TK:  Sie gingen mit der Impfung gegen des Corona-Virus in Ihrer Hausarztpraxis bundesweit einen einzigartigen Weg - es galt als bundesweites Pilotprojekt. Wie sind Ihre Erfahrungen nach den ersten Wochen seit Impfbeginn? Ist es eine Impfung wie jede andere für Sie?

Dr. Fabian Holbe: Die ersten Erfahrungen sind durchweg positiv. Bisher hat nur ein einziger Patient seinen Impftermin verpasst - in Rücksprache mit dem Impfzentrum habe ich dann eine 100-jährige geimpft, die sehr glücklich darüber war. Insgesamt unterscheidet sich der Corona-Impfstoff, den ich in der Praxis verwende, von anderen Impfstoffen, dadurch, dass er in der Vorbereitung etwas mehr Zeit und Sorgfalt benötigt.

"Der Corona-Impfstoff benötigt in der Vorbereitung etwas mehr Zeit und Sorgfalt."Dr. Fabian Holbe, Facharzt für Allgemeinmedizin / Notfallmedizin in Neuburg

Dr. Fabian Holbe

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Facharzt für Allgemeinmedizin / Notfallmedizin in Neuburg, Lehrbeauftragter  Gesundheitsmanagement Hochschule Wismar, WINGS

TK: Wie haben Sie diese zusätzliche Aufgabe in den Praxisalltag integriert?

Dr. Holbe: Wir haben in der Praxis eine Impf-Zeit eingerichtet, die außerhalb der normalen Praxiszeit liegt.

TK: Jüngst gab es Meldungen aus unserem Bundesland, dass es Probleme mit der Einhaltung der Kühlkette gab. Wie ist das in Ihrer Praxis geregelt?

Dr. Holbe: Wir bekommen den Impfstoff direkt vom Impfzentrum in einer für medizinische Produkte zugelassenen Kühlbox. Und in der Praxis sind entsprechende Kühlgeräte vorhanden. Bisher gab es bezogen auf die Arztpraxen keine Probleme. Was Sie ansprechen, ist ein Problem mit einem anderen Impfstoff, der vom Zulieferer zu kalt gelagert wurde. Inzwischen sind sich die Gremien aber einig, dass hierdurch kein Problem entstanden ist.

TK: Anders als in den Impfzentren kennen Sie die Patienten, die Sie impfen. Oder impfen Sie auch Personen, die keine Patienten Ihrer Praxis sind?

Dr. Holbe: Der überwiegende Teil der Patienten ist mir als Hausarzt bekannt. Es kommt aber auch vor, dass Patienten anderer Praxen zu mir kommen - die Terminvergabe erfolgt über die zentrale Hotline des Landes.

"Die Terminvergabe erfolgt über die zentrale Hotline des Landes."Dr. Fabian Holbe, Facharzt für Allgemeinmedizin / Notfallmedizin in Neuburg

TK: Spielt die persönliche Bindung aus Ihrer Sicht eine Rolle - beispielsweise in Bezug auf das Vertrauen?

Dr. Holbe: Es gibt durchaus skeptische Patienten, die sich eher entscheiden, eine Impfung anzunehmen, wenn zumindest der impfende Arzt kein unbekannter ist.

TK: Stellten Patienten bei Ihnen Nachfragen zum Impfstoff? Oder wurde gar wegen des Impfstoff-Herstellers eine Impfung abgelehnt?

Dr. Holbe: Der Impfstoff ist Thema nahezu jeder Impfung - bisher hat aber noch kein Patient eine Impfung deswegen abgelehnt.

"Der Impfstoff ist Thema nahezu jeder Impfung."Dr. Fabian Holbe, Facharzt für Allgemeinmedizin / Notfallmedizin in Neuburg

TK: Auch andere Hausarztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern führen Corona-Impfungen durch. Besteht zwischen Ihnen ein regelmäßiger Austausch?

Dr. Holbe: In Nordwestmecklenburg impfen aktuell zehn Arztpraxen. Ich versuche, regelmäßig mit allen Praxen Kontakt zu halten, um frühzeitig auf mögliche Herausforderungen zu reagieren.

TK: Welche Ansätze oder gar Wünsche haben Sie für eine Weiterentwicklung des regionalen Impfkonzepts? Welche Rolle sollten die Hausärzte dabei einnehmen?

Dr. Holbe: Aktuell gibt es noch (!)  zu wenig Impfstoff - diese Mangelwirtschaft wird sich aber innerhalb der nächsten Wochen umkehren. Um dann möglichst viele Patienten schnell zu erreichen, werden die Hausärzte die Schüsselposition einnehmen. Einzelne Arbeitsschritte müssen dazu noch geklärt werden, wie z. B. die Terminvergabe und das komplexe Thema der Priorisierung.

"Um möglichst viele Patienten schnell zu erreichen, werden Hausärzte die Schüsselposition einnehmen."Dr. Fabian Holbe, Facharzt für Allgemeinmedizin / Notfallmedizin in Neuburg

TK: Mögen Sie zum Abschluss eine Prognose wagen, wann wir die gewünschte Durchimpfungsrate von 70 Prozent erreichen werden?

Dr. Holbe: Ich würde mich freuen, wenn wir das gesteckte Ziel erreichen, im September allen ein Impfangebot gemacht zu haben. Ob das gleichzeitig auch bedeutet, dass wir 70 Prozent Durchimpfungsrate haben, hängt von der Akzeptanz der Bevölkerung ab. Diese Akzeptanz durch einen leichteren Zugang zur Impfung zu steigern, wird unsere Aufgabe in den nächsten Wochen und Monaten sein.

Zur Person 

Dr. Fabian Holbe hat nach dem Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Universität Lübeck die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemein abgeschlossen. Sein Wunsch, sich als Landarzt niederzulassen, erfüllte sich der Familienvater von drei Kindern in Neuburg, im Landkreis Nordwestmecklenburg vor über zwölf Jahren. Neben seinen beruflichen Herausforderungen ist er als Dozent an der Hochschule Wismar für Projektmanagement im Master-Fernstudiengang Gesundheitsmanagement tätig. Zudem ist er Leitender Notarzt im Landkreis Nordwestmecklenburg.