten auf einer Online-Plattform ihre positiven und negativen Behandlungserfahrungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie teilen. Die Ereignismelde- und Lernplattform "CIRS Health Care" wurde im April 2020 in einer Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) zunächst für die Beschäftigten in Krankenhäusern eingerichtet und jetzt auch für Patientinnen und Patienten geöffnet. Ziel des Projekts ist es, den Erfahrungsaustausch in der Situation der Pandemie zu fördern, Fehler zu erkennen, künftig zu vermeiden und damit die Patientensicherheit zu erhöhen. Alle Berichte werden vor der Veröffentlichung anonymisiert, um auszuschließen, dass beteiligte Personen und Institutionen identifiziert werden können.  

So berichten auf der Online-Plattform beispielsweise Angehörige, dass sie einen hochbetagten, schwerkranken Patienten in der Pandemie beim Arztbesuch nicht begleiten durften. In der Folge haben wichtige Informationen über eine fortgeschrittene Krebsdiagnose den Patienten und dessen Familie erst Tage später erreicht. Ein anderes Beispiel beschreibt, dass in einer Klinik eine Türe, die zum Raucherbereich im Freien führt, mit einem Keil offengehalten wurde, wodurch eine Zugangslücke ins Krankenhaus entstand. 

Wertvolle Erfahrungen

"Wir möchten jeden und jede Einzelne ermutigen, ihre Behandlungserfahrungen in der Corona-Pandemie mitzuteilen. Gerade Patientinnen und Patienten können aus ihrer besonderen Perspektive wertvolle Hinweise zu kritischen Vorfällen und positiven Erfahrungen geben, von denen das medizinische Personal sonst vermutlich nicht erfahren hätte. Dass das Berichtssystem in digitaler Form zur Verfügung steht, erleichtert es, die eigenen Beobachtungen und Erlebnisse unkompliziert zu berichten", sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.  

Speziell geschulte und erfahrene Patientensicherheits-Experten analysieren alle online eingereichten Beiträge, werten sie aus und erarbeiten zu jedem einzelnen Bericht Empfehlungen, damit andere Arztpraxen und Kliniken, aber auch Patientinnen und Patienten aus den Ereignissen lernen können. Daher können alle anonymisiert veröffentlichten Erfahrungsberichte gemeinsam mit den Empfehlungen online nachgelesen werden. So wollen die Kooperationspartner konstruktiv Verbesserungsprozesse anstoßen und die Patientensicherheit erhöhen. 

So geben die Experten im oben geschilderten Fall beispielsweise den Rat an das medizinische Personal, mit viel Fingerspitzengefühl zu prüfen, auf welche Weise schwerkranke oder hochbetagte Patienten trotz der Zutritts- und Kontaktbeschränkungen im Krankenhaus von ihren Angehörigen begleitet und unterstützt werden können. Den Angehörigen wird empfohlen, die Kontaktdaten der ärztlichen Ansprechpartner einzufordern und um ein persönliches Gespräch zu bitten, das ggf. auch telefonisch stattfinden kann. Im Fall der offenen Außentüre zum Raucherbereich weisen die Experten darauf hin, wie wichtig es ist, dass alle Mitarbeitenden mit offenen Augen durch das Haus gehen, um so für Zugangssicherheit zu sorgen.  

Unverzichtbare Patientenperspektive

"Die Erfahrungen und Wahrnehmungen von Patientinnen und Patienten im Rahmen einer medizinischen Behandlung und deren Auswirkungen auf das persönliche Befinden und ihre Lebensqualität sind unverzichtbare Informationen für alle beteiligten Berufsgruppen in den Praxen und Krankenhäusern. Die Patientinnen und Patienten ermöglichen dem medizinischen Personal mit dieser Rückmeldung, Risiken, aber oft auch Kommunikationsdefizite zu erkennen. So können Fehlerquellen effektiv beseitigt und die Patientinnen und Patienten noch sicherer versorgt werden“, sagt Dr. Kyra Schneider, Patientensicherheitsbeauftragte und Leiterin der Stabsstelle Patientensicherheit und Qualität am Universitätsklinikum Frankfurt. 

Plattform für Patienten geöffnet

"Die Patientinnen und Patienten bringen ihre Erfahrungen aus dem Behandlungsalltag ein und berichten aus erster Hand, wo ihnen der Schuh drückt, damit aus Fehlern gelernt werden kann. Unser Anliegen ist es aber auch, für besonders gute Lösungen und Konzepte zu werben", sagt Hardy Müller, Beauftragter der TK für Patientensicherheit. Er begrüßt daher, dass es auf der Plattform auch erste Berichte gibt, die besonders gute, nachahmenswerte Erfahrungen beschreiben. So berichtet ein Patient beispielsweise von einem vorbildlichen Hygienekonzept in einer Praxis für Kardiologie.  

Hintergrund

Die CIRS HealthCare-Plattform ist unter https://www.cirs-health-care.de/covid-19-cirs abrufbar. Kooperationspartner der digitalen Plattform sind neben der Techniker Krankenkasse das Institut für Patientensicherheit und Teamtraining InPASS der Firma Inworks GmbH, die Gesellschaft für Risikoberatung mbH und das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. Unter dem Navigationspunkt "Berichten für Versicherte" können Patienten ihre Erfahrungen mitteilen und alle bisher veröffentlichten Erfahrungen mitsamt der dazugehörigen Empfehlungen nachlesen.