Hamburg, 23. November 2020. Die erste Welle der Corona-Pandemie hat nicht nur zur Verschiebung von planbaren Operationen geführt, sondern offenbar auch zur Vermeidung von unnötigen Eingriffen. Das hat die Techniker Krankenkasse (TK) bei einer Analyse von den Rückenoperationen ihrer Versicherten festgestellt. "Im Frühjahr hat sich die Zahl der Rückenoperationen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum halbiert", sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Obwohl es nach dem Shutdown im März und April diesen Jahres zu Nachholeffekten kam und wieder mehr Eingriffe am Rücken vorgenommen wurden, sei unter dem Strich im ersten Halbjahr 2020 ein Minus von zwölf Prozent geblieben. Das zeigen die Abrechnungsdaten der Kasse.

Stärkster Einbruch im März und April

Den stärksten Einbruch um rund 50 Prozent hatte es in dem Zeitraum von Mitte März bis 19. April gegeben. In den darauffolgenden Wochen stieg die Zahl der Eingriffe an der Wirbelsäule wieder an. Sie überschritt jedoch nur in drei der Folgewochen deutlich die Zahlen der entsprechenden Vorjahreswochen (zwischen plus 20 und 30 Prozent). Über das ganze erste Halbjahr 2020 gesehen, erreichten die OP-Zahlen nicht mehr das Niveau des ersten Halbjahrs 2019, sondern verharrten bei rund 88 Prozent. 

Rückenbeschwerden ohne Eingriff zurückgegangen

"Medizinisch wirklich notwendige Rückenoperationen lassen sich in der Regel nicht nach Belieben verschieben. Offensichtlich sind also bei einem Teil der Patienten die Rückenbeschwerden auch ohne Einsatz des Skalpells zurückgegangen", erläutert Dr. Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.  So wisse man, dass in vielen Fällen auch konservative, nicht-chirurgische Methoden wie beispielsweise Physiotherapie gut helfen können. "Auch in den kommenden Monaten werden daher nicht mehr alle OPs nachgeholt werden", prognostiziert Überall.

Zweitmeinung Rücken

Gerade wenn es um Eingriffe an der Wirbelsäule geht, wird in Deutschland viel zu viel operiert. Das zeigt das Zweitmeinungsverfahren, das die TK ihren Versicherten mit Rückenproblemen seit 2010 anbietet. TK-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Baas: "In neun von zehn Fällen raten die begutachtenden Schmerzzentren von einer Operation ab." Acht von zehn Versicherten könne die konservative Behandlung so gut helfen, dass sie dauerhaft ohne Operation auskommen. Es gebe natürlich Fälle, in denen eine Operation das Mittel der Wahl sei, aber die Entscheidung für einen Eingriff sollte gut abgewogen und kritisch hinterfragt werden. TK-Versicherte, bei denen eine geplante Operation ansteht, können ihren Fall nicht nur in 30 speziellen Schmerzzentren überprüfen lassen und eine professionelle zweite Meinung einholen. Sie haben mittlerweile auch die Alternative, sich digital an ein interdisziplinäres Spezialistenteam zu wenden. Dr. Jens Baas: "Das spart nicht nur Anfahrtswege, sondern ist auch gerade in Pandemiezeiten eine gute, weil kontaktlose Alternative zum herkömmlichen Praxisbesuch." 

Hinweis für die Redaktion

Hier gibt es weitere Informationen zu den Zweitmeinungsverträgen der TK sowie eine Übersicht der Schmerzzentren.