Mainz, 8. Juni 2021. Der Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 stellte das Gesundheitssystem von jetzt auf gleich vor viele Herausforderungen. So mussten Krankenhäuser und Arztpraxen sich etwa auf strenge Zugangs- und Kontaktregeln, die veränderte Kommunikation mit Patientinnen und Patienten und Angehörigen sowie auf verschärfte Hygienemaßnahmen einstellen. Mittlerweile gibt es nicht nur mehr Erkenntnisse über die Erkrankung COVID-19, sondern auch über Behandlungs- und Arbeitsabläufe während der Pandemie. Dazu trägt die Melde- und Lernplattform "COVID-19 CIRS" bei, die in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) entwickelt wurde.

Patientinnen und Patienten melden Behandlungserfahrungen

Sogenannte CIRS (Critical Incident Reporting Systems) sind im Gesundheitswesen weit verbreitet und dienen der anonymen Meldung von kritischen Ereignissen und Beinahe-Fehlern. Ihr Ziel ist es, Fehler zu erkennen, künftig zu vermeiden und somit die Patientensicherheit zu fördern.

Das COVID-19-CIRS widmet sich speziell den Behandlungserfahrungen während der Corona-Pandemie. Die Online-Plattform wurde mit Unterstützung der TK im April 2020 zunächst für die Beschäftigten in Krankenhäusern eingerichtet. Inzwischen können auch Patientinnen und Patienten ihre positiven und negativen Erfahrungen mitteilen. 
"Um die Patientensicherheit während der Pandemie zu verbessern, ist die Perspektive der Betroffenen selbst unverzichtbar", meint Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz. "Patientinnen und Patienten können auf Vorfälle oder Probleme hinweisen, die dem medizinischen Personal womöglich entgangen wären. Mit ihrer Rückmeldung unterstützen sie Praxen und Krankenhäuser somit dabei, ihre Versorgungs- und Behandlungsabläufe sicherer zu gestalten."

Empfehlungen und Tipps für Versicherte 

Jeder Bericht wird von ausgebildeten Patientensicherheits-Experten einzeln geprüft und beantwortet. Beispielsweise meldeten mehrere Nutzerinnen und Nutzer, dass Abstrichstäbchen beim Corona-Test im Mund-Rachen-Raum abgebrochen sind. Die Experten gaben den Rat, den Abstrich nur ohne Gegendruck durchzuführen und das Problem zusätzlich dem Hersteller zu melden, um einen Produktfehler auszuschließen. Auf Basis der Meldungen stellen die Experten außerdem regelmäßig neue "Tipps für Versicherte" zur Verfügung, beispielsweise zur Nutzung von FFP2-Masken oder dem Umgang mit Demenz und Corona.

Kaum Bedenken, medizinische Einrichtungen aufzusuchen

"Patientensicherheit ist uns nicht erst seit der Pandemie ein wichtiges Anliegen", so Simon. "Die TK ist die erste Krankenkasse in Deutschland, die einen Beauftragten für Patientensicherheit ernannt hat und ihre Versicherten mit Angeboten zur Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz unterstützt. Darüber hinaus führen wir regelmäßig bundesweite Befragungen durch, um zu erfassen, wie die Patientinnen und Patienten selbst ihre Sicherheit im Gesundheitswesen wahrnehmen."

Die zweite Erhebung des TK-Monitors zur Patientensicherheit wurde im August 2020 durchgeführt und widmete sich schwerpunktmäßig der Corona-Pandemie. Dabei zeigte sich unter anderem, dass fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten generell Angst davor hatte, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Trotzdem äußerten die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine Bedenken, medizinische Einrichtungen aufzusuchen. So fürchteten sich nur knapp drei Prozent sehr vor einem Besuch in der Haus- oder Facharztpraxis. Lediglich bei Krankenhausbehandlungen hatten 16 Prozent der Befragten große Bedenken.

Mehr als ein Drittel (35 Prozent) berichtete zudem von abgesagten oder verschobenen Behandlungen aufgrund der Corona-Situation. Fast zwei Drittel (64 Prozent) aller Absagen erfolgten jedoch durch die Leistungserbringer. Sagten die Patientinnen und Patienten die Behandlungen selbst ab, war in 70 Prozent aller Fälle die Angst vor der Ansteckung der ausschlaggebende Grund. 38 Prozent der Befragten gaben außerdem an, Behandlungen abgesagt zu haben, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Die Angst vor schlechter Behandlung spielte nur in fünf Prozent der Fälle eine Rolle.

Hintergrund

Das COVID-19-CIRS ist unter https://www.cirs-health-care.de/covid-19-cirs abrufbar. Kooperationspartner sind neben der Techniker Krankenkasse das Institut für Patientensicherheit und Teamtraining InPASS der Firma Inworks GmbH, die Gesellschaft für Risikoberatung mbH und das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.

Für den TK-Monitor Patientensicherheit hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im November 2019 und im August 2020 jeweils 1.000 Menschen in Deutschland ab 18 Jahren repräsentativ befragt. Den vollständigen TK-Monitor sowie Infografiken und weitere Informationen gibt es unter TK-Monitor Patientensicherheit.