Frankfurt am Main, 13. März 2019. Nur jeder vierte Patient (23 Prozent) in Hessen, der an einer Demenz leidet, wird mit einem Antidementivum behandelt. Die große Mehrheit der Betroffenen erhält entweder gar keine medikamentöse Therapie oder lediglich Antipsychotika bzw. Beruhigungsmittel gegen Verhaltenssymptome wie Unruhe, Schlafstörungen und Depressionen. Das geht aus dem Innovationsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. In Hessen leben mehr als 120.000 Menschen mit einer Demenz. Jedes Jahr werden landesweit rund 22.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. 

Demenzerkrankungen gehören zu den häufigsten und schwerwiegendsten altersbedingten Krankheiten. Allerdings gibt es gegen die Alzheimer-Demenz momentan keine medizinische Behandlung, die die Krankheitsursache bekämpft. Die verfügbaren Medikamente können den Krankheitsprozess lediglich verlangsamen. Studien zeigen, dass eine formale Diagnose die Chance erhöht, ein Antidementivum zu erhalten. Eine gesicherte Diagnosestellung ist demnach die Voraussetzung einer adäquaten Behandlung, damit Antidementiva so frühzeitig wie möglich verordnet werden können. „Auch wenn die derzeit verfügbaren Medikamente das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten können, sollten die Patienten damit versorgt werden, um eine weitere Entwicklung der Demenz möglichst weit hinauszuzögern“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. 

Eine Auswertung von Routinedaten der TK zeigt, dass in Hessen mehr als jeder dritte Patient (37 Prozent) mit einer Alzheimer-Demenz ein Beruhigungsmittel erhält. „Eine längerfristige Behandlung mit Antipsychotika ist immer problematisch und kann den kognitiven Abbau sogar noch beschleunigen“, sagt Professor Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt. Aus seiner Sicht sollten Menschen mit einer Demenz kontinuierlich ärztlich begleitet und betreut werden. „Idealerweise überwacht der Hausarzt in diagnostisch klaren Fällen die medikamentöse Therapie und behandelt weitere Begleiterkrankungen. Eine weiterführende Diagnostik und differenzierte Therapieempfehlungen werden durch die fachärztliche Perspektive beigesteuert. Aber auch nicht medikamentöse Maßnahmen wie eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und soziale Kontakte können die Lebensqualität von Demenzpatienten deutlich verbessern“, so Prof. Pantel. Er weist auch auf die Möglichkeiten der Prävention einer Demenz hin: „Beeinflussbare Risikofaktoren einer Demenz, die konsequent korrigiert werden sollten, sind Bluthochdruck, eine Diabetes-Erkrankung, Bewegungsmangel, Fehlernährung und depressive Erkrankungen.“ So kann beispielsweise eine dauerhafte Senkung eines zu hohen Blutdrucks in jüngeren Jahren den Eintritt einer Demenz herauszögern oder verhindern.

Aus Sicht der TK in Hessen muss die Versorgung von Menschen mit Demenz dringend verbessert werden. Die Therapie sollte überwiegend leitliniengerecht erfolgen und die Entwicklung neuer Wirkstoffe vorangebracht werden. Wegen der Schwierigkeit, Ansatzpunkte für eine wirksame Therapie gegen Demenz zu finden, hat die Pharmaindustrie jedoch ihre Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet entweder eingeschränkt oder sogar ganz beendet.

Hinweis für die Redaktionen:

Weitere Informationen zur Prävention, Diagnostik und Therapie der Demenz sind im Innovationsreport 2018 veröffentlicht www.tk.de Suchnummer 2047630 .