Die Diskussion um den Ärztemangel auf dem Land hält an. Inzwischen klagen auch Fachärzte über Schwierigkeiten bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

Herr Vogt, was macht die Suche nach Ärzten, die bereit sind, sich auf dem Land niederzulassen, so schwierig?

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Es liegt zumindest nicht an der Anzahl der Ärzte generell, denn Ärzte gibt es mehr denn je. Leider entscheiden sich nach der Ausbildung viel zu wenige für eine Tätigkeit als Fach- oder Hausarzt in einer ländlichen Region. Die meisten werden nach ihrer Ausbildung im Krankenhaus tätig.

Häufig liegt das an mangelnden oder falschen Informationen der Studierenden. Viele der bisher an den Touren teilnehmenden Studentinnen und Studenten haben uns dies bestätigt. Aber genau das ist ja einer der Gründe, warum wir auf Tour gehen: Vorurteile aus dem Weg räumen.

Welche Informationen fehlen den Studierenden besonders?

Vielen sind die Strukturen, die es in den ländlichen Regionen gibt, gar nicht bekannt. Die Zeiten, in denen der Landarzt als Einzelkämpfer nach der Sprechstunde mit Hausbesuchen und Notdiensten beschäftigt war, sind vorbei. Dieses Bild existiert aber noch häufig in den Köpfen.

Heute finden sich immer mehr Gemeinschaftspraxen oder medizinische Versorgungszentren, in denen Ärzte verschiedener Fachrichtungen gemeinsam tätig sind. Inzwischen dürfen niedergelassene Ärzte unter bestimmten Voraussetzungen auch Fachkollegen und Ärzte anderer Fachgebiete anstellen.

Ein einzelner Arzt hat heute viel mehr Freiheiten und kann auch Familie und Beruf gut vereinbaren. Bei den Notfalldiensten hat es durch die Einrichtung von Notfallpraxen an Kliniken eine deutliche Entlastung gegeben.

Stichwort "Digitalisierung" - müssen Landärzte darum bangen, den Anschluss an die telemedizinischen Entwicklungen zu verpassen?

Ganz bestimmt nicht, deshalb reden wir ganz bewusst von "Landarzt 4.0". Gerade in den ländlichen Gebieten kann die Telemedizin einen wertvollen Beitrag zur ärztlichen Versorgung leisten. Mit dem Pilotprojekt "docdirekt" der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg wird das hoffentlich unter Beweis gestellt werden. Wir bringen die Studierenden auf unserer Tour deshalb auch gezielt mit docdirekt-Ärzten in Kontakt. Der Landarzt wird seine Schlüsselfunktion in Zukunft sogar noch stärker wahrnehmen können, als Folge der Digitalisierung.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Hausbesuche künftig von besonders geschultem Praxispersonal durchgeführt werden und im Zweifel der Arzt über ein Videosystem zugeschaltet werden kann.

  • TK-DocTour 2018